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Handel

Gemüse: Angst vor einem Preisverfall

In den Niederlanden werden große Mengen Gemüse für den britischen Markt produziert. Welche Folgen wird der Brexit haben?
Von Anna Ringle und Annette Birschel

Landet holländisches Gemüse bald in Deutschland? Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Landet holländisches Gemüse bald in Deutschland? Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin.Manchmal lässt sich Komplexes wie der Brexit auf etwas ganz Alltägliches herunterbrechen: auf ein Gemüseregal in einem deutschen Supermarkt. Hier nämlich könnte nach einem ungeordneten Austritt der Briten aus der EU ein harter Konkurrenzkampf ausbrechen – das ist zumindest die Befürchtung von deutschen Gemüseerzeugern.

Ihr Blick richtet sich ins Nachbarland Niederlande. Wo werden etwa Paprika und Tomaten, die dort eigentlich für den britischen Markt herangezogen werden, am Ende landen? Holländische Exporteure bereiten sich auf das schlechteste Szenario eines chaotischen Brexits vor – und schauen sich nach alternativen Absatzmärkten für die leicht verderbliche Ware um. Auch in Deutschland. „Wir befürchten einen Preisverfall“, sagt der Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau, Jochen Winkhoff. Durch den Brexit könnte die Ware auf den außerbritischen Markt gedrängt werden, besonders auf den deutschen – den größten in der EU. Es geht um viel, denn Großbritannien ist nach Deutschland und Belgien der drittgrößte Absatzmarkt für die Niederlande. Die niederländischen Landwirte haben nach Angaben des Statistikamts im Jahr 2018 Obst und Gemüse im Wert von rund zwei Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert. Detaillierte Auflistungen zu den Produkten liegen noch nicht vor. 2017 waren es Tomaten für rund 275 Millionen Euro, Paprika für 185 Millionen Euro und Gurken für 90 Millionen Euro.

„Wir befürchten einen Preisverfall.“

Jochen Winkhoff

Sollte es zu langen Wartezeiten an der Grenze kommen, müssten sich niederländische Produzenten von Frischwaren neue Absatzmärkte suchen. „Dann kann es sein, dass viel in Deutschland auf den Markt gebracht wird“, sagte Klaas Johan Osinga, Brexit-Experte beim niederländischen Landwirtschaftsverband LTO, der dpa. Exporteure strecken bereits ihre Fühler nach alternativen Absatzmärkten in der EU aus, wie eine Verbandssprecherin sagte. Dabei gehe es nicht nur um Deutschland, sondern auch um Frankreich, Polen oder Belgien. Und seitens der Produzenten geht es auch nicht nur um die Niederlande. Gemüsebau-Experte Winkhoff verweist etwa auch auf Irland als Produzent von Champignons für den englischen Markt.

„Die Gefahr für uns ist, dass wir erstmal damit klar kommen müssen, diese Übermengen hier zu verkraften“, sagte Winkhoff. „Die Erfahrung zeigt, dass schon fünf Prozent Marktüberversorgung von Frischgemüse bis zu 50 Prozent Preisverfall für den Anbauer bedeuten kann.“ Der Verband geht auch davon aus, dass Gemüse aufgrund der Marktüberversorgung verderben könnte. Der Deutsche Fruchthandelsverband, der wie andere Branchenvertreter in dieser Woche auf der Obst- und Gemüsemesse Fruit Logistica sein wird, rechnet auch damit, dass es bei einem chaotischen Brexit Auswirkungen im EU-Binnenmarkt gäbe. Ein erhöhtes Angebot von frischem Obst und Gemüse könnte zu fallenden Preisen führen. Großbritannien sei ein bedeutendes Einfuhrland für viele andere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien, Italien, Niederlande und Belgien.

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