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Geld

Ein Möbelgigant steckt in der Krise

Steinhoff ist die Nummer zwei hinter Ikea. Doch der Börsenwert stürzte in den Keller. Jetzt wollen die Aktionäre Antworten.
Von Ralf E. Krüger, dpa

Was bei anderen Unternehmen Routine ist, droht bei Steinhoff zum turbulenten Happening zu werden. Dem Konzern mit Wurzeln in Niedersachsen stehtdie Hauptversammlung bevor. Doch dem Unternehmen wird vorgeworfen, der größte Kapitalvernichter unter Deutschlands Aktiengesellschaften zu sein. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Was bei anderen Unternehmen Routine ist, droht bei Steinhoff zum turbulenten Happening zu werden. Dem Konzern mit Wurzeln in Niedersachsen stehtdie Hauptversammlung bevor. Doch dem Unternehmen wird vorgeworfen, der größte Kapitalvernichter unter Deutschlands Aktiengesellschaften zu sein. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Hannover.Beim deutsch-südafrikanischen Handelsriesen Steinhoff hängt der Haussegen schief. Der in einen Bilanzskandal verwickelte Konzern steckt seit Ende 2017 in einer schweren Krise. Damals begannen die Ermittlungen wegen Bilanzunregelmäßigkeiten, und Chef Markus Jooste musste gehen. Die Nerven der Investoren liegen blank, denn die anhaltende Ungewissheit über das wahre Ausmaß des Bilanzskandals lastet schwer auf dem Kurs. Spannung verspricht die Hauptversammlung des Möbelhändlers, die am Freitag in einem Konferenzhotel bei Amsterdam stattfindet und live in das größte Konferenzzentrum im südafrikanischen Kapstadt übertragen wird.

„Es wird turbulent werden“, sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, „denn es geht ja auch um die Frage, wer wann was wusste und ob es rechtliche Ansprüche gibt, um den Kursverlust von fast 97 Prozent abzufedern.“

„Es wird turbulent werden, denn es geht ja auch um die Frage, wer wann was wusste und ob es rechtliche Ansprüche gibt, um den Kursverlust von fast 97 Prozent abzufedern.“

Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

Nach Berechnungen der DSW war Steinhoff 2017 der größte Kapitalvernichter unter Deutschlands Aktiengesellschaften. Die Aktien der Poco-Mutter – mit niederländischer Rechtsform und operativem Sitz in Südafrika – werden seit Monaten nur noch im Cent-Bereich gehandelt, seit nach der starken Expansion der vergangenen Jahre mit diversen Übernahmen zuletzt Zweifel an den Werten der übernommenen Firmen aufkamen.

Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)
Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

Die von Firmengründer und Namensgeber Bruno Steinhoff aus dem niedersächsischen Westerstede aufgebaute Gruppe gilt als Europas zweitgrößter Möbelkonzern und will bei dem Treffen den Aufsichtsrat teilweise auswechseln. Zwar wird der im SDax notierte Konzern längst aus Südafrika geführt, hat aber bis heute seine Europazentrale in Westerstede, wo etwa die Logistik-Tochter Global Warehouse tätig ist. Ende 2017 stürzte die Steinhoff-Gruppe in die Krise: Bilanzen waren offenbar manipuliert worden, der Börsenkurs gab krachend nach.

Finanzaufsicht droht mit Zwangsgeld

Die Steinhoff-Gruppe zog die Jahresabschlüsse von 2016 und 2015 offiziell zurück, nachdem sich die Hinweise auf Manipulationen verdichteten. Unklar ist, ob auch frühere Bilanzen überprüft werden müssen – auch hier liegen erste Hinweise auf Manipulationen vor.

In Südafrika wie auch Deutschland beschäftigt der Konzern bereits die Behörden. Die Finanzaufsicht Bafin etwa droht der kriselnden Muttergesellschaft der Billig-Möbelhauskette Poco mit einem Zwangsgeld in Millionenhöhe, wenn es nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes die Finanzberichterstattungspflichten einhält. Immerhin: Der Abschluss fürs Geschäftsjahr 2016 muss neu erstellt werden, der für die zwölf Monate bis Ende September 2017 wurde gar nicht erst veröffentlicht. Auch das südafrikanische Parlament schaltet sich bereits in den Skandal um mutmaßliche Bilanzmanipulationen ein.

Wurzeln in Niedersachsen

In Niedersachsen, wo der Konzern seine Wurzeln hat, werfen die oppositionellen Grünen im Landesparlament ebenfalls Fragen nach den Hintergründen der möglichen Bilanzfälschungen bei dem unter Druck geratenen Konzern auf. Sie hinterfragen vor allem die Rolle der Verantwortlichen des deutsch-südafrikanischen Einzelhandelskonzerns und die Zuständigkeiten in der weit verzweigten Unternehmensgruppe.

Steinhoff lädt zur Hauptversammlung. Foto: Ralf Krüger/dpa
Steinhoff lädt zur Hauptversammlung. Foto: Ralf Krüger/dpa

Konkret will der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel in seinem Fragenkatalog wissen, welche Unternehmensteile die Steinhoff Familienstiftung in Westerstede oder die Steinhoff Familienholding GmbH Oldenburg halten, welche Institutionen ermitteln und welche Banken in welchem Ausmaß betroffen sein könnten. Von Westerstede aus würden auch heute noch Teile des Geschäfts der an den Börsen in Frankfurt und Johannesburg (Südafrika) gelisteten Gruppe gesteuert, so Wenzel. Er wirft die Frage auf: „Welche Wirtschaftsprüfer haben die etwa 700 Tochterunternehmen des Konzerns in den letzten 10 Jahren geprüft?“

Das Unternehmen hatte sich in jüngster Zeit von Unternehmensteilen getrennt, um sich frisches Geld zu beschaffen. Steinhoff hatte zuletzt bei der seit dem Sommer börsennotierten Tochter Steinhoff Africa Retail seine Beteiligung reduziert. „Hauptfrage der Versammlung wird sicherlich auch sein, wie es weitergeht: Ist man jetzt hoffnungslos überschuldet oder gibt es noch Perspektiven für das Geschäftsmodell?“, sagt Aktionärsvertreter Kurz. Er beklagt: „Wir haben ja nach wie vor eine Situation, in der wir keine Zahlen haben.“

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