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Generation Y ist selbstbewusst

Eine neue Trendstudie attestiert der Generation Y eine „unheimliche“ Gleichberechtigung, die in den Köpfen stattfindet.
Von Rebecca Sollfrank, Wirtschaftszeitung

Unabhängigkeit ist den 20- bis 35-Jährigen am Wichtigsten (Quelle: Zukunftsinstitut; Foto; REDPIXEL_adobstock.com)
Unabhängigkeit ist den 20- bis 35-Jährigen am Wichtigsten (Quelle: Zukunftsinstitut; Foto; REDPIXEL_adobstock.com)

Regensburg.„Neugierig bleiben und sich immer weiter bilden“, diese Bereitschaft zählt für 85 Prozent der 20- bis 35-Jährigen zu den wichtigsten Zielen in ihrem Leben. Die Trendstudie „Generation Y – Das Selbstverständnis der Manager von morgen“, die das Frankfurter Zukunftsinstitut zusammen mit dem weltweit tätigen Personalberatungsunternehmen Signium herausgebracht hat, zieht aber vor allem ein Fazit: Gerade die junge Generation hat vor den tiefgreifenden Veränderungsprozessen von der Industrie- in die Wissensgesellschaft keine Angst. Sie begegnet ihnen vielmehr mit enormem Selbstbewusstsein. 40 Prozent der befragten Männer und 30 Prozent der Frauen glauben, dass sie einmal ein Unternehmen leiten werden. 43 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen sind sich gar sicher, dass sie sich eines Tages selbstständig machen.

Autonomie trifft Motivation

„Meine Eindrücke dieser Generation decken sich weitgehend mit den Ergebnissen der Studie“, bestätigt der Inhaber des Lehrstuhls Führung und Organisation an der Universität Regensburg, Professor Dr. Thomas Steger. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität ist Steger Dozent für die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Ostbayern e.V. im Studiengang zum Master of Business Administration (MBA). Trotz der schon altersbedingten Heterogenität der Gruppe attestiert Steger deutliche Gemeinsamkeiten: den Anspruch der Autonomie und Selbstständigkeit, vor allem aber eine intrinsische Motivation, den eigenen Antrieb zu Bildung also.

Für die Generation Y, so die Signium-Studie, sei der für ältere Arbeitnehmer mitunter anstrengende Strukturwandel in der Arbeitswelt nicht „New Work“, sondern „New Normal“. Diese Anpassungsfähigkeit lassen sich junge Professionals mit hohen Ansprüchen bezahlen, die sich nach alter Lesart zu widersprechen scheinen. Sie erwarten gut bezahlte Jobs bei optimaler Vereinbarkeit mit der Familie. Ist das naiv? Die Studienautoren beantworten das mit dem Thomas-Theorem zweier US-Soziologen von 1928: Was Menschen für real halten, ist real in seinen Konsequenzen. Aktuell heiße das: Was die Generation Y von ihrem Umfeld erwarte, präge, wie man ihr begegnen müsse. Das zu beurteilen, ist angesichts der ambivalenten Umfrageergebnisse der Studie nicht einfach. 89 Prozent nennen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung als ihr Ziel, 87 Prozent wollen dabei aber auf jeden Fall „Spaß“ haben. Im Prioritäten-Ranking der „Ypsiloner“ kommen der erfüllende Job (87 Prozent), vielseitige Bildung (85 Prozent) und Familiengründung (76 Prozent) deutlich vor der Karriere (67 Prozent). Die jungen Leute wollen lieber einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten (64 Prozent) als viel Geld zu verdienen (58 Prozent).

Das „Wir“ ist wichtig

Trotz hoher Ansprüche an die Work-Life-Balance ist es lediglich 51 Prozent der Befragten besonders wichtig, sich von der Masse abzuheben. Stattdessen spielen Communities, Peer Groups und Netzwerke eine herausragende Rolle. Die Studie nennt das „das neue große Wir“. Und in dem scheint es keine lesbaren Geschlechterunterschiede mehr zu geben, sondern „eine schon fast unheimliche Übereinstimmung in den Erwartungen“. Ist die Gleichberechtigung bei den künftigen Führungskräften also zumindest in den Köpfen schon vollzogen? Für Professor Steger ist die Frauenförderung auf jeden Fall eine essentielle neue Herausforderung im Führungsstil. Was die Digital Natives unter den jungen Chefs den Vorgenerationen in dieser Hinsicht voraushaben, könnte aber durch eine andere Führungsungerechtigkeit ersetzt werden. „Wir brauchen Generationensensibilität“, sagt Steger. Der MBA-Dozent macht das an einem Digitalisierungsbeispiel fest: „Wenn alle Details schon in der Whatsapp-Gruppe diskutiert wurden, wozu dann noch ein Meeting?“ Sprich, digitalisierte Parallelwelten zu schaffen, verschärft den Generationenkonflikt und gefährdet bestehendes Fachkräftepotenzial.

Generation Y

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Wie will die Generation Y künftig geführt werden? Agilität kommt an, aber Familie ist wichtiger als früher.

Dabei könnte eine weitere Y-Tugend die Lösung sein: Partizipation. Die Ypsiloner fordern explizit Mitspracherecht und Transparenz in der Führung. Damit diese Forderung keine generationelle Einbahnstraße wird, müssten die Digital Natives in der Chefetage wohl noch einige Jahre darauf achten, auch „altmodische“ Kommunikationsformen mit zu pflegen. Geht es nach Steger, gilt das genauso für traditionelle Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Umgangsformen und Anstand, denn „Menschen werden auch künftig noch Menschen führen“. Das weitaus wichtigste Führungsziel der Zukunft ist für Steger aber Vertrauen. „Ohne Vertrauen darauf, dass mein Unternehmen mit meinen Daten in meinem Sinne umgeht, fährt die Digitalisierung an die Wand.“

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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