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Gesellschaft

Hausfrau sein darf sich nicht lohnen

Renate Schmidt und Helma Sick schreiben in ihrem neuen Buch über Gleichstellung und finanzielle Unabhängigkeit von Frauen.
Von Bernhard Heckler, MZ

Renate Schmidt (l.) und Helma Sick stellen im Buchladen Pustet ihr neues Buch vor.
Renate Schmidt (l.) und Helma Sick stellen im Buchladen Pustet ihr neues Buch vor.Foto: altrofoto.de

Regensburg.In der Buchhandlung Pustet haben die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt und die Finanzberaterin Helma Sick ihr neues Buch vorgestellt – „Ein Mann ist keine Altersvorsorge.“ Die Kernthese der beiden Autorinnen: Noch immer dominieren traditionelle Rollenverteilungen in Partnerschaften – und Frauen machen sich zu wenige Gedanken um ihre finanzielle Zukunft.

Helma Sick meint: „Obwohl sie gut ausgebildet sind, wählen junge Frauen oft das Leben ihrer Mutter oder Großmutter“. Zwar gebe es verbal eine große Aufgeschlossenheit zu einer modernen Partnerschaft mit geteilter Eltern- und Arbeitszeit, in der Alltagspraxis seien aber nur wenige Männer bereit, die Hausarbeit aufzuteilen – während viele Frauen sich allein für den Haushalt verantwortlich fühlen.

Staatliche Förderungen begünstigen den Berufsausstieg

Zudem fördere der Staat traditionelle Rollenverteilungen – Modelle wie das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Krankenmitversicherung und das Betreuungsgeld führen dazu, dass sich die Hausfrauenrolle finanziell lohnt. Für Frauen jedoch birgt die so entstehende finanzielle Abhängigkeit vom alleinverdienenden Ehemann erhebliche Risiken: „ Auf der einen Seite gibt es staatliche Förderungen, die den Ausstieg aus dem Beruf begünstigen – auf der anderen Seite gibt es kein lebenslanges Unterhaltsrecht mehr“, so Helma Sick. Diese schizophrene Haltung des Staates gefährde die finanzielle Existenz von Frauen, die im Scheidungsfall weder ausreichende Unterhaltszahlungen bekommen, noch die Möglichkeit haben, nach jahrelanger Abstinenz in ihren Beruf zurückzukehren.

Daher raten die Autorinnen den Frauen, die in traditionellen Partnerschaften leben, zu einem Ehevertrag. „Die beste Möglichkeit ist es, sich die Elternzeit zu teilen“, sagt Helma Sick, „wenn aber beide Partner eine traditionelle Beziehung wollen, dann muss sich die Frau durch einen Ehevertrag absichern“, um einer möglichen Altersarmut vorzubeugen.

Frauen müssen ihre Möglichkeiten nutzen

Dass innerhalb der letzten 20 Jahre eine formale Gleichstellung der Geschlechter erreicht wurde, erkennt Renate Schmidt. Aber: „Faktisch ist diese Gleichstellung noch nicht gegeben.“ Hier sei vor allem die Wirtschaft gefragt – die müsse „die gesetzliche Gleichstellung verwirklichen“ und „Frauen den beruflichen Wiedereinstieg in Vollzeitstellen ermöglichen“. Doch auch die Frauen sind gefragt: „Sie brauchen das entsprechende Bewusstsein, um ihre Möglichkeiten auch zu verwirklichen“, so Helma Sick.

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