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Hilfe für Medien gefordert

Die Corona-Krise trifft die Verlagshäuser. Seriös recherchierte Nachrichten sind gefragt, aber Umsätze brechen massiv weg.
von Christine Strasser

Informationen und journalistische Inhalte sind in der Corona-Krise zwar stark nachgefragt. Aber viele Verlage sind in wirtschaftlicher Not. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Informationen und journalistische Inhalte sind in der Corona-Krise zwar stark nachgefragt. Aber viele Verlage sind in wirtschaftlicher Not. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Regensburg.Die Corona-Krise hat auch die Medienhäuser fest im Griff. Erklärtexte rund um das Virus und lokale Informationen sind gefragt. Gleichzeitig leidet die Branche massiv unter den Folgen der Pandemie. Denn das Anzeigenaufkommen ist drastisch zurückgegangen. Die Landtagsgrünen haben deshalb finanzielle Hilfen für Zeitungsverlage und private Rundfunksender in Bayern gefordert. „Unsere Medien sind systemrelevant und ein unverzichtbarer Teil unserer Demokratie“, sagt der medienpolitische Sprecher Max Deisenhofer. Seriöse Recherche, vertrauenswürdige Information und Kontrolle der Regierung – Das sind gesellschaftliche Aufgaben der Medien, die in Zeiten von Corona noch wichtiger sind als sonst schon, wie er betont.

Deisenhofer warnt: „Eine neue Verlagskrise und ein weiteres Zeitungssterben stehen uns bevor.“ Medienhäuser und Rundfunkanbieter jeder Größe sehen sich in Existenznot – nicht wegen fehlender Nutzer oder mangelnder Arbeit – sondern weil der Werbemarkt dramatisch eingebrochen und eine schnelle Erholung nicht in Sicht ist. Die Grünen wollen einen Rettungsschirm aufspannen. Zuvor habe eine Anfrage ergeben, dass die Staatsregierung bisher Sonderregelungen für die Medien ablehnt.

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Die allgemeinen Fördertöpfe von Bund und Land passen für Verlage nur bedingt. „Notwendig wäre aus unserer Sicht ein Maßnahmenpaket, mit dem die einzigartige Medienlandschaft in Bayern, die durch die Corona-Krise massiven Schaden nimmt, in ihrer Existenz gesichert und zukunftsfest gemacht wird“, sagt Dr. Markus Rick, Geschäftsführer des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV). Die Pandemie setzt den Verlagen in besonderer Weise zu. Denn die Gleichung von Nachfrage und Angebot geht für sie derzeit nicht so einfach auf.

Steigerung bei den Digitalabos

Auf der einen Seite gibt es Erfolge. „Die Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach gut recherchierten und aufbereiteten Nachrichten, auf die sie sich verlassen können. Hier kann die Zeitung punkten. Vor allem die digitale Nutzung unserer Inhalte ist deutlich gestiegen. Das betrifft auch Bezahlangebote. Etwa ein Drittel unserer Verlage sieht deutliche Steigerungen bei den Digitalabos“, schildert Rick. Ob der Digitalboom nach Corona andauert, müsse sich aber noch zeigen.

Im digitalen Geschäft liegen Chancen. Doch Rick nennt auch Zahlen, die erschrecken. Die Verluste am Werbemarkt sind enorm. Das betrifft vor allem die Einnahmen, die ein Zeitungsverlag durch Anzeigen und Prospektbeilagen erzielt. „Im März lag der Umsatzrückgang schon bei circa 40 Prozent, für den April werden es bis zu 80 Prozent minus sein. Das ist für eine Branche, die sich zu etwa einem Drittel mit diesen Umsätzen finanziert, natürlich verheerend. Daran ändern auch etwaige Mehrerlöse im digitalen Bereich nichts, die bislang nur einen überschaubaren Deckungsbeitrag leisten“, führt Rick aus. Für Lokalzeitungen, die besonders auf das Werbegeschäft in der Region angewiesen sind, hatte der Lockdown ganz unmittelbare Auswirkungen. „Ein geschlossenes Möbelhaus, Autohaus oder Restaurant vor Ort schaltet eben keine Anzeige in der Heimatzeitung“, sagt Rick.

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In der Redaktionsarbeit ist die planbare Berichterstattung über Theaterpremieren, Feste oder Fußballspiele dahin. Ohne Unterlass gibt es stattdessen Neuigkeiten rund um die Pandemie. Da gilt es auch, immer wieder Fake News auszusortieren und richtigzustellen. Außerdem sollen andere Themen nicht einfach unter den Tisch fallen: Bedrohungen durch den Klimawandel, der schwierige Start in die neue Stadtratsperiode vielerorts. Es wird weiter berichtet. Das bewältigen Redaktionen gerade selbst im Ausnahmezustand.

Große Teile sind im Home-Office, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Auch die Zustellung erfolgt unter erschwerten Bedingungen, wie Rick erläutert. „Viele Verlage haben Kurzarbeit eingeführt. Trotzdem ist der Kostendruck jetzt durch die Krise nochmal stark gestiegen.“ Deshalb hofft er, dass Systemrelevanz der Medien sich „nicht auf politische Sonntagsreden“ beschränkt, sondern auch durch politisches Handeln sichergestellt wird.

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Eine Million extra

Medienhäuser könnten sich wie alle anderen Unternehmen um die bereitgestellten Soforthilfen bewerben, heißt es aus der Staatskanzlei auf eine Anfrage der MZ. Und es wird angeführt: Die Staatsregierung schalte seit Beginn der Krise bayernweit Informationen in verschiedenen Medien und unterstütze diese damit finanziell. Für Wochenblätter stünden außerdem eine Million Euro extra bereit. Die Landtagsgrünen fordern von der Staatsregierung ein spezifisches Konjunkturprogramm, einen Innovationsmittelfonds, finanzielle Unterstützung von freien Journalisten und eine Zustellförderung im ländlichen Raum. Denn hohe Klickzahlen hin oder her. Deisenhofer verweist auf die vielen Leser, die ihre Informationen seit jeher und gerne aus der gedruckten Zeitung beziehen. Sie sollen das weiter tun können.

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