mz_logo

Wirtschaft
Samstag, 26. Mai 2018 28° 2

Porträt

Ein Automann mit Leidenschaft

Eine ungewöhnliche Karriere hat Bernd Pischetsrieder in gleich drei deutsche Autokonzerne geführt. Nun wird er 70.
Von Roland Losch, dpa

  • Er hat BMW und VW geprägt: Nun wird Bernd Pischetsrieder 70 – und arbeitet immer noch. Foto: Frank Leonhardt/dpa
  • Viele Jahre gehörte Bernd Pischetsrieder der BMW AG an. Foto: Stefan Puchner/dpa

München.Bernd Pischetsrieder ist in der Autoindustrie ein gefragter Mann. Der Ingenieur war zuerst BMW-Chef, dann VW-Chef, inzwischen sitzt er im Aufsichtsrat von Daimler. Aber nicht nur als Manager, auch mit seiner Begeisterung für Oldtimer und schnelle Autos hat Pischetsrieder Schlagzeilen gemacht. Am Donnerstag wird er 70 Jahre alt.

Die Leidenschaft für Autos ist ihm vielleicht schon in die Wiege gelegt worden: Sein Großonkel Sir Alec Issigonis hatte als Autokonstrukteur bei British Motors den Mini entwickelt. Bernd Pischetsrieder heuerte nach dem Maschinenbau-Studium in seiner Heimatstadt München bei BMW an und schaffte es über Dingolfing und Südafrika bald nach oben: 1993 wurde er Vorstandschef – und kaufte ein Jahr später den britischen Autobauer Rover.

Ärger von mehreren Seiten

„Im Nachhinein stellte sich das als falsche Entscheidung heraus. Aber er hat souverän und in Würde die Verantwortung übernommen – das ist etwas, was nicht viele machen“, sagt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nach Milliardenverlusten mit Rover zog BMW 1999 die Reißleine und feuerte Pischetsrieder. Nur Mini und Rolls-Royce blieben bei BMW. Zu seinen Erfolgen gehören auch das BMW-Werk Spartanburg in den Vereinigten Staaten und der Ausbau des US-Geschäfts. „Bernd Pischetsrieder hat BMW in eine andere Liga geführt“, sagt Bergdolt. Zwei Jahre später holte VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch Pischetsrieder als Seat-Chef nach Wolfsburg und erkor ihn 2002 zu seinem Nachfolger an der Spitze des Konzerns. Ein schweres Erbe: VW kämpfte mit Kosten- und Qualitätsproblemen. Veruntreuungen und Sexreisen für Betriebsräte flogen auf.

Piëch und Pischetsrieder geraten aneinander

Pischetsrieder brachte VW mit besserer Qualität, neuen Modellen wie dem Touran und dem Touareg sowie längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich wieder auf Kurs und bremste das teure Phaeton-Modell – ein Lieblingsprojekt des Aufsichtsratschefs und Großaktionärs Piëch. Das hieß Ärger von mehreren Seiten. Ende 2006 musste Pischetsrieder abtreten – immerhin mit vollen Bezügen für weitere fünf Jahre. „Das einzige Problem war, dass der Herr Piëch den Herrn Pischetsrieder nicht mag“, sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Abgasaffäre und Steuerverfahren

  • Der frühere VW-Konzernchef

    hatte nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware bei Abgastests. Er hätte auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, ließ Pischetsrieder zur VW-Abgasaffäre über seine Rechtsanwälte mitteilen.

  • Im Jahr 2011

    geriet Bernd Pischetsrieder ins Visier der Münchner Staatsanwaltschaft. Er musste sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde aber gegen eine Zahlung von 100 000 Euro eingestellt.

  • Die Staatsanwaltschaft

    hatte ihm vorgeworfen, zwischen 2000 und 2003 etwa 234 000 Euro Einkommensteuer hinterzogen zu haben. Der Vorsitzende Richter hatte aber zweifel daran, dass Pischetsrieder vorsätzlich falsche Angaben beim Finanzamt gemacht haben soll.

Der VW-Patriarch hatte den frisch Gefeuerten auf der VW-Hauptversammlung 2007 noch einmal abgewatscht: „Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben.“ Das habe er jetzt korrigiert. Viele Aktionäre sahen das anders: Den größten Beifall gab es, als Piëch Pischetsrieder für die geleistete Arbeit dankte. „Besonnen, ruhig, sachlich – mit seinem Managmentstil hat er die Unternehmen und die Autowelt beeinflusst“, sagt Dudenhöffer heute. Auch andere, die mit Pischetsrieder zu tun hatten, loben seine „Haltung auch in schwierigen Zeiten“, beschreiben ihn als Gentleman, der nie die Bodenhaftung verloren habe.

Im Auftrag der Blaublüter

Hier erinnert man sich an einen humorvollen Gesprächspartner, da an den Zigarrenraucher, dort an den Weißwein von Pischetsrieders eigenem Weingut. Pischetsrieder lebt am Chiemsee, vis-à-vis der Herreninsel mit König Ludwigs Schloss. Dort war er mit seiner Frau im Sommer 1995 einmal zu schnell unterwegs auf einer Spritztour, einen McLaren F1 fuhr er zu Schrott. Von seiner Leidenschaft für Autos spricht auch seine Begeisterung für Oldtimer – er hat sogar in einen Händler für die Liebhaber-Stücke investiert.

Seit 2013 hat Pischetsrieder als Aufsichtsratschef der Münchener Rückversicherung auch Erdbeben, Wirbelstürme und Kapitalanlagen von gut 200 Milliarden Euro im Blick. Und seit 2014 gehört er zudem dem Daimler-Aufsichtsrat an – „da schätzt man seine hohe Fachkompetenz“, sagt Dudenhöffer. Und für die Erben der bayerischen Könige kümmert sich der bärtige Oberbayer auch noch um deren Vermögen, im Verwaltungsrat des Wittelsbacher-Fonds.

Weitere Wirtschaftsmeldungen können Sie hier lesen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht