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Vortrag

Für höhere Löhne und Investitionen

Ökonom Heiner Flassbeck kritisiert die Sparpolitik. Im Wirtschaftszeitung Businessclub fordert er Politiker zum Handeln auf.
Von Robert Torunsky

„Die Lohnsenkung vernichtet Arbeitsplätze“: Professor Heiner Flassbeck im Wirtschaftszeitung Businessclub  Foto: xtl
„Die Lohnsenkung vernichtet Arbeitsplätze“: Professor Heiner Flassbeck im Wirtschaftszeitung Businessclub Foto: xtl

Regensburg.„Meine Damen und Herren, ich hoffe, Ihnen geht es gut. Ob das in 60 Minuten immer noch so ist, weiß ich nicht, denn Sie müssen heute einige ihrer Vorurteile korrigieren.“ So begrüßte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Flassbeck die rund 100 Mitglieder und Gäste des Wirtschaftszeitung Businessclubs am Mittwochabend im Stammhaus der Hypo-Vereinsbank in der Hemauer Straße. Der erste Keynote-Speaker im neuen Businessclub-Jahr reihte sich nahtlos in die Riege der bisherigen Referenten ein: meinungsstark und provokant.

Das gab auch Raum für die anschließende Fragerunde und Diskussionsstoff für das im Businessclub obligatorische Netzwerken. Gastgeber Rainer Ehbauer, Niederlassungsleiter Ostbayern im Firmenkundengeschäft des Businessclub-Sponsors Hypo-Vereinsbank, hatte den Abend eröffnet und Wirtschaftszeitung-Redaktionsleiter Thorsten Retta erklärte, warum „der Gast zur Location passt“. Flassbeck leitete etwa die Abteilung Konjunktur am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sein Vortrag „Die Welt in Aufruhr – neue volkswirtschaftliche Herausforderungen und keine Antworten“ bezog sich auf die Niedrigzinsphase.

Ein Vordenker

  • Universität:

    Flassbeck, seit 2005 Honorarprofessor an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, hatte bereits 1987 zur Internationalen Währungsordnung promoviert.

  • Politik:

    Der 69-Jährige war unter anderem Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Leiter der Abteilung Konjunktur am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sowie Chef-Volkswirt der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD).

„Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten: Noch nie waren die Zinsen so niedrig“, sagte er. „Japan hat seit 30 Jahren Nullzinsen und die Japaner haben 20 Jahre gebrauchen, um zu kapieren, was da passiert ist.“ Mit Blick auf die aktuelle Geld- und Fiskalpolitik prognostizierte der Volkswirt eine ähnliche Dauer in Europa. „Es sei denn, man ändert was – man könnte ja schneller begreifen“, schob er eine Aufforderung an die Politik nach. „Wir hatten zuletzt einen Aufschwung ohne Investitionsaufschwung, das nenne ich keinen Aufschwung“, kritisierte der 69-Jährige. „Dieses Europa funktioniert nicht mehr, der Brexit ist der beste Beleg.“

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Als Hauptschuldigen an der aktuellen Situation identifizierte er die Bundesrepublik. „Deutschland ist der größte Störenfried der Währungsunion. Ob Staat, Unternehmen oder Haushalte – wir sparen uns zu Tode und zwingen das den anderen Ländern auf.“ Eines der wenigen Dinge, die US-Präsident Trump richtig gemacht habe, sei die Staatsverschuldung von einer Milliarde Dollar pro Jahr. Auch in Deutschland sei dieses Vorgehen möglich und ist nach Flassbecks Ansicht sinnvoll: „Der Staat könnte jedes Jahr 250 Milliarden ausgeben, ohne dass sich etwas an der Nullzinspolitik ändern würde. Was man mit dieser Summe an Schulen bauen oder für den Klimaschutz tun könnte, brauche ich nicht zu erklären.“

Hier laufe etwas fundamental falsch. „Die Forderung von Kanzlerin Angela Merkel, dass die Welt wettbewerbsfähiger werden müsse, ist volkswirtschaftlich Unsinn. Flassbeck präsentierte Lösungsansätze. „Wir müssen die Löhne erhöhen, denn Lohnsenkung vernichtet Arbeitsplätze.“ Dies müsse mit Maß und Ziel erfolgen. „Keine verrückte Erhöhung, sondern nur so hoch wie die Produktivität plus einen Aufschlag in Höhe des Inflationsziels.“ Dies führe dazu, dass man das Produzierte selbst kaufen könne und der Leistungsbilanzüberschuss geringer ausfalle. Der Weg sei alternativlos und müsse von der Politik vorgegeben werden.

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