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Wirtschaft
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Jubiläum

IHK feiert 175. Geburtstag

Bei der großen Party in Regensburg hat der neue Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer einige Versprechen im Gepäck.
Von Daniel Pfeifer

Festakt im Neuhaussaal mit prominenten Gratulanten: Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg, Bayerns frischgebackener Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, DIHK-Chef Eric Schweitzer und der Regensburger IHK-Präsident Gerhard Witzany (v. l.) Foto: Pfeifer
Festakt im Neuhaussaal mit prominenten Gratulanten: Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg, Bayerns frischgebackener Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, DIHK-Chef Eric Schweitzer und der Regensburger IHK-Präsident Gerhard Witzany (v. l.) Foto: Pfeifer

Regensburg.1843 war die Welt noch in Ordnung im schönen Bayernland. König Ludwig I. sitzt fest auf dem Thron und durch die grünen Fluren pflügen die ersten Eisenbahnen. Die industrielle Revolution ist kurz davor, das Königreich mit all ihrer Wucht zu treffen, als Ludwig I. am 7. April 1843 auf Drängen regionaler Unternehmer sechs Handelskammern genehmigt – auch, wenn es ihm ziemlich zuwider war. Seit dem Tag dieser Entscheidung sind 175 Jahre vergangen und es hat sich vieles getan.

Heute sind die Handelskammern, zusammengefasst unter der deutschen IHK, bestens vernetzt mit den Nachfolgern von König Ludwig in der bayerischen Regierung. Beim Festakt zu Ehren des 175. Geburtstages der bayerischen IHK im Neuhaussaal des Theaters Regensburg am Mittwochabend hielt der frisch ernannte Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer die Festrede. Es war der allererste offizielle Auftritt des ehemaligen Staatssekretärs, seit er am selben Tag von Markus Söder zum Wirtschaftsminister befördert worden war. Er war nach eigenen Worten noch immer etwas mitgenommen, habe er doch von seinem Glück erst am Vortag erfahren, sagte Pschierer. „Und wie kann man ein Ministeramt schöner beginnen, als hier bei der IHK“, begrüßte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags den Gast.

Die IHK in ihrer Region

  • Die Ausdehnung

    Vom Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg bis zur Spitze des Arbers reicht der Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für die Oberpfalz und den Kreis Kelheim. Das Glas- und Porzellangebiet in Mitterteich gehört ebenso dazu wie das weltgrößte Hopfenanbaugebiet in der Hallertau. Das Unesco-Welterbe Regensburg, die 200 Kilometer lange Grenzlinie zu Tschechien – all das macht den IHK-Bezirk aus.

  • Die Wirtschaftskraft

    In dieser Region, die sich vom Armenhaus zu einem der wirtschaftsstärksten Räume entwickelt hat, betreut die IHK 91 000 Unternehmen. Für ihre Mitglieder steht sie in der Pflicht, eine Reihe von Aufgaben zu leisten. Ein Ausschnitt: Von der Gründung bis zur Nachfolge, die IHK begleitet ihre Mitgliedsunternehmen über ihren ganzen Lebenszyklus. Existenzgründerberatung, Unternehmerschule, damit werden Start-ups fit gemacht. Rechtsberatung, Informationen zum Arbeitsrecht oder zu Entwicklungen beim Datenschutz helfen im Dschungel der Vorschriften. Um den Nachwuchs bei Fachkräften sicherzustellen, organisiert die IHK die Duale Berufsausbildung. Knapp 3000 Unternehmen im Bezirk der IHK bilden aus, 3400 ehrenamtliche Prüfer nehmen Prüfungen in 160 Ausbildungsberufen ab. Obendrein bietet die IHK bundesweit einheitlich 54 Weiterbildungsabschlüsse in kaufmännischen und technischen Berufen an.

  • Die Organisation

    Eine weitere Aufgabe der IHK ist, die Interessen der Mitgliedsunternehmen zu bündeln, Positionen abzuwägen und diese gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu vertreten. Dies geschieht in der Vollversammlung der IHK. Alle fünf Jahre wählen die Mitgliedsunternehmen die Vollversammlung. Im April 2018 ist es wieder soweit, etwa 145 Kandidaten stellen sich zur Wahl.

  • Die Termine des Jahres

    Der Höhepunkt des 175-jährigen Jubiläums sind aus Sicht der IHK die konstituierende Vollversammlung mit Festakt im Alten Rathaus in Regensburg am 25. Juli und tags darauf der Tag der Offenen Tür. Bei der Vollversammlung wird sich die neue IHK-Spitze vorstellen, die bereits am 26. April gewählt wird. Beim Tag der Offenen Tür bietet die IHK diverse Vorträge zum Themenschwerpunkt „Zukunft“, der die Felder Digitalisierung, internationale Politik und Wirtschaft, Zukunft der Arbeit und moderne Standorte beleuchten wird. Bereits am 21./22. März ist eine Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Regensburg terminiert. Daran wird auch dessen Präsident Eric Schweitzer teilnehmen.

Pschierer betonte die Wichtigkeit der IHK für die regionale Wirtschaft und den hohen Berufsbildungsstand: „Wer außer den Kammern würde sonst in Deutschland regionale Wirtschaftsentwicklung machen,“ fragte er und verteidigte die engen Verbindungen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, wie sie in Bayern herrschten – was in anderen Bundesländern aber oft kritisiert werde.

Als vor 175 Jahren die IHK Regensburg gegründet wurde, war Ostbayern ein verlassener Landstrich. Das hat sich gedreht.

Plädoyer für den Freihandel

In seiner Rede sprach Pschierer die drängenden politischen Themen an. So beklagte er einen Zwiespalt zwischen Fachkräftezuzug und Einwanderungskontrolle. Sticheleien gegen die SPD in Berlin konnte sich der CSU-Minister nicht verkneifen: „Wir werden auch Olaf Scholz genau auf die Finger schauen“, sagte er über den neuen sozialdemokratischen Bundesfinanzminister. Pschierer blickte auf die drängenden Probleme, vor denen die Wirtschaft steht: „Die Welt um sich herum ändert sich“, sagte er. Der Brexit, drohende Handelskriege und die von den USA angekündigten Strafzölle stellten immense Herausforderungen für die Unternehmen und die Politik dar. Deswegen plädierte der Minister klar für Freihandel.

„Und wie kann man ein Ministeramt schöner beginnen, als hier bei der IHK.“

Eric Schweitzer, DIHK-Präsident, zum neuen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer

Außerdem versprach Pschierer den IHK-Chefs mehr staatliche Investitionen, sowie bessere Ausstattung der beruflichen Schulen. Ziel solle sein, ,„die Internationalisierung des bayerischen Mittelstandes voranzubringen“.

Nach der Rede mischte sich Pschierer für persönliche Gespräche unter die IHK-Chefs im Theater. Interne Gespräche waren schließlich auch der Anlass für den Festakt am Mittwochabend. Regensburg veranstaltet nämlich nicht nur stellvertretend für die anderen fünf IHKs Bayerns in Augsburg, Bayreuth, München, Nürnberg und Würzburg die Geburtstagsparty auf dem eignen historischen Boden. Nebenbei hat die Regensburger Kammer auch die besondere Ehre, als eine von insgesamt 79 deutschen Industrie- und Handelskammern Gastgeber der Vollversammlung zu sein. Mittwoch und Donnerstag wurden in Vorstands- und Arbeitssitzungen die Weichen für die Zukunft gestellt und wichtige Entscheidungen im Namen aller 79 IHKs gefällt.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer war zu Gast in Regensburg. Die MZ hat ihn zum Interview getroffen.

Wirtschaft zu Gast in Regensburg

Als Vorzeigeunternehmer der regionalen Oberpfälzer Wirtschaft sprach in einer dieser Gremien Krones-Chef Christoph Klenk. Dabei ging es auch um die Zukunftsfähigkeit der Oberpfälzer Wirtschaft: um Digitalisierung, Glasfasernetz und Elektromobilität. Es hat sich wirklich so einiges geändert seit 1843. Doch eines ist über die lange Zeit gleich geblieben: Die Bayern halten zusammen. „Gemeinsam sind wir stark“, feierte der Regensburger IHK-Präsident Gerhard Witzany das historische Jubiläum der sechs bayerischen IHKs, „der Erfolg unseres Wirtschaftsstandorts liegt letztlich auch daran, dass wir Teil der starken Wirtschaft Bayerns sind.“

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