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Transformation

Digitalisierung ist eine Überlebensfrage

Ohne digitale Strategie haben Unternehmen keinen Erfolg, sagt eine Studie. Allerdings ist es schwierig, den Ertrag zu messen.
Von Bernhard Fleischmann, MZ

Digitaler Alltag: Ein Mitarbeiter überprüft mit einem Tablet die Betriebsdaten von vernetzten Maschinen.Foto: Daniel Maurer/dpa
Digitaler Alltag: Ein Mitarbeiter überprüft mit einem Tablet die Betriebsdaten von vernetzten Maschinen.Foto: Daniel Maurer/dpa

Regensburg.Was bringt die Digitalisierung für die Wirtschaft? Die Antwort auf diese Frage fällt Helmut Pirthauer leicht. Für den Geschäftsführer der Heidrive GmbH in Kelheim steht außer Frage: Nur mit ihrer Hilfe hat seine Firma überlebt. Hätte man im Jahr 2005 nicht damit begonnen, das Unternehmen neu zu erfinden, Konfiguratoren an mehreren Stellen einzurichten, ein modernes Produkt im Baukastensystem mit theoretisch fast einer Milliarde Möglichkeiten einzuführen – dann hätte Heidrive keine Überlebenschance gehabt. Davor hatte sich binnen 15 Jahren der Umsatz halbiert.

Pirthauer berichtete, wie Digitalisierung bei Heidrive funktioniert. Er erzählte von dem Projekt, im Jahr 2005 gestartet. Man konnte ihm keinen richtigen Namen geben, weil man gar nicht recht wusste, was es eigentlich ist. Anstatt dem Rat zu folgen, die Produktion nach Tschechien, Indien, China und rund um die Welt zu verlagern, blieb Heidrive in Deutschland. Heute wartet der Kunde auf sein individuell bestelltes Produkt (Antriebsmotoren) fünf Tage statt früher acht bis zehn Wochen. Heidrive hat namhafte Kunden gewonnen, 2017 rund 50 Mitarbeiter eingestellt. In der IT, im Marketing und der Entwicklung waren zusätzliche Mitarbeiter nötig.

Wie der Umsatz schneller wächst

Diese Erfahrungen schilderte Pirthauer am Donnerstagabend bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die in Regensburg die Studie „Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung“ für die Regionen Oberpfalz und Niederbayern vorstellte. Die von Prognos erstellte Studie sollte Erkenntnisse liefern, aus denen der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft Handlungsempfehlungen ableitet. Die Nähe zur bayerischen Politik hilft dabei, dass etwas davon umgesetzt wird.

Die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrates präsentierte die Büroleiterin des vbw-Präsidenten, Christine Völzow. Foto: Fleischmann
Die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrates präsentierte die Büroleiterin des vbw-Präsidenten, Christine Völzow. Foto: Fleischmann

Digitalisierung schafft eine neue Wertschöpfung, sagte Prognos-Direktor Dr. Michael Schlesinger. Unternehmen erhielten damit bessere Informationen über ihre Anlagen, Prozesse, Kunden. Flexiblere Produktion, kürzere Entwicklungszyklen und diverses mehr – alles Früchte der Digitalisierung. Schwierig ist es aber, diese Effekte in Zahlen zu fassen und zu messen. Dennoch errechnet Prognos eine Wertschöpfung von 410 Milliarden Euro in diesem Jahr in Deutschland, das sind 15 Prozent der gesamten Leistung. Eine andere Zahl des Instituts ist vielleicht noch eindrucksvoller: Firmen, die nur gering digitalisiert sind, steigern ihren Umsatz nicht einmal halb so stark wie stark digitalisierte. Die Industrie ist viel weiter als das Handwerk, sagte Schlesinger, doch auch dort ginge es allmählich voran: „Da ist noch einiges zu erwarten.“

Größere Chancen als Risiken

In der Agrarwirtschaft, am Bau, bei Versicherungen – wohin man blickt, sorge die Digitalisierung für Umbrüche, Wandel, neue Produkte – und für neue Risiken wie Datenverlust oder Hacking. Ob dabei die Zahl der Arbeitsplätze sinkt oder steigt, scheint noch nicht ausgemacht. Aber die Qualifikationen änderten sich definitiv. Schlesinger fasste zusammen: Die Digitalisierung verändert die Welt schnell und massiv. Die Chancen seien größer als die Risiken.

Daraus zieht der Zukunftsrat eine Reihe von Handlungsempfehlungen, welche die Büroleiterin des vbw-Präsidenten, Christine Völzow, präsentierte. Unternehmen müssten branchenübergreifend denken und Synergien heben. Zunächst gehe es darum, die Veränderungen zu erkennen und aufzugreifen. Eine optimistische Grundhaltung sei nötig, um Begeisterung zu wecken. Der Ausbau der Infrastruktur sei inzwischen einigermaßen in Gang gekommen. Dennoch gebe Deutschland und Bayern im internationalen Vergleich noch ein eher schlechtes Bild ab. Digitale Bildung, ob an Schulen oder im Beruf, müsse gestaltet werden. In der Gesetzgebung wünscht sich die Wirtschaft eher Zurückhaltung denn „zu großen Aktionismus“. Fest stehe: Jedes Unternehmen brauche seine eigene Digitalisierungsstrategie.

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