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Mobilität

Firmen setzen auf persönliche Kontakte

Die Zahl an Geschäftsreisenden erreichte 2016 einen Rekordwert. Neue Technologien verändern jedoch die berufliche Mobilität.
Von Stephanie Burger, WZ

Für Geschäftsreisende ist das Flugzeug nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel. Foto: Sfiocrach - adobe.stock.com
Für Geschäftsreisende ist das Flugzeug nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel. Foto: Sfiocrach - adobe.stock.com

Frankfurt am Main.Geschäftsreisen und persönliche Business Meetings haben trotz zunehmender Digitalisierung nicht an Bedeutung verloren. Nach Angaben der Geschäftsreiseanalyse 2017 des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) ist die Zahl der Geschäftsreisenden 2016 auf einen neuen Rekordwert geklettert: Aus deutschen Betrieben waren 11,3 Millionen Mitarbeiter dienstlich unterwegs. Mit 51,6 Milliarden Euro haben die deutschen Unternehmen dafür im vergangenen Jahr so viel ausgegeben wie noch nie. „Die erreichten Höchstwerte spiegeln wieder die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wider. Ökonomische Trends lassen sich anhand der Mobilität deutscher Unternehmen interpretieren“, sagt VDR-Vizepräsident Ralph Rettig. Die Studie zeige zudem, dass Themen wie Sharing-Economy, Sicherheit, neue Mobilitätskonzepte und Nachhaltigkeit stärker als bisher die Agenda der Geschäftsreiseverantwortlichen bestimmten.

Der Trend, mehr Mitarbeiter auf Geschäftsreise zu schicken, hält laut der Analyse an: Während 2010 nur etwa jeder vierte Beschäftigte dienstlich auf Reisen ging, ist es heute in den größeren Unternehmen fast jeder zweite. Das schlägt sich auch in den Buchungszahlen der Hotellerie nieder. Sie verzeichnete 74,3 Millionen geschäftliche Buchungen von deutschen Betrieben, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von knapp zehn Prozent entspricht. 90 Prozent der Reisen kleiner und mittlerer Unternehmen bleiben der Analyse zufolge im eigenen Land. „Davon profitiert der Wirtschaftsstandort Deutschland“, betont Rettig. So würden durch die Auslastung von Übernachtungs- und Transportkapazitäten sowie anderer Serviceleistungen Arbeitsplätze regional und saisonal unabhängig gesichert. „Außerdem bleibt die Destination Deutschland dadurch auch für Urlaubsreisende attraktiv, denn diese finden eine hochwertige Infrastruktur und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen vor“, sagt Rettig. Ebenso wie die VDR-Geschäftsreiseanalyse kommt auch die Studie „Chefsache Business Travel 2017“ des Deutschen Reiseverbands (DRV) zu dem Ergebnis, dass Geschäftsreisen eine immer größere Rolle in den Unternehmen spielen. Persönliche Treffen beim Kunden vor Ort würden die Abschlussbereitschaft für Neu- und Folgeaufträge erhöhen, heißt es dazu in der Studie.

Der DRV hat sich in seiner Studie unter anderem mit der Frage befasst, welche Verkehrsmittel am Zielort einer Reise von Geschäftsreisenden bevorzugt werden. Für 53 Prozent ist das Verkehrsmittel der Wahl nach wie vor das Taxi, doch andere Möglichkeiten holen auf: Ein Drittel der männlichen und die Hälfte der weiblichen Führungskräfte nutzen demnach auch gern Carsharing-Angebote. Mehr als ein Fünftel der Befragten setzt sich zumindest manchmal sogar auf ein Leihfahrrad. 55 Prozent der Befragten nutzen den öffentlichen Nahverkehr für Geschäftsreisen zumindest gelegentlich – regelmäßig tun dies allerdings nur 15 Prozent. „Über die Wahl des Verkehrsmittels entscheidet letztlich die Praktikabilität“, stellt Klaus Henschel, Geschäftsführer von Lufthansa City Center, dem Kampagnenpartner der DRV-Initiative Chefsache Business Travel, fest. Geschäftsreisende würden sich immer noch eher auf individuelle als auf kollektive Lösungen verlassen, sagt Henschel. „Eine wichtige Rolle hierbei spielen auch Travel Management Companies. Sie haben den besten Überblick über die Transportmittel vor Ort, verfügen über ein großes Angebot an Sharingmöglichkeiten, suchen die schnellsten Verbindungen raus oder sorgen mit der Buchung eines Mietwagens für den reibungslosen Ablauf der Dienstreise. Sie bieten quasi ein Rundum-sorglos-Paket an.“ Mit dem „Zukunftsbild Geschäftliche Mobilität“ befasst sich aktuell das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML – im Auftrag des VDR. „Wir gehen davon aus, dass insbesondere drei Trendfelder die geschäftliche Mobilität von morgen beeinflussen: neue Technologien, innovative Reise- und Mobilitätsformen sowie veränderte Anforderungen und Bedarfe beim Reisenden selbst“, sagt Isabella Geis, Projektleitung Mobilität beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML. Diese drei Trendfelder bedingten einander, so Geis. Multimodalität in der Reise werde einfacher, weil Informations- und Buchungsplattformen entwickelt würden, die den Geschäftsreisenden mit Echtzeitdaten auf seiner Reise begleiten und auch in veränderten Reisesituationen ein flexibles Agieren ermöglichen.

Geschäftliche Mobilität sei jedoch nicht nur hinsichtlich Technologie im Wandel begriffen, sondern auch grundsätzlicher Art, erklärt Geis. Die intermodale Mobilität rücke immer mehr in den Fokus. „Dabei werden verschiedene Verkehrsmittel ad hoc kombiniert. Neue Mobilitätsangebote wie Bikesharing oder Carsharing eröffnen interessante Alternativen gerade für die erste und letzte Meile der Reise, auf der bislang noch das kostspielige Taxi bevorzugt wird.“ Geis betont aber auch, dass neue Mobilitätsangebote ihren Weg in den Markt nur finden werden, wenn Geschäftsreisende die Bereitschaft mitbringen, diese auch zu nutzen. „Hier sind Veränderungen zu erwarten. Der Wunsch nach einer flexiblen und individuellen Mobilität, der heute schon die alltägliche Mobilität prägt, wird auch in der geschäftlichen Mobilität zunehmen.“

Lesen Sie hierzu auch Berufliche Reise ganzheitlich planen

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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