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Wirtschaft
Dienstag, 17. Juli 2018 29° 3

Welthandel

Konzernchefs warnen vor Protektionismus

Der Handelsstreit um die USA eskaliert weiter. Am Ende könnten die Verbraucher die Rechnung bezahlen.

Erdnussbutter, Jeans, Harley-Davidson und US-amerikanischer Whiskey. Im Streit um US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte hat die EU Gegenmaßnahmen beschlossen. Foto: Christian Charisius
Erdnussbutter, Jeans, Harley-Davidson und US-amerikanischer Whiskey. Im Streit um US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte hat die EU Gegenmaßnahmen beschlossen. Foto: Christian Charisius

Basel.Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor zahlreichen Risiken für die Weltwirtschaft. Als eine der größten Gefahren für die Konjunktur sehen die Experten den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA und anderen großen Volkswirtschaften.

„Die Folgen könnten überaus gravierend sein, wenn sie als Bedrohung für das offene, multilaterale Handelssystem gewertet würden“, schreibt die BIZ in ihrem Wirtschaftsbericht.

Zölle gefährden am Ende Arbeitsplätze

Wer Waren mit Zöllen oder Handelsbarrieren künstlich verteuert, verringert das Volkseinkommen. Damit gefährdet er Arbeitsplätze und Wohlstand.“

Elmar Degenhart

Deutsche Konzernchefs betonten am Wochenende, wie wichtig der freie Handel für die Wirtschaft sei. „Wer Waren mit Zöllen oder Handelsbarrieren künstlich verteuert, verringert das Volkseinkommen. Damit gefährdet er Arbeitsplätze und Wohlstand“, sagte der Chef des Autozulieferers Conti, Elmar Degenhart, der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“.

Conti arbeite in seiner Automobilsparte mit über 17.000 Lieferanten und Partnern weltweit zusammen. „Sie hantieren jährlich mit über 140 Milliarden Komponenten, die im Schnitt viermal die nationalen Grenzen überschreiten, bevor sie beim Kunden sind.“ Als Folge eines Handelsstreits würden die Produkte teurer werden.


Trump droht mit Zöllen auf Fahrzeuge

Daimler-Chef Dieter Zetsche betonte in der „Bild am Sonntag“, die Schlüsselfaktoren für Wohlstand seien Innovation und freier Handel. Er wünsche sich, dass „sich die Politik für freie und faire Märkte stark macht“. Daimler hat bereits eine Gewinnwarnung wegen der voraussichtlich steigenden Zölle in China auf US-Importautos herausgegeben.

Donald Trump droht mit weiteren Zöllen. Foto: AFP/Olivier Douliery
Donald Trump droht mit weiteren Zöllen. Foto: AFP/Olivier Douliery

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump den Ton im Handelsstreit erneut verschärft. Er drohte europäischen Autoherstellern mit Zöllen von 20 Prozent auf Fahrzeuge, die in die USA importiert werden. Zuvor waren Zölle der EU auf US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro in Kraft getreten, unter anderem auf Erdnussbutter und Jeans. Die Abgaben sind die Antwort Europas auf die seit Anfang Juli geltenden Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und von 10 Prozent auf Aluminium-Importe in die USA.

Auch China und Russland im Handelsstreit mit den USA

Wegen der Einführung von Strafzöllen stehen die USA derzeit auch mit anderen Ländern im Handelsstreit. Anfang Juni hatte Trump zusätzliche Strafzölle von 25 Prozent auf 1102 Produkte aus China im Wert von 50 Milliarden US-Dollar (42,7 Mrd Euro) verhängt. Peking brachte daraufhin Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar auf den Weg. Auch Russland kündigte Zusatzzölle auf Importe aus den USA an, Indien zog am vergangenen Donnerstag nach.

Die Experten der „Bank der Zentralbanken“, wie die BIZ auch oft genannt wird, fordern in ihrem Wirtschaftsbericht Reformen. „Wir müssen die Gunst der Stunde nutzen“, sagte Generaldirektor Augustin Carstens. Der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung sei die Gelegenheit, um nötige Reformen durchzuführen und wirtschaftspolitische Maßnahmen neu auszurichten. „Wir sollten diese Gelegenheit auf keinen Fall verpassen.“

Konkret fordert die BIZ, eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, also eine Verringerung der hohen Staatsschulden. Dies sei eine vorrangige Aufgabe. Zudem müssten die Zentralbanken bei der geldpolitischen Normalisierung auf Kurs bleiben und mögliche Risiken im Auge behalten. Außerdem spricht sie sich für flexiblere Arbeits- und Gütermärkte aus.

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