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Wirtschaft

Grammer bündelt seine F&E-Aktivitäten

Traditionsunternehmen investiert in Ursensollen in ein Technologiezentrum und in den neuen Firmensitz.
Von Gerd Otto, Wirtschaftszeitung

Mit Schwung in eine neue Ära für die Grammer AG und den Standort Ursensollen. Foto: Grammer
Mit Schwung in eine neue Ära für die Grammer AG und den Standort Ursensollen. Foto: Grammer

Ursensollen.Entsprechend ihrem Leitspruch „Tradition, Kultur und Fortschritt“ ist die kleine, direkt an der Autobahn A6 Nürnberg–Prag gelegene Oberpfälzer Gemeinde Ursensollen jetzt endgültig dabei, den Sprung zum Technologiestandort zu schaffen, ohne die Vorteile ihres ländlichen Charakters einzubüßen. Jedenfalls zeigt sich Bürgermeister Franz Mädler sehr zufrieden, dass sich das Traditionsunternehmen Grammer nach einem umfassenden Auswahlprozess für das Standortkonzept der Gemeinde Ursensollen entschieden hat. Speziell der Wechsel der Unternehmenszentrale von Amberg nach Ursensollen sei ein „Ereignis mit historischer Dimension“, und zwar für den gesamten ländlichen Raum dieser Region.

Starkes Zeichen für die Region

Dass sich Tradition – die Firma Grammer lässt sich bis ins Jahr 1880 als Sattlerei zurückverfolgen – sehr wohl mit Kultur und Fortschritt verbinden lässt, wird derzeit gerade auch in Ursensollen nicht nur propagiert, sondern durchaus in die Tat umgesetzt. Autobahn, Glasfaser und eine hervorragende Infrastruktur betrachtet Bürgermeister Mädler jedenfalls keineswegs als Gegensatz zu modernen Kultur- und Bildungseinrichtungen, wie sie zuletzt gerade hier entstanden sind. Noch heuer soll im Naturpark Hirschwald ein Planetarium eröffnet werden. Vor diesem Hintergrund – die Gemeinde spricht ganz bewusst von Potenzial, von Chance – kommt jetzt nicht nur der neue Firmensitz von Grammer nach Ursensollen. Unter dem Fortschrittsaspekt könnte vielmehr die hier vorgesehene Bündelung der Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung einen weitaus höheren Stellenwert für sich beanspruchen. Schließlich soll, so Vorstandsvorsitzender Hartmut Müller, das neue Technologiezentrum die Innovationskraft des Unternehmens widerspiegeln. „Damit setzen wir ein starkes Zeichen für die Region Amberg und den Standort Deutschland.“

Einerseits werde man für seine Mitarbeiter eine moderne Arbeitsumgebung mit optimalen Bedingungen für ein produktives, kreatives und ergonomisches Arbeiten schaffen. Vor allem aber – und dieser Aspekt ist insbesondere für die Bewältigung künftiger Herausforderungen von Bedeutung – werde die Zusammenlegung der F&E-Aktivitäten an einem Standort die Effizienz und Synergien steigern. Mit dem Technologiezentrum schafft die Grammer AG, mit 13000 Mitarbeitern in 19 Ländern präsent, die Grundlage für die Stärkung der Innovationsführerschaft und Erhöhung der Attraktivität als zukunftsweisender Arbeitgeber in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Gleichzeitig bietet die Zusammenführung der Entwicklungsaktivitäten sowie der Konzernzentrale am gleichen Standort die räumliche Voraussetzung für eine optimale Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen. Sie sorgt für Synergien und erhöht damit auch die Effizienz in den Entwicklungsprozessen.

Für das größte Bauprojekt in der Unternehmensgeschichte investiert das Unternehmen bis Ende 2019 in zwei Bauabschnitten insgesamt rund 40 Millionen Euro. Der offizielle Spatenstich ist bereits erfolgt. Auf einer Bürofläche von 50000 Quadratmetern werden künftig 700 Mitarbeiter tätig sein. Aus dem Blickwinkel der Gemeinde, so Bürgermeister Franz Mädler, werde man dann mehr als 1600 Arbeitsplätze zur Verfügung haben. „Das sind 200 mehr, als die Ortschaft Ursensollen selbst Einwohner hat.“ Die gesamte Gemeinde Ursensollen freilich besteht aus insgesamt 38 Ortschaften mit derzeit 3621 Einwohnern.

Dieser neue Standort in Ursensollen bietet für Grammer und vor allem für seine Mitarbeiter eine optimale Kombination aus Zentrumsnähe, hervorragender Infrastruktur und flexiblen Bebauungs- und Erweiterungsmöglichkeiten. Neben dem Grammer- Technologiezentrum und der Konzernzentrale entsteht in Ursensollen auch ein Design- und Ergonomie-Labor sowie ein Mitarbeiterrestaurant, nennt die Grammer AG doch als ihr oberstes Ziel, am neuen Standort eine attraktive, gesunde und moderne Arbeitsumgebung zu schaffen. Hier sollen die Mitarbeiter kreativ und effizient arbeiten und kommunizieren können. So entstehen zahlreiche Grün- und Erholungsflächen zur Regeneration in den Pausen. Das gesamte Bauprojekt steht für Grammer nach eigenen Angaben natürlich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

2017 erneut ein Rekordumsatz

Zu dem 2017 erwirtschafteten Rekordumsatz von 1,79 Milliarden Euro haben im abgelaufenen Jahr beide Segmente beigetragen. Das Segment Commercial Vehicles profitierte durch seine globale Aufstellung von einer weiterhin positiven Nachfrage im Lkw-, Baumaschinen- und Staplerbereich sowie einer spürbaren Erholung der Nachfrage im weltweiten Markt für Landtechnik. Dies hat sich in einem Plus von 14 Prozent auf 540 Millionen Euro gezeigt. Um lediglich zwei Prozent auf 1,29 Milliarden Euro dagegen wuchs das Automotive-Segment, das in den letzten Jahren permanent hohe Wachstumsraten verzeichnet hatte. Hier liefert Grammer Kopfstützen, Armlehnen, Mittelkonsolen sowie hochwertige Innenraumkomponenten und Bediensysteme für die Automobilindustrie, insbesondere an Hersteller im Premiumbereich.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war mit 65 Millionen Euro – im Vorjahr waren es 73 Millionen Euro – durch hohe Sonderbelastungen und Wechselkurseinflüsse negativ beeinflusst. Die starke Position des chinesischen Partners Ningbo Jifeng dagegen, so Vorstandschef Hartmut Müller, habe für eine nachhaltige Stabilisierung in der Aktionärsstruktur der Grammer AG gesorgt. Eine „unfreundliche“ Machtübernahme, wie sie im vergangenen Jahr durch den Großaktionär Hastor gescheitert war, gilt danach als weniger wahrscheinlich.+

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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