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IHK-Empfang

Keine Angst vor dem Umbruch

Trotz der leichten wirtschaftlichen Eintrübung bleiben ostbayerische Firmen optimistisch. AVL in Regensburg profitiert sogar.
Von Marion Koller

„Wir können nur wachsen, wenn wir zusammen wachsen“: Der italienische Botschafter in Berlin, Luigi Mattiolo, bezeichnete Bayern beim IHK-Sommerempfang in Regensburg als äußerst wichtigen Handelspartner seines Landes.  Foto: Lex
„Wir können nur wachsen, wenn wir zusammen wachsen“: Der italienische Botschafter in Berlin, Luigi Mattiolo, bezeichnete Bayern beim IHK-Sommerempfang in Regensburg als äußerst wichtigen Handelspartner seines Landes. Foto: Lex

Regensburg.Kontakte zu Italien konnten ostbayerische Unternehmen beim Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer Regensburg am Dienstagabend knüpfen. Der römische Botschafter in Berlin, Luigi Mattiolo, und Jörg Buck, Chef der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand, waren eigens nach Regensburg gereist. „Wer Geschäftsbeziehungen mit Italien aufnehmen will, findet heute den richtigen Ansprechpartner“, empfahl IHK-Hauptgeschäftsführer und Gastgeber Dr. Jürgen Helmes den vielen Besuchern.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes lud ein zum Sommerempfang. Foto: Julia Knorr
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes lud ein zum Sommerempfang. Foto: Julia Knorr

Begeistert von Italienern

Schon heute machen mehr als 350 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Oberpfalz/Kelheim Geschäfte mit dem Land in Europas Süden. Über 80 Unternehmen sind mit eigenen Vertretungen, Niederlassungen und Produktionsstätten vor Ort. Vor allem im Industriesektor kooperieren Ostbayern und Italien eng. 245 Firmen exportieren: besonders aus dem Bereich Maschinenbau, Metallprodukte, Datenverarbeitungsgeräte, Elektronik und Optik. 122 Unternehmen importieren Waren.

AVL-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab ist überzeugt, dass die Firma von den Umwälzungen in der Autoindustrie profitiert. Foto: Lex
AVL-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab ist überzeugt, dass die Firma von den Umwälzungen in der Autoindustrie profitiert. Foto: Lex

Einer der Hauptredner beim Sommerempfang war Dr. Georg Schwab, Geschäftsführer der AVL Software and Functions GmbH in Regensburg. Der klassische Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer beschäftigt insgesamt 650 Mitarbeiter, den Großteil davon im Gewerbepark. AVL macht Geschäfte mit 15 großen Kunden in Italien, von Fiat über Maserati bis Kohler, der Rasenmäher herstellt. „Italien ist ein sehr wichtiges Land für uns“, sagt Schwab. „Als Markt und Geschäftspartner.“ Die Autoindustrie sei aber heute ohnehin so verwoben, dass man nicht sagen könne, alle Teile eines Daimlerautos kämen aus Deutschland, sagt der AVL-Chef am Rande der Veranstaltung. Italien besitze mit die größte Vielfalt an Fahrzeugherstellern und viele Zulieferer für elektromechanische Teile.

Zur internationalen Belegschaft von AVL zählt auch eine ganze Reihe von Italienern. Wenn sie nicht deutsch sprechen, sind sie eben für die englischsprachigen Kunden zuständig. „Diese Mitarbeiter sind sehr gut ausgebildet und bekleiden bei uns Top-Positionen“, sagt Schwab. Ein Key-Projektleiter und eine Koordinatorin für Forschungsthemen haben italienische Wurzeln.

Beim IHK-Empfang geht es stets auch um die wirtschaftlichen Aussichten. Die Umwälzungen in der Automobilindustrie – E-Mobilität, Autonomes Fahren – machen Dr. Georg Schwab keine Angst. Im Gegenteil: Der AVL-Geschäftsführer blickt sehr zuversichtlich in die Zukunft. In den drei bis fünf Jahren, bevor neue Lösungen in Serie gehen, leiste sein Unternehmen am meisten. Wenn ein Kunde herausfinden will, welcher E-Antrieb der richtige für ein Fahrzeug ist, wird AVL mit einer Studie beauftragt.

IHK-Präsident Michael Matt sagte, im Handel habe sich das Wachstum deutlich „abgeflacht“. Er empfiehlt den Einzelhändlern, den Service zu bieten, den auch das Internet offeriert. Foto: Julia Knorr
IHK-Präsident Michael Matt sagte, im Handel habe sich das Wachstum deutlich „abgeflacht“. Er empfiehlt den Einzelhändlern, den Service zu bieten, den auch das Internet offeriert. Foto: Julia Knorr

Schwab sieht aber durchaus, dass die Autobauer sparen. Sie verkleinern etwa die Budgets der Technikabteilungen. Die wichtigste Frage der kommenden Jahre werde lauten: Wie schafft man es, den Übergang zur E-Mobilität effizient zu gestalten und zugleich die Beschäftigung zu sichern? „Eine schwierige Aufgabe“, räumt der AVL-Geschäftsführer ein. „Ich sehe die Zukunft aber optimistisch.“

IHK-Präsident Michael Matt, Chef des gleichnamigen Brillen-Imperiums, stellte den italienischen Botschafter Luigi Mattiolo vor, der seit Ende 2018 amtiert. Italien sei der viertwichtigste Handelspartner Bayerns. „Bleibt es eine große Liebe?“, fragte Matt. Damit spielte er auf das Thema des Abends an: „Grande Amore im Herzen Europas? Zukunft der deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen“. Matt und Mattiolo betonten die Bedeutung der EU. Deutschland und Italien trügen hier eine große Verantwortung.

Jörg Buck, Geschäftsführer der deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand, ist für den Empfang nach Regensburg gekommen. Foto: Lex
Jörg Buck, Geschäftsführer der deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand, ist für den Empfang nach Regensburg gekommen. Foto: Lex

Jörg Buck von der Handelskammer Mailand appellierte: „Wenn wir in Europa die Firmen bündeln, die in der Künstlichen Intelligenz tätig sind, erreichen wir das chinesische Niveau.“

Bauindustrie floriert weiterhin

Toni Lautenschläger, Leiter des Regensburger Amts für Wirtschaft und Wissenschaft, arbeitet eng mit den regionalen Unternehmen zusammen. Die wirtschaftliche Situation sei nicht mehr ganz so wolkenlos wie vor einem Jahr, beobachtet er. Die Auswirkungen der US-Strafzölle und der gegenseitigen Blockaden der USA und Chinas spüre auch Regensburg, weil viele Firmen vom Export leben. Die Autoindustrie und ihre Zulieferer seien am ehesten gefährdet.

Das bestätigt die IHK-Konjunkturumfrage vom Mai für Ostbayern: „Die Stimmung in der Autoindustrie und bei den Zulieferern ist deutlich pessimistischer als im Vorjahr.“ Erstmals seit 2014 plane das produzierende Gewerbe keinen Stellenaufbau.

Wirtschaft

Ein banger Blick in die Zukunft

Die Aussichten der Auto-Zulieferer verdüstern sich. Leidtragende sind Osram-Mitarbeiter in Regensburg. Zwölf schlagen Alarm.

Wirtschaftsförderer Toni Lautenschläger ergänzte, die Arbeitslosenquote sei leicht gestiegen. Die Wirtschaft stellt vorsichtiger ein. Laut IHK-Befragung wollen aber 70 Prozent der ostbayerischen Firmen den Personalstamm halten. Der regionale Arbeitsmarkt zeigt sich trotz konjunktureller Schwächen robust. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk betrug im Juni 2,4 Prozent (ein Prozentpunkt über dem Vorjahresmonat). „Die Sonne scheint schon auch noch“, betonte Toni Lautenschläger. Schließlich ist die Auftragslage gut. Bauindustrie und Handwerk florieren.

Shunyu Hu, ein chinesischer Betriebswirt, der in Deutschland studiert hat, macht den Standort Regensburg in der Partnerstadt Qingdao bekannt. Foto: Koller
Shunyu Hu, ein chinesischer Betriebswirt, der in Deutschland studiert hat, macht den Standort Regensburg in der Partnerstadt Qingdao bekannt. Foto: Koller

Glänzende Aussichten für Regensburg sieht der junge Betriebswirt Shunyu Hu in der chinesischen Partnerstadt Qingdao. Er macht den Standort Regensburg dort bekannt. Der 27-Jährige vernetzt Unternehmen und Hochschulen aus beiden Städten.

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