mz_logo

Wirtschaft
Montag, 23. Juli 2018 24° 2

Tarife

Kitas und Müllabfuhr streiken

Am Dienstag legen in Regensburg hunderte Mitarbeiter im öffentlichen Dienst ihre Arbeit nieder. Stadt richtet Notdienste ein.
Von Marion Koller

Am Dienstag werden in Regensburg 40 städtische Kitas, Kinderhorte, Krabbelgruppen, Mittagsbetreuungen und weitere Erziehungsdienste bestreikt. Foto: Carsten Rehder/dpa
Am Dienstag werden in Regensburg 40 städtische Kitas, Kinderhorte, Krabbelgruppen, Mittagsbetreuungen und weitere Erziehungsdienste bestreikt. Foto: Carsten Rehder/dpa

Oberpfalz.Die Stadt Regensburg steht vor einer Streikwelle. Verdi ruft in der ganzen Oberpfalz zu Streiks auf. Schwerpunkt wird am Dienstag Regensburg sein, wo 35 städtische Kitas, Kinderhorte, Krabbelgruppen, Mittagsbetreuungen, Verwaltungen, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Recyclinghof, Bauhöfe, Klärwerk und das Stadtgartenamt bestreikt werden. „Wir rufen auch die Beschäftigten von Rewag und Stadtwerken Regensburg, Landratsamt Regensburg, Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg sowie die Beschäftigten des Marktes Lappersdorf zum ganztägigen Warnstreik auf“, sagt Alexander Gröbner, Geschäftsführer des Verdi Bezirks Oberpfalz.

Treffpunkt der Warnstreikenden ist am Dienstag um 8.15 Uhr am Bürgerbüro Nord gegenüber dem Alex-Center mit anschließender Kundgebung. Ab 9.30 Uhr zieht dann die Demo zum DGB-Haus Regensburg. Am Gewerkschaftshaus findet gegen 10 Uhr eine Abschlusskundgebung statt.

Die Stadt wird voraussichtlich fünf Noteinrichtungen öffnen. Berufstätige Eltern mit Kleinkindern unter drei Jahren trifft es besonders hart. Ihnen kann die Stadt Regensburg keine Ersatzbetreuung bieten. Betroffen sind 77 Mädchen und Buben. Alexander Gröbner von der Gewerkschaft betont: „Wir wollen nicht die Eltern treffen, sondern Sand ins Getriebe der Stadt streuen.“ Nur den Kita-Streik meldet die Gewerkschaft im Vorfeld, denn die Mütter und Väter sollen sich darauf einstellen können. Betroffen sind knapp 3500 Kinder. Etwa 250 Beschäftigte aus der Tagesbetreuung könnten streiken.

„Wir wollen nicht die Eltern treffen, sondern Sand ins Getriebe der Stadt streuen.“

Alexander Gröbner, Verdi-Bezirksgeschäftsführer

Verdi macht Druck, weil sich die öffentlichen Arbeitgeber bei der Tarifrunde „nicht bewegt haben“, wie Gröbner sagt. Nicht nur die Kindertagesstätten, auch andere städtische Dienstleister will die Gewerkschaft in der kommenden Woche lahmlegen. Wo und wann die Arbeitnehmer protestieren, verrät Verdi erst am Montagmorgen.

Ausweitung auf weitere Städte

Gröbner und Kathrin Birner, Gewerkschaftssekretärin für den öffentlichen Dienst, haben vor, die Arbeitsniederlegungen auf weitere Oberpfälzer Städte auszuweiten, darunter Amberg, Weiden und Sulzbach-Rosenberg.

Im Tarifstreit für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen war auch die zweite Verhandlungsrunde am Dienstag in Potsdam ohne Annäherung zu Ende gegangen. Verdi und der Beamtenbund dbb fordern sechs Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Auch die unteren und mittleren Lohngruppen sollten an der guten Konjunkturentwicklung teilhaben, begründen Gröbner und Birner die 200-Euro-Forderung. Aber: „Dieser Mindestbetrag stößt auf kategorische Ablehnung der Arbeitgeber. Es gibt nicht einmal ansatzweise eine Annäherung.“ Für die Auszubildenden verlangt die Dienstleistungsgewerkschaft 100 Euro mehr Lohn im Monat und eine Übernahmegarantie. Die Ausstände könnten bis zur abschließenden Verhandlungsrunde am 15. und 16. April dauern.

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner und Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner planen die Streiks. Foto: Koller
Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner und Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner planen die Streiks. Foto: Koller

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Gröbner ärgert sich besonders, dass die Sparkassenarbeitgeber fordern, für ihre Beschäftigten einen niedrigeren Gehaltsabschluss als für alle anderen im öffentlichen Dienst zu akzeptieren. Sie verweisen dabei auf „besondere digitale und wirtschaftliche Herausforderungen für Banken und Sparkassen“. Gröbner schimpft: „Das finden wir voll daneben.“ Verdi drängt auf mehr Geld für untere Lohngruppen im öffentlichen Dienst, wie Facharbeiter, um diese zu stärken – deshalb die 200 Euro. „Die Arbeitgeber wollen keinen Mindestbetrag, sondern für alle den gleichen Prozentsatz. Gut bezahlte Mitarbeiter würden stärker profitieren“, sagt Gröbner.

Goethe und Müllabfuhr betroffen

Der letzte Regensburger Streik im öffentlichen Dienst liegt zwei Jahre zurück. Im April 2016 zogen 750 Arbeitnehmer durch die Innenstadt. Die Schar der Streikenden war bunt gemischt: Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen aus 32 Horten, Mitarbeiter der Rewag, der Stadtverwaltung und des Landratsamts, Männer der Straßenreinigung, Azubis, Pfleger und Psychologen des Bezirksklinikums, von der Agentur für Arbeit, dem Wasserwirtschaftsamt und dem Stadttheater beteiligten sich damals am Warnstreik. Am Theater fiel Goethes „Iphigenie“ aus. Die Müllabfuhr fiel aus, Kitas, Horte und Krippen blieben zu und auch in den Schulen waren zunächst einige Türen geschlossen, weil die Hausmeister streikten.

Weitere Nachrichten aus der Wirtschaft lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht