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Wirtschaft
Dienstag, 18. September 2018 28° 1

Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel: DIHK fordert Taten

Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. Das Defizit wird inzwischen zum größten Geschäftsrisiko.

Eric Schweitzer: „Betriebe sind immer öfter bereit, auch Arbeitslosen ohne Ausbildung eine Chance zu geben.“ Foto: Bernd Von Jutrczenka/Archiv
Eric Schweitzer: „Betriebe sind immer öfter bereit, auch Arbeitslosen ohne Ausbildung eine Chance zu geben.“ Foto: Bernd Von Jutrczenka/Archiv

Berlin.Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat sich für eine Allianz von Politik und Wirtschaft gegen den zunehmenden Fachkräftemangel ausgesprochen.

„Angesichts dieser Herausforderung ist es wichtig, mehr Menschen als bisher besser für das Arbeitsleben zu qualifizieren“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Qualifizierung auch Geringqualifizierter sei der entscheidende Hebel zur Integration in den Arbeitsmarkt.

„Betriebe sind immer öfter bereit, auch Arbeitslosen ohne Ausbildung eine Chance zu geben“, sagte Schweitzer. „Hier sollten wir uns als Politik und Wirtschaft gemeinsam engagieren. Das hilft nicht nur den Unternehmen, sondern ist auch der beste Weg zur Armutsbekämpfung.“

„Die Gymnasien dürfen nicht einseitig auf ein Studium orientieren, sondern müssen auch die vielfältigen Chancen der Beruflichen Bildung aufzeigen.“

Eric Schweitzer

Schweitzer sagte, die Unternehmen suchten händeringend vor allem beruflich gebildete Fachkräfte. „Wir müssen uns vor allem um die lange vernachlässigten Berufsschulen kümmern. Dafür gibt es im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ja richtige Signale. Die Berufsschulen benötigen nicht nur eine moderne digitale Ausstattung, sondern auch eine ausreichende Zahl an qualifizierten Berufsschullehrern, vor allem in den gewerblich-technischen Fächern.“

Entsorgungs-Unternehmer und DIHK-Chef

  • Eric Schweitzer

    Er ist seit März 2013 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) – die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern. Gemeinsam mit seinem Bruder Axel führt der 52-Jährige das Berliner Entsorgungsunternehmen Alba Group, gebildet aus der Alba und der Interseroh. Schweitzer ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Berlin.

  • Der Besuch

    In Regensburg hielt der DIHK Ende März seine Vollversammlung ab. Dazu kamen die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der 79 IHKs zwei Tage lang. Die hiesige Kammer war im Rahmen ihres 175-jährigen Bestehens der Gastgeber.

Außerdem poche die Wirtschaft darauf, an allen allgemeinbildenden Schulen eine verpflichtende Berufsorientierung nach bundesweiten Standards einzuführen. „Die Gymnasien dürfen nicht einseitig auf ein Studium orientieren, sondern müssen auch die vielfältigen Chancen der Beruflichen Bildung einschließlich der Höheren Berufsbildung aufzeigen.“

Eric Schweitzer im großen MZ-Interview: hier.

Mehr als 100.000 Studenten jährlich würden ihr Studium abbrechen. Noch vor rund 15 Jahren hätten von einer Million Schulabgängern rund zwei Drittel eine berufliche Ausbildung begonnen, das übrige Drittel habe studiert. Heute seien die Verhältnisse ausgeglichen.

„Dass so viele ein Studium beginnen, liegt unter anderem daran, dass die Schüler und Schülerinnen zu wenig wissen, was eine berufliche Ausbildung an Perspektiven bietet“, so der DIHK-Präsident. Es gibt durchaus Berufe mit einer beruflichen Bildung, wo jedenfalls nach einer Fortbildung zum Fachwirt oder Meister mehr verdient wird als nach manchem Studium. Das ist nicht bekannt. Deshalb ist es wichtig, auch an den Gymnasien eine lebendige Berufsorientierung anzubieten.“

Hier geht es zur Wirtschaft.

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