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Technologie

Eine Regensburger Innovation mit viel Potenzial

Mit einer völlig neuartigen Beschichtungstechnik macht Reinhausen Plasma Solarzellen billiger, vertreibt Küchengerüche und glättet Gesichtsfalten.
Von Christine Hochreiter, MZ

50 Jobs wurden bereits geschaffen – und es werden noch mehr.Foto: Lex

Regensburg. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat man vor den Toren Regensburgs eine möglicherweise bahnbrechende Erfindung gemacht – mit einem riesigen Absatzpotenzial für neue Märkte und neue Arbeitsplätze. Gestern stellte die Reinhausen Plasma GmbH Medienvertretern im Gewerbegebiet Haslbach eine „Weltneuheit“ vor. Bei „Plasma Dust“ handelt es sich um eine hochinnovative Beschichtungstechnik, für die sich schier unzählige Anwendungsmöglichkeiten eröffnen.

Geschäftsführer Michael Bisges erläuterte das Prinzip: Wo bisher viel Chemie, Energie sowie andere kostspielige Ressourcen wie Silber eingesetzt werden, arbeitet das Oberpfälzer Unternehmen mit einer Kombination aus „kaltem“ Plasma und diversen Pulvern im Mikrobereich. Lagen die Prozesstemperaturen bisheriger Verfahren bei 10 000 Grad lassen sich nun erstmals extrem empfindliche Oberflächen wie Solarzellen, Folien oder Papiere mit präzisen, leitenden Schichten überziehen.

Das Verfahren ist vor allem auch für die Solarindustrie interessant, die weltweit in einem harten Qualitäts- und Preiswettbewerb steht und den Wirkungsgrad ihrer Module steigern will. Bisges: „Wir können den teuersten Prozessschritt bei der Herstellung, die Metallisierung der Solarzellenrückseite, um 50 Prozent günstiger darstellen und erreichen dabei Rekordwirkungsgrade.“ Bislang seien aber nicht einmal Physiker in der Lage zu erklären, warum das Verfahren tatsächlich funktioniere. „Plasma Dust“ habe viele Vorteile: Es funktioniere berührungsfrei, die Leitfähigkeiten seien hoch und man könne völlig neue Beschichtungsmaterialien verwenden. Nach Angaben des kaufmännischen Geschäftsführers Peter Schötz steht Reinhausen Plasma bereits mit weltweit allen Herstellern von Elektronik in Kontakt. Dabei gehe es um die nächste Generation von Handys und Flachbildschirmen. Zudem plane man den Einsatz der Technologie im Automobilbereich (Leichtbau, Elektroautos, Batterien). In den nächsten Jahren soll Plasma aber auch für die Wundbehandlung und Sterilisation oder die Bekämpfung von Krankenhauskeimen marktreif gemacht werden (etwa in „Handentkeimungsgeräten“). Darüber hinaus gibt es bereits Kooperationen mit namhaften Hausgeräteherstellern zum Thema Geruchsneutralisierung beispielsweise in Backöfen oder Dunstabzugshauben. Einige Unis testen bereits Geräte, die Falten wegzaubern sollen.

Es gibt also noch jede Menge potenzielle Geschäftsfelder. Aktuell konzentriert man sich in Regensburg-Haslbach aber auf den Solarzellen- und den Leistungshalbleiter-Bereich – und darauf Weltmarktführer in der Plasmabeschichtungstechnik zu bleiben. Dafür wurden schon 40 Patente angemeldet. „Momentan sind wir allein, aber wir wollen diese Position halten“, so Bisges. Schnelligkeit sei Trumpf. 50 Hightech-Arbeitsplätze wurden dafür bereits geschaffen und nach dem Umzug in ein größeres Gebäude ist Platz für weitere Expansion.

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