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Mobilität

Fahrräder: Trend geht zum Pedal-Servo

In Deutschland sind 2017 rund 3,85 Millionen Räder verkauft worden. E-Bikes und Riemen stehen oben auf der Wunschliste.
Von Bernhard Fleischmann

Regensburg.Nach dem Winter macht das Zweirad wieder Freude. Wer ein neues Fahrrad sucht, wir wahrscheinlich bei einer der hier vorgestellten Gattungen fündig. Wir stellen die beliebtesten Modelle vor.

Trekking: Ein Rad für alle Fälle

Es kann alles, macht alles mit und ist konstruktiv ein Crossover – bedient sich also aus mehreren Welten des weiten Fahrradkosmos. Das Trekkingbike wird in Branchenkreisen schon mal als die Outdoor-Jacke oder das Jack Wolfskin unter den Fahrrädern bezeichnet. Fast jedes dritte in Deutschland verkaufte Rad gehört zur Kategorie Trekking. Ob Tour, Reise, der Weg zur Arbeit, schnell mal um die Ecke – mit einem Trekking ist man stets gut unterwegs. Meist verfügt es über eine Federgabel, 28-Zöller mit Reifen je nach Bedarf, Kettenschaltung und Scheibenbremsen, Gepäckträger, Schutzbleche und Licht. Auch eine bequeme Ergonomie zählt zu den wichtigen Eigenschaften. Preislich dehnt sich eine große Spannweite. Wer innovative Bikes etwa mit 14-Gang-Nabenschaltung wählt, kann über 3000 Euro ausgeben. Teuer wird es auch bei auf Leichtbau ausgelegten Modellen, die auf gut zwölf Kilo abgespeckt sind. Dafür fällt dann schon mal die schwere Federgabel weg. Standard-Trekkingbikes bringen immerhin um die 17 Kilogramm auf die Waage.

City-Bike: Zwischen Hollandrad und Minimalismus

Sprache macht den Unterschied: Das deutsche „Stadtrad“ bezeichnet in Mittel- und Großstädten ein Zweirad der 80er Jahre mit Dreigangschaltung und Seitenläufer-Dynamo, dessen Zeitwert sich am Schrottpreis in Kilo orientiert. Falls es geklaut wird – nicht so schlimm, deshalb tauglich für die Stadt. Zweiradhersteller sprechen von Cityrädern oder Urban-Bikes, meinen aber etwas anderes: eher robuste Räder, zum Beispiel solche im Holland-Stil. Diese City-Räder/Stadt-Bikes/Urbans/Tourenräder sollen vor allem bequem sein. Sie sind für kürzere Strecken gedacht – etwa zur Arbeit, falls sie nahe liegt, oder zum Einkaufen. Die Ausstattung ist meist komplett mit Gepäckträger, Leuchten, Schutzblechen. Es reichen relativ wenige Gänge aus.

Das andere Extrem dieser Kategorie bilden minimalistisch und sportlich designte Modelle, sehr stylisch und schwer angesagt. Bei diesen schicken Rädern sieht man gerne Riemenantrieb statt Kette. Nach einem Jahrhundert könnte die Kette – auch bei anderen Radtypen – abgelöst werden. Der Riemenantrieb soll wartungsärmer sein. Ein weiterer Vorteil: Mangels Schmiere bleibt das Hosenbein sauber, die modisch im Bereich Feinripp rangierende Hosenklammer wird überflüssig.

E-Bike: Jederzeit Speed statt Reha-Schaukel

Das am stärksten wachsende Segment: Anfangs dachte man noch an die Ü-70, die dank Pedal-Servo weiterhin Radfahren können sollten. Inzwischen ist das Reha-Rad Geschichte. E-Bikes mutierten zur Speerspitze der Elektromobilität. Heute wird jede Radgattung mit Stromoption angeboten. Selbst Mountainbikes, bei denen man vermuten möchte, dass sich die Fahrer anstrengen wollen, werden gerne in der bequemen Anschieb-Variante gewählt. Spezialgeräte wie Lastenräder sind ohne Kraft-Support kaum denkbar.

Es gibt zwei Stufen. Bei Pedelecs endet die Hilfe des eingebauten Rückenwinds bei Tempo 25. S-Pedelecs geben bis 45 km/h Schub. Sie müssen aber versichert werden, Führerschein und Helm sind obendrein Pflicht.

E-Bikes gibt es ungefähr ab 1000 Euro. Weil die Stromer schneller und schwerer sind, sollten Käufer auf solide Komponenten und Bremsen achten, die mit dem nötigen Ernst zur Sache gehen. Fachhändler raten deshalb zu Modellen ab 2000 Euro, dann sei eine angemessene Ausstattung möglich. Aktueller Stil: Motor und Akku werden zunehmend mit dem Rahmen vereint und sind kaum noch erkennbar. Bei den Motoren gibt es drei Platzierungen: Vorder- oder Hinterradnabe und Mittelmotor an der Tretkurbel. Die beiden letzteren Varianten setzen sich durch. Antrieb vorne mag beim Auto Vorteile haben. Beim Rad fühlt es sich nur merkwürdig an.

Mountainbike: Grosse Räder und Ritzel fürs Gelände

Seit Radlergedenken lautete die Grundfrage beim Mountainbike: Fully oder Hard-Tail – also Federung an allen Rädern, oder nur vorne soft? Heute gilt die erste Entscheidung eher dem assistierten Fahren: Mit oder ohne Elektromotor? Der Stromturbo ermöglicht das Vordringen in bisher kaum erreichbare Höhen. Egal ob Race, Enduro, Marathon, All-Mountain oder Fatbike – jede MTB-Kategorie wird auch motorisiert angeboten. Ein weiterer Trend: die Einfachschaltung – vorne reicht ein Kettenblatt, hinten werden die Ritzel üppiger. Das macht die Gangwahl nachvollziehbarer.

Bei den Radgrößen sind 26-Zöller so gut wie verschwunden. Aktuelle Räder stehen auf 27,5- oder 29-Zöllern. Den MTBs nah verwandt sind ATBs (All Terrain Bike), die meisten Hersteller verstehen darunter ein komfortables Mountainbike mit Licht und Schutzblechen.

Zubehör: Helme mit Halterungen für Action-Cams und Scheinwerfer gehören zum Showprogramm.

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