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Geld zurück oder Gutschein?

Verreisen, Abendkurse, Fußballspiele – vieles fällt wegen Corona aus. Doch was, wenn schon Geld geflossen ist?
Von Theresa Münch und Martina Herzog

Die Vorfreude angesichts ergatterter Konzertkarten verfliegt bei einer Veranstaltungsabsage sehr schnell.
Die Vorfreude angesichts ergatterter Konzertkarten verfliegt bei einer Veranstaltungsabsage sehr schnell. Foto: picture alliance / Britta Peders

Berlin.Wenn Kurse oder Veranstaltungen wegen der Corona-Krise ausfallen, sollen Verbraucher nach dem Willen der Bundesregierung mit Gutscheinen entschädigt werden. Das soll Betreiber vor hohen Rückzahlungen und möglichen Insolvenzen bewahren. Doch die Regelung ist im Bundestag noch lange nicht beschlossen. Am Mittwoch kritisierte die Opposition, die Verbraucher würden so zu zinslosen Krediten an die Veranstalter gezwungen. Die Regierungsfraktionen zeigten sich offen für Änderungen: Die Gutscheine könnten auf andere Personen übertragbar sein und gegen Insolvenz der Veranstalter abgesichert werden. Bis aus der Idee Gesetz wird, wird es also noch dauern. Viele Anbieter können und wollen so lange nicht warten. Welche Lösungen sie gefunden haben:

Bei Pauschalreisen stehen Veranstalter in der Pflicht: Eigentlich ist bei abgesagten Pauschalreisen eine Erstattung spätestens nach 14 Tagen Pflicht, allerdings warteten viele Veranstalter zuletzt erst einmal ab. Inzwischen aber haben etwa Alltours und Schauinsland-Reisen mit der Rückzahlung begonnen. Man habe sich entschieden, „dass wir die Geduld und das Verständnis unserer Kunden nicht länger auf die Probe stellen können“, begründete etwa Schauinsland-Reisen die Entscheidung. Andere Veranstalter wie Tui und DER-Touristik lassen ihren Kunden die Wahl zwischen Gutschein plus Bonus oder Rückzahlung. Dabei sind sie derzeit aber auf die Kulanz der Kunden angewiesen.

Coronakrise

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Der Deutsche Reiseverband kritisiert, dass die EU-Kommission noch keine verbindliche Gutschein-Lösung zulässt. Zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Union hätten deshalb bereits im Alleingang nationale Gutschein-Regelungen auf den Weg gebracht. Die deutschen Reiseveranstalter gerieten dadurch immer mehr ins Hintertreffen, auch erste Insolvenzen habe es wegen der Corona-Pandemie schon gegeben.

Bei Konzerten und Kultur setzen viele auf Nachholtermine: Viele Künstler müssen sich gerade mit Wohnzimmerkonzerten begnügen, weil ihre Touren abgesagt wurden. Doch ein Livemusik-Stream über Instagram kann ein Konzerterlebnis natürlich kaum ersetzen. Statt Konzerttickets zu erstatten, setzen viele Musiker auf Nachholtermine – und hoffen, dass die echten Fans auch ein paar Monate später noch kommen wollen. Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass die Fans den neuen Termin nicht akzeptieren müssen. Jetzt schon Rückerstattungen zu bekommen, ist oft schwierig. „Die Tickets behalten ihre Gültigkeit“, betont etwa Veranstalter Semmel-Concerts. Auch der Ticketvermittler Eventim zahlt erst einmal nichts zurück. „Echte Fans verschieben statt zu stornieren“, schreibt er auf seiner Internetseite. Man warte ab, bis das Gutschein-Gesetz den Bundestag passiert habe. Bei Opern und Theatern sind etwa Abonnenten betroffen. Dort können Verlängerungen für die kommende Saison die Lage entspannen.

Einschränkungen

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Bei Fitnessstudios ist eine Wiedereröffnung noch nicht absehbar: Trainieren im Fitnessstudio wird auf absehbare Zeit nicht möglich sein, die Studios müssen ihre Mitarbeiter aber trotzdem bezahlen – zumindest, wenn diese fest angestellt und keine freien Trainer sind. Vor allem die großen Ketten wie McFit und Fitness First bieten ihren Mitgliedern deshalb an, die Zeit der Schließung an die normale Vertragslaufzeit anzuhängen und währenddessen beitragsfrei zu trainieren. Bei einigen Studios kann man stattdessen auch Trainingsgutscheine für Freunde, Personal Trainings oder andere besondere Leistungen bekommen. Wer die Angebote nicht annehmen will, weil er selbst gerade knapp bei Kasse ist, kann sich in der Regel an die Studiobetreiber wenden und das bereits bezahlte Geld zurückfordern.

Tourismus

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Profi-Fußball bietet unterschiedliche Vergütungsmodelle: Für möglicherweise ausfallende Spiele oder Partien ohne Stadionbesucher setzen die Bundesliga-Clubs auf unterschiedliche Modelle. Die häufigsten Optionen, aus denen die Anhänger wählen können: Die Fans erhalten ihr Geld zurück oder können auf die Rückerstattung verzichten, um den Verein zu unterstützen. Verzichten die Fans auf Geld, erhalten sie häufig etwas dafür – beispielsweise Gutscheine oder ein Trikot. Viele Vereine bieten den Anhängern auch an, Ticketgelder an gemeinnützige Organisationen oder Projekte zu spenden.

Bundestagsdebatte

  • Entschädigung:

    Wenn Kurse oder Veranstaltungen wegen der Corona-Krise ausfallen, sollen Verbraucher nach dem Willen der Bundesregierung mit Gutscheinen entschädigt werden. Das soll Betreiber vor hohen Rückzahlungen und möglichen Insolvenzen bewahren.

  • Beratung:

    Am gestrigen Mittwoch diskutierte der Bundestag erstmals über die Pläne. Doch viele Anbieter wollten die Neuregelung erst gar nicht abwarten.

Gutschein-Lösung soll viele Bereiche des Lebens abdecken: Die von der Bundesregierung geplante Gutschein-Lösung kommt auch auf Menschen zu, die eine Dauerkarte etwa für das örtliche Schwimmbad haben. Auch wer sich für einen Kurs bei der Volkshochschule angemeldet hat, eine neue Sprache oder ein Instrument lernen will, muss sich wohl auf die Zeit nach Corona vertrösten lassen – es sei denn, man einigt sich auf Unterricht per Internet.

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