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Energie

Hohe Benzinpreise – es fehlt das Öl

Autofahrer ärgern sich über die gestiegenen Preise für Treibstoff. Daran ist auch das Wetter schuld – und ein großer Unfall.

Ob Rhein oder Donau – Tankschiffe sind wegen des Niedrigwassers gehandicapt. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Ob Rhein oder Donau – Tankschiffe sind wegen des Niedrigwassers gehandicapt. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Bonn.Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – nicht nur wegen der hohen Spritpreise. Denn einzelne Tankstellen mussten den Verkauf von Benzin oder Diesel zeitweise sogar ganz einstellen, weil ihnen der Sprit ausgegangen war, wie Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT) in Bonn, sagte. Meist bekomme die Tankstelle aber nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub.

Welche Tankstelle es treffe, sei nicht vorhersehbar. „Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt“, sagte Zieger.

Der Rhein ist ziemlich trocken

Grund für den Lieferengpass seien vor allem niedrige Flusspegel, sagte ein Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral. „In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können.“ Die Transportkapazität der Schiffe sei kaum durch Lkw zu ersetzen.

Von trockenen Tankstellen war zwar in Ostbayern noch nichts zu hören. Aber hier herrscht auf der Donau auch Niedrigwasser und behindert die Schifffahrt massiv.

Es sollte jetzt nicht kalt werden

Ein Regensburger Ölhändler beschreibt die Situation so: Per Schiff gibt es zurzeit keine Ölversorgung. Die Verlagerung der Transporte auf die Schiene oder die Straße per Lkw sei in ihren Möglichkeiten stark limitiert. Bisher habe er zwar noch jeden Kunden versorgen können. Aber wenn es kalt wird und die Bestellungen von Heizöl anziehen, dann wüsste er in der momentanen Situation keine Lösung.

Auch das Tankverhalten der Autofahrer spielt nach Angaben von BFT-Geschäftsführer Zieger eine Rolle beim Spritmangel. „Sie tanken aus Furcht vor einem leeren Tank früher als üblich.“ Dadurch würden die Tanks der Tankstellen schneller leer.

Eine umfassende Sicht auf die hohen Treibstoffpreise gibt es hier

Der Mineralölwirtschaftsverband nennt einen weiteren Grund für die Versorgungslücken: die verheerende Explosion in der Bayernoil-Raffinerie in Vohburg an der Donau im September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher. Selbst in Teilen von Österreich macht sich das Fehlen der Raffineriekapazität von Vohburg bemerkbar. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn noch immer werden dort Anlagen entleert, um die Raffinerie wieder aufzubauen.

Langwierige Reparatur

Das alles werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, schätzt die Bayernoil-Geschäftsführung. Bis ins Frühjahr hinein würden Anlagen auseinandergebaut, gereinigt und gewartet. Andere müssen aufgrund ihres Zerstörungsgrades ausgetauscht und ersetzt werden.

Unglück

Die Schäden nach der Bayernoil-Explosion

Über 500 Schadensmeldungen gingen bei der Bayernoil-Raffinerie ein. Die Opfer der Explosion fühlen sich im Stich gelassen.

Die Freigabe von Kraftstoff aus der deutschen Erdölreserve habe zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Lage geführt. Der Erdölbewirtschaftungsverband hatte unter anderem 150 000 Tonnen Dieselkraftstoff aus den Reserven angeboten. In Deutschland werden pro Monat etwa drei Millionen Tonnen Diesel abgesetzt.

Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung der Tankstellen mit Benzin und Diesel werde es nur bei steigenden Wasserständen geben. Vorher sei auch wegen der derzeit deutlich höheren Transportkosten kaum mit einem Rückgang der Preise zu rechnen.

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