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Ein grünes Monster erobert die Welt

Alle fünf Tage verlässt ein Diamant 2000 das Werk von Albach im Kreis Kelheim. Der Hacker ist gefragt – selbst in Australien.
Von Martin Kellermeier, MZ

Die Beute des gigantischen Holzhackers sind Baumstämme und Äste. Foto: Tino Lex
Die Beute des gigantischen Holzhackers sind Baumstämme und Äste. Foto: Tino Lex

Langquaid.Die 612 Pferdestärken des Diamant 2000 sind nicht zu überhören. Wie ein Riese steht die gigantische Maschine auf einem Feld bei Menning im Landkreis Pfaffenhofen. Die Beute des Holzhackers liegt auf einem Haufen daneben: Baumstämme und Äste. Der angebaute Kran an der Maschine greift zu und schiebt das Material durch den Hacker. Es wird noch lauter. Immer wieder ist das Knacken der Äste zu hören. Im Führerhaus sitzt Franz Bachmaier. Er hat das minzgrüne Monster mitentwickelt. Mit Erfolg: Der Diamant 2000 hat sich vom Prototyp zum Serienmodell entwickelt. Heute hackt er nicht nur in Europa – auch in den Wäldern der USA oder in Chile taucht er auf. Selbst die Australier wollen ihn haben.

Franz Bachmaier ist kein klassischer Firmenchef. Er trägt keinen Anzug. Der 49-Jährige geht in Arbeitskleidung durch seine Firma, die mittlerweile rund 100 Mitarbeiter zählt. Alleine in der Fertigung sind es 65. Bachmaier ist ein Vollblut-Mechaniker. Als es ans Entwickeln des Hackers ging, hat er sich mit Richard Alzinger zusammengetan. Der war zuvor Vertriebsleiter bei der Firma Holmer, einer großen Maschinenbaufirma. Die Rollen der Geschäftsführer waren schnell verteilt: Bachmaier und sein Bruder machen die Technik, Alzinger den Vertrieb. Die Firma Albach war geboren. Das war im Jahr 2006.

Die Sache mit den Zuckerrüben

Die Idee zum minzgrünen Hacker lieferte die Anfrage eines Waldbauern. Der hatte einen Prototyp von Bachmaier gesehen, bei dem eine Hackmaschine aus Österreich auf ein selbstfahrendes Zuckerrübenverladegerät montiert wurde. Die Maschine war leistungsstärker als die in Deutschland verbreiteten. Der Landwirt wollte auch so eine Spezialanfertigung und wollte dafür einen alten Zuckerrübenroder von Bachmaier umbauen lassen. Daraus wurde aber nichts. Richard Alzinger bekam von dem Plan mit und sah das Potenzial, das in der Maschine steckt. „Da bauen wir lieber eine neue Maschine“, soll er gesagt haben. Und schon ging die Schrauberei los.

„Der Diamant 2000 hat eine Autobahnzulassung“

Franz Bachmaier, Geschäftsführer

Der erste selbstfahrende Hacker entstand in einer kleinen Scheune in Menning. Die Halle war gerade so groß, dass die Maschine hineingepasst hat. Funktioniert hat es trotzdem. Im Jahr 2008 erschien der Silvator 2000. Das Folgemodell ließ nicht lange auf sich warten. Vier Jahre später verließ der erste Diamant 2000 die Halle. Optisch sieht er fast genau so aus, wie sein Vorgänger. „Aber der Diamant 2000 hat eine Autobahnzulassung“, sagt Geschäftsführer Franz Bachmaier. Das ist für viele der Albach-Kunden wichtig. Der durchschnittliche Holzhacker bewegt sich in einem Radius von rund 100 Kilometern.

Albach erwartet weiter steigende Zahlen

Von Jahr zu Jahr stieg die Nachfrage. Während 2008 noch zwei Hacker verkauft wurden, verlässt derzeit ein Hacker pro Woche das Werk. Auch für das kommende Geschäftsjahr erwartet die Firma Albach „eine ähnliche Zahl“, Tendenz steigend. Maschinenringe, Lohnunternehmer und Landwirte aus insgesamt 30 Ländern haben schon einen Holzhacker aus Ostbayern gekauft. Bis zum Jahr 2015 hat Albach ausschließlich in Menning im Landkreis Pfaffenhofen auf einer Fläche von 300 Quadratmetern produziert. Das ist Geschichte. Seit 2015 findet die komplette Fertigung in Langquaid im Landkreis Kelheim statt. Dafür hat Albach einen großen Standort gebaut. Auf über 5000 Quadratmetern sind Service, Lager, Montage und Verwaltung angesiedelt.

„Der Markt ist noch lange nicht erschlossen“

Franz Bachmaier, Geschäftsführer

Franz Bachmaier und sein Team wollen Albach weiter wachsen lassen. Gerade arbeitet der Maschinenbauer daran, sich in weiteren Ländern einen Namen zu machen. „Wir brauchen mehr Händler vor Ort“, sagt der Bachmaier. Denn für ihn steht fest: „Der Markt ist noch lange nicht erschlossen.“ Vor Kurzem hat den 49-Jährigen erst eine Anfrage aus Australien erreicht.

Schlafen darf keiner

Die Konkurrenz hält die Füße aber auch nicht still. Firmen in Tschechien und Italien haben vom Erfolg Albachs mitbekommen und entwickeln laut Bachmaier ähnliche selbstfahrende Hacker. „Die kopieren uns“, ärgert sich Franz Bachmaier. Für das Team ist das aber nur noch mehr Ansporn. Im Techniker Bachmaier schlägt der Betriebswirtschaftler durch: „Der Markt schläft nicht. Das dürfen wir auch nicht tun.“ Weltmarktführer ist Albach in der Technik dennoch. Die Autobahnzulassung haben die Mitbewerber für ihre Hacker noch nicht bekommen.

Die Montage ist Handarbeit. 75 Prozent der verbauten Teile stellt die Firma Albach selbst her. Nur Reifen oder Motor kauft sie zu. Foto: Tino Lex
Die Montage ist Handarbeit. 75 Prozent der verbauten Teile stellt die Firma Albach selbst her. Nur Reifen oder Motor kauft sie zu. Foto: Tino Lex

Das neue Werk von Albach in Langquaid ist modern, strukturiert und geräumig. Die Firmenchefs setzen auf die Eigenproduktion und die damit verbundene Sicherstellung der hohen Qualität. 75 Prozent der Teile, die in einem Diamant 2000 verbaut sind, stammen aus der Eigenproduktion. Nur Reifen, Getriebe, Achsen und Motor kauft Albach zu. Letzterer ist übrigens von Volvo.

Franz Bachmaier steckt voller Tatendrang. Der Erfolg der Firma ist für ihn eine reine Teamleistung. In gut einem Jahr soll sich das Spektrum von Albach erweitern. Ein völlig neues Produkt soll auf den Markt kommen. Schlägt das ähnlich ein, wie der selbstfahrende Hacker, will Bachmaier in Langquaid das Werk erweitern. Wird das nicht zu viel Stress? Bachmaier lächelt. „Das ist mein Hobby. Sonst darf man das gar nicht machen.“

Alle Teile der Serie „Unsere Champions“ lesen Sie hier!

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