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KELHEIM/Saal.

Kelheimer Werften: Schiffbruch mit Superyachten

Zwei Jahrzehnte lang bauten die Unternehmen in Saal Luxus-Yachten für arabische Geschäftsleute, russische Oligarchen und US-Musikmanager. Mit Pleiten endet die einstige Erfolgsgeschichte.

Superyachten wie die Shalimar im Jahr 2003 liefen im Hafen Kelheim-Saal vom Stapel.Foto: Archiv

Von Marion Koller, MZ

Superyachten lieferten die Kaiserwerft und die PR Marine AG in alle Welt. Bis zu 15 Millionen Dollar kosteten die Luxusschiffe. Der Grundaufbau der Yacht stand fest, alles Weitere war frei wählbar. „Die größte Luxusform der Mobilität“ nannte der frühere PR Marine-Mitgeschäftsführer Pit Chlestil das Reisen auf den Saaler Millionenschiffen. Allein fünf Yachten fertigte die Werft für Scheichfamilien aus Dubai.

Mit „High Klass Yachtbau made in Germany“ wirbt die PR Marine AG noch immer auf ihrer Website. Doch beide Unternehmen sind insolvent, in beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg. Gegen Geschäftsführer Zed Vohra von der Kaiserwerft läuft ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung. Den PR Marine-Chef Michael Linner hat ein Yachtenmakler wegen Untreue angezeigt, da er angeblich noch 400000 Euro bekommt.

Gläubiger warten auf ihr Geld

Das endgültige Aus für die seit Dezember 2008 zahlungsunfähige Kaiserwerft kam vor drei Monaten, als ein arabischer Auftraggeber seine halb fertige Luxus-Yacht Basmalina abholen ließ. Das Schiff, das nach Fertigstellung bis zu 17 Millionen Euro wert sein wird, soll in einer niederländischen Werft vollendet werden.

Der Schiffseigner und ein Oberpfälzer Kaufinteressent für die Kaiserwerft hatten sich nicht einigen können. Offenbar wartete der Araber schon zu lange auf die Fertigstellung der Basmalina und vertraute den Kelheimern wegen mehrfacher Zahlungsunfähigkeit nicht mehr. Dr. Joachim Exner, Insolvenzanwalt aus Regensburg, wickelt das Unternehmen ab. Die meisten der 51 hoch spezialisierten Mitarbeiter, die im Dezember ihre Jobs verloren, bekommen noch Geld für Überstunden, Spesen und Jahresleistungen von der Kaiserwerft und Zed Vohra. „Es warten sehr viele Gläubiger auf sehr viel Geld“, sagte Exner zur MZ. Undurchsichtig ist die Situation bei PR Marine AG, die bei der Insolvenz im Juni keine Mitarbeiter mehr hatte. Als Geschäftsführer firmierte der schwer kranke Michael Linner, doch das Sagen hatte offenbar Aufsichtsratschef Peter Rammelmayr, der als Yachtgutachter international tätig ist. Fachanwalt Dr. Rudolf Dobmeier aus Regensburg prüft, ob genug Werte vorhanden sind, um ein Insolvenzverfahren zu eröffnen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Regensburg gegen Geschäftsführer Linner hat der Yachtenmakler Darius Wozniak kurz nach der Pleite mit einer Anzeige ins Rollen gebracht. Er habe 400000 Euro für eine Luxus-Yacht vorgeschossen, behauptete der Schiffsmakler, der sein Vermögen mit einem Entsorgungsunternehmen für Asbest in Erlangen verdient hat und jetzt das ganze Jahr mit einer Yacht im Mittelmeer unterwegs ist. Linner und Rammelmayr hätten weder das bestellte Schiff gebaut noch das Geld zurückgegeben. Er habe die Staatsanwaltschaft informiert, dass PR Marine „alles verschiebt, was werthaltig ist“, sagte Wozniak am Handy.

Der Regensburger Oberstaatsanwalt Dr. Wolfhard Meindl bestätigte die Anzeige gegen Michael Linner wegen Untreue. Allerdings seien Wozniaks Anschuldigungen „noch nicht verifiziert“. Würden sie sich bewahrheiten, handle es sich um Betrug, nicht um Untreue.

Ein Opfer der Krise

Peter Rammelmayr lachte erst einmal ausgiebig, als ihn die MZ mit den Vorwürfen Wozniaks konfrontierte. „Der Herr Wozniak hat vor eineinhalb Jahren eine Yacht bestellt und nicht bezahlt“, betonte er. „Für fast eine Million Euro.“ Keiner der Vorwürfe sei wahr. „Wenn er meint, soll er halt Anzeige erstatten“, meinte der 63-Jährige ungerührt. Ein Kelheimer Steuerberater, der sich vor kurzem aus dem Aufsichtsrat der PR Marine AG zurückgezogen hat und anonym bleiben will, kommentierte die Anschuldigungen Wozniaks ähnlich: „Das ist ein Oberspinner. Der hat einen Auftrag gegeben und nicht bezahlt. Es stimmt nicht, dass er noch Geld kriegt.“ Vielmehr müsse die PR Marine Schadensersatz erhalten. Wozniaks halb fertiggebaute Yacht stehe in der Saaler Halle. 200000 bis 250000 Euro von insgesamt 900000 habe der Yachtenmakler nur bezahlt. „Wo ist da die Untreue? Der soll sich mit dem Insolvenzverwalter einigen, dann kann er die Yacht abholen“, sagte der Steuerberater.

Er bedauert, dass die Kelheimer Schiffsbau-Geschichte mit der PR Marine-Pleite endet und sieht die Werft als Krisen-Opfer. Es habe immer Interessenten gegeben, zuletzt zwei deutsche Unternehmer. Als die Aufträge unterschriftsreif waren, hätten sie wegen der Wirtschaftskrise zurückgezogen.

Darius Wozniak gibt nicht auf. Er vermutet, dass PR Marine AG die Yacht „Valentina“, die Ende Juli bei Deggendorf fast gesunken wäre (MZ berichtete), zwei Mal verkauft hat. „Mit ein bisschen Geduld kommt das alles raus. So leicht werden die nicht davonkommen.“

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