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Industrie

Dramatische Halbjahresbilanz bei Krones

Die Aktie ist gefallen, der Finanzchef gegangen: Nun gibt das Neutraublinger Unternehmen ein schlechtes Ergebnis bekannt.
Von Marion Koller

Krones liefert Maschinen und Anlagen zur Getränkeabfüllung und Verpackung in alle Welt. Foto: Kiefer/Krones
Krones liefert Maschinen und Anlagen zur Getränkeabfüllung und Verpackung in alle Welt. Foto: Kiefer/Krones

Regensburg.Hohe Kosten und ein ungünstiger Produktmix belasten die Ertragskraft von Krones im ersten Halbjahr 2019. Den Bilanzbericht veröffentlichte der international tätige Maschinenbauer am Donnerstag. Der Umsatz legte von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr nur um magere 0,7 % zu. Dramatisch ist das Konzernergebnis gesunken: Krones erwirtschaftete von Januar bis Juni 2019 nur 33,3 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war es noch mehr als doppelt so viel: 76,9 Millionen Euro.

Von dem lange erfolgsverwöhnten Hersteller von Verpackungs- und Abfüllmaschinen sind in den letzten Tagen und Wochen mehrere Hiobsbotschaften gekommen. Die Aktie liegt bei nur noch knapp über 56 Euro. Von Finanzvorstand Michael Andersen hat sich Krones diese Woche überraschend getrennt. Bei der Hauptversammlung kritisierten Aktionärsvertreter, dass das global tätige Unternehmen zu viel mit Plastikflaschen arbeite.

Auf Krones-Chef Christoph Klenk kommen turbulente Zeiten zu. Foto: Kiefer/Krones
Auf Krones-Chef Christoph Klenk kommen turbulente Zeiten zu. Foto: Kiefer/Krones

Die schwierigen gesamtwirtschaftlichen Bedingungen und Unwägbarkeiten wie der schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA belasteten im ersten Halbjahr 2019 die Geschäfte zunehmend. Nach der starken Steigerung im ersten Quartal (+ 10,3 %) legte der Umsatz von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,7 % zu. Insgesamt verbesserte sich der Umsatz von Januar bis Juni 2019 um 5,5 % von 1.790,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 1.889,3 Mio. Euro. Bereinigt um Akquisitions- und Währungseffekte lag das Wachstum bei 1,8 %.

Trotz der insgesamt negativen Nachrichten sagte Betriebsratschef Josef Weitzer zur Mittelbayerischen: „Wir sind am richtigen Markt tätig und haben die richtigen Produkte. Es gibt die Planung, an einer dreiprozentigen Rendite festzuhalten.“ Im letzten Jahr lag die Rendite noch bei fast sechs Prozent. Deshalb sagt Weitzer, der auch dem Aufsichtsrat angehört, für Außenstehende sei es lange her, dass es nur drei Prozent waren. „Doch das hat es im Ausnahmefall auch schon früher gegeben.“

Gegenwärtig kämen ein paar schwierige weltwirtschaftliche und interne Themen zusammen. Die Probleme seien „nicht nur hausgemacht“. Die Autoindustrie läuft nicht reibungslos. Bei den PET-Flaschen zeichne sich ein Strukturwandel ab. Krones baue die internationale Präsenz aus.

Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk stellte auf Anfrage fest: „Die Lage ist herausfordernd und das wird sie auf absehbare Zeit auch bleiben. Wir dürfen aber das Positive nicht übersehen: Krones ist auf einem weltweit wachsenden Markt tätig.“

Die Kunden investieren weniger

Die rückläufige Konjunktur und die unsicheren gesamtwirtschaftlichen Aussichten bremsen die Investitionsbereitschaft der Krones-Kunden, heißt es in der Halbjahresbilanz. Von April bis Juni 2019 verspürte das Unternehmen in Teilbereichen eine Nachfrageschwäche. Diese konnte man durch das breite Produktangebot aber größtenteils kompensieren. Von Januar bis Juni 2019 erhöhte sich der Auftragseingang um 1,2 % von 2.014,8 auf 2.038,6 Millionen Euro. Bereinigt um Akquisitionseffekte stieg der Wert der Bestellungen um 0,4 %.

Hohe Kosten belasten die Ertragskraft

Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ging im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 112,7 auf 47,9 Millionen Euro zurück. Die EBT-Marge verringerte sich von 6,3 % auf 2,5 %. Die Ertragskraft von Krones litt unter den hohen Kosten für Material und Personal. Darüber hinaus wirkte sich der Produktmix ungünstig auf das Ergebnis aus. Besonders im zweiten Quartal 2019 lag der Umsatz von Produkten mit hoher eigener Wertschöpfung, wie beispielsweise Maschinen und Anlagen der Kunststofftechnik, niedriger als erwartet. Dies führte zu einer Unterauslastung in diesem Bereich.

Ein weiterer wesentlicher Grund für das rückläufige Ergebnis ist, dass der Umsatz in Teilen des margenstarken After-Sales-Geschäfts im ersten Halbjahr 2019 über dem Vorjahr, aber unter Plan lag. Unterm Strich erwirtschaftete Krones von Januar bis Juni 2019 ein Konzernergebnis von 33,3 Millionen Euro (Vorjahr: 76,9 Millionen Euro). Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 1,06 Euro (Vorjahr: 2,45 Euro).

Einen Einstellungsstopp angeordnet

Das durchschnittliche Working Capital der vergangenen vier Quartale im Verhältnis zum Umsatz hat Krones verbessert. Es fiel von 28,8 % im Vorjahr auf 26,0 %. Der Free Cashflow verringerte sich auf minus 259,4 Mio. Euro (Vorjahr: minus 56,2 Mio. Euro). Dass Krones in der ersten Jahreshälfte einen negativen Free Cashflow erwirtschaftet, ist saisonbedingt und stellt für das Geschäft des Unternehmens nichts Ungewöhnliches dar.

Im zweiten Halbjahr rechnet die Firma mit Besserung

Der Vorstand hat weitere Maßnahmen ergriffen, um den Ergebnisbelastungen entgegenzuwirken. Hierzu zählen unter anderem ein Einstellungsstopp und Maßnahmen zur Senkung der Materialkosten. Der Ausbau des Global Footprint schreitet gut voran. So ist beispielsweise das neue Werk in Ungarn voll im Zeit- und Kostenplan. Im Laufe dieses Jahres wird Krones dort die Produktion hochfahren und wie geplant ab 2020 durch das ungarische Werk positive Ergebniseffekte realisieren.

Krones erwartet, dass die Auslastung der Produktionskapazitäten sowie das margenstarke Servicegeschäft, wie in den Vorjahren, besonders im vierten Quartal steigen werden. Deshalb erwartet der Maschinenbauer, dass sich das Konzernergebnis im zweiten Halbjahr 2019 verbessert.

Insgesamt rechnet das Unternehmen für 2019 mit einem Wachstum von 3 %. Die EBT-Marge soll bei rund 3 % liegen. Für die dritte Zielgröße, das Working Capital im Verhältnis zum Umsatz, erwartet Krones 26 %.

Preiserhöhungen reichen nicht aus

Die bislang initiierten strategischen Maßnahmen, wie die Preiserhöhungen und der bisherige Ausbau des Global Footprint, reichen nicht aus, um die angestrebten Ergebnisziele nachhaltig zu erreichen. Deshalb arbeitet der Vorstand zurzeit an weiteren strukturellen Veränderungen zur nachhaltigen Stärkung der Ertragskraft. Im Fokus stehen hier die Reduzierung von Komplexität, die schnelle Reaktion auf die Anforderungen des Marktes sowie eine Unternehmensorganisation, in der der Kunde noch stärker im Mittelpunkt steht.

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An den Mittelfristzielen hält Krones unverändert fest. Je nach gesamtwirtschaftlicher Lage und Entwicklung an den Märkten des Unternehmens rechnet der Vorstand mit einem jährlichen durchschnittlichen Umsatzwachstum von 3 bis 5 % ohne Akquisitionseffekte, einer EBT-Marge von 6 bis 8 % und einem Working Capital im Verhältnis zum Umsatz von 22 bis 24 %.

Das Unternehmen beschäftigt weltweit knapp 17 000 Mitarbeiter, 9000 davon in Deutschland und 6700 in Neutraubling.

Den vollständigen Bericht über das erste Halbjahr 2019 hat Krones im Internet unter https://www.krones.com/de/unternehmen/investor-relations.php veröffentlicht.

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