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Gefährdete Giganten aus Schierling

Landmaschinenhersteller Holmer leidet unter Protektionismus in Osteuropa und Asien.
Von Fritz Wallner, MZ

Produktionsleiter Michael Grüner erklärt Staatssekretär Franz Pschierer (rechts) eines der mächtigen Agrarfahrzeuge von Holmer. Foto: Wallner

EGGMÜHL. Die Zuckerrübenernte 2009 steht vor der Türe. Bei der Holmer Maschinenbau in Eggmühl, Weltmarktführer im Bereich der selbstfahrenden Zuckerrübenvollernter, ist damit ein Großteil des Geschäftes gelaufen, wenn die Produkte wie der „Terra Variant“, der größte Systemschlepper Europas, am Feld zeigen was sie können.

Bayerns Finanz-Staatssekretär Franz Pschierer machte sich jüngst über die Innovationen aus Schierling kundig. Geschäftsführer Bernd Ludewig und Produktionsleiter Michael Grüner klärten das Mitglied der Staatsregierung über das Flaggschiff auf, das die saisonale Abhängigkeit bei den Zuckerrübenvollerntern zum Teil abfedern könne. Das Fahrzeug kann wie ein Traktor den Acker bestellen, mit unterschiedliche Aufbauten kann aus dem Variant aber auch ein Fahrzeug zur Gülleausbringung, ein Rübenabfuhr-Fahrzeug, ein Getreidetransporter oder eine Drillmaschine werden. Mit mehr als 600 PS stellt er den laut Firmenangabe größten Serienschlepper Europas dar, ausgestattet unteranderem mit Xenon, Klimaanlage und GPS. Noch in diesem Jahr wird der 130. Terra Variant ausgeliefert.

Am Standort Eggmühl beschäftigt Holmer derzeit 293 Arbeitnehmer, von knapp 400 weltweit. Der Maschinenbauer ist damit der zweitgrößte Arbeitgeber im Markt. Obwohl der Absatz schwächelt, werde versucht, die Mitarbeiter zu halten – und dem Nachwuchs eine Chance zu geben: „Wir haben in den letzten Jahren alle Lehrlinge nach Beendigung der Ausbildung übernommen“, so Marketing-Managerin Anne Carolin Kissing. 33 Azubis zählt Holmer in diesem Jahr, darunter erstmals zwei Mädchen, die ihre Ausbildung in der Produktion absolvieren.

Das der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Triginta Capital gehörende Unternehmen erreichte 2007 erstmals die 100-Millionen-Umsatzgrenze. Dann forderte die Krise ihren Tribut – 2008 waren es nur noch 92Millionen. Und „2009 wird ein sehr schwieriges Jahr“, so Geschäftsführer Ludewig. Insbesondere der Neumaschinenverkauf des Holmer-Flaggschiffs sei deutlich zurückgegangen.

Russland mache Holmer aufgrund der Finanzschwäche und des dort herrschenden Protektionismus Probleme. Während der Umsatz mit Russland 2007 noch rund 35 Millionen Euro betrug, wird er aktuell im einstelligen Millionenbereich veranschlagt. Über ein Viertel der Maschinen waren 2008 dorthin geliefert worden, in die Ukraine 14 Prozent, neun Prozent in die Volksrepublik China. Auch in Fernost herrscht Protektionismus: China habe 2008 nur für insgesamt 28 Millionen Euro Landtechnikprodukte eingeführt. Holmer konnte sieben Millionen davon für sich verbuchen.

Dennoch gab sich Ludewig zuversichtlich: „Wir sind ein weltweit agierendes bayerischer Unternehmen und sehr stolz darauf, dass wir trotz einiger Wettbewerber mit großem Anstand die stärkste Präsenz im Markt haben.“ Insgesamt liefert Holmer in 42 Länder.

Der Absatz hängt nach Ludewigs Worten, je nach Land, stark von den staatlichen Förderprogrammen für die Landwirtschaft ab. „Wir merken jeden politischen Regierungswechsel, weil damit die Unsicherheit darüber steigt, ob die Unterstützung für die Landwirte auch wirklich bleibt. Das kann auch Kaufzurückhaltung zur Folge haben“.

Abgerechnet wird bei Holmer jedoch erst am 14. November, so Marketing-Chefin Kissing. Dann ist die Agritechnica in Hannover zuende, der größte Branchentreff der Welt. Zumindest die Rekord-Ausstellerzahl von 2150 aus 45 Ländern lasse dabei auf gute Geschäfte hoffen.

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