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Wirtschaft
Sonntag, 24. Juni 2018 20° 3

Hauptversammlung

Krones überzeugt Aktionäre

Das Geschäft bei dem Weltmarktführer aus Neutraubling läuft rund. In den Applaus mischt sich nur wenig Kritik.
von Christine Straßer

Krones liefert Maschinen und Anlagen zur Getränkeabfüllung und Verpackung in alle Welt. Foto: Kiefer/Krones
Krones liefert Maschinen und Anlagen zur Getränkeabfüllung und Verpackung in alle Welt. Foto: Kiefer/Krones

Neutraubling.An der Börse steigt die Krones AG zum 18. Juni vom MDax in den SDax ab, nichtsdestotrotz haben die Aktionäre dem Vorstand bei der Hauptversammlung gestern in Neutraubling den Rücken gestärkt. Der Beifall war weitaus lauter als die Kritik, die vier Aktionärssprecher an dem weltweit führenden Hersteller für Getränkeabfüll- und Verpackungsanlagen anbrachten. Einbrüche im China-Geschäft, der Bau eines neuen Werkes in Ungarn und zwei Unternehmensbeteiligungen in den USA sowie Verluste im Segment Prozesstechnik und ein reduzierter Cashflow warfen Fragen auf. Insgesamt gab es aber ein Lob für ein „erfolgreiches Jahr“ und „solides“ Wirtschaften. Allenfalls ein Hauch von Gegenwind wehte Vorstand und Aufsichtsrat also in die Gesichter.

Versüßt wurde den Aktionären der Nachmittag nicht nur durch reichlich Gummibärchen. Geschmack fanden sie auch an dem Vorschlag des Krones-Vorstandes, dieses Jahr eine Dividende von 1,70 Euro je Aktie auszuschütten, 15 Cent mehr als im Vorjahr. In summe entspricht das 28,7 Prozent des Konzernergebnisses. Anders als in den Vorjahren war auch der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger mit dieser Ausschüttung zufrieden.

Aktienkurs klettert nach oben

Derzeit befinden sich die Krones-Papiere auf dem Niveau des Allzeit-Hochs. Anleger verbuchen seit Jahresauftakt einen Gewinn in Höhe von rund sechs Prozent. Schon im vergangenen Jahr ging es mit dem Aktienkurs stetig bergauf. Von Januar bis Dezember 2017 stieg der Kurs um 31,8 Prozent auf 114,50 Euro. Damit legte die Krones- Aktie deutlich stärker zu als der MDax, dem das Papier bislang angehörte. Der Index für mittelgroße Aktiengesellschaften gewann vergangenes Jahr 18,1 Prozent. Entscheidend für die Mitgliedschaft im MDax ist nicht nur der Börsenwert der im Streubesitz befindlichen Aktien, sondern auch das Handelsvolumen. Krones rutschte nun in den Ranglisten, an denen sich die Deutsche Börse orientiert, ab. Ausschlaggebend für die Abstufung von Krones in den SDax war, dass sich durch die Platzierung großer Aktienpakete der Streubesitz einiger Unternehmen und damit auch deren Handelsaktivität in den vergangenen Monaten deutlich erhöht hat. Kopfzerbrechen bereitete das im Saal, der rund 78 Prozent des Kapitals repräsentierte, aber niemandem.

Vorstandschef Christian Klenk versuchte, den Aktionären etliche Gründe für ungebrochene Zuversicht an die Hand zu geben. Auf der drinktec, der mit Abstand wichtigsten Messe der Branche, habe Krones die Kunden mit seinen Innovationen überzeugt. Präsentiert wurde etwa ein System, das Bierflaschen in einer Einheit füllt und verschließt. Dadurch verringerte sich die Zeit des Füll- und Schließvorgangs um 50 Prozent auf fünf Sekunden. Eine digitale Direktdruckmaschine wurde ebenfalls auf der drinktec vorgestellt. Sie eröffnet völlig neue Möglichkeiten, beispielsweise um auf der Verpackung 3D-Effekte zu erzeugen oder die Optik anderer Materialien zu simulieren. Neueste Technik macht es zudem möglich, dass einzelne Flaschen mit jeweils unterschiedlichem Inhalt befüllt werden.

Krones-Vorstandschef Christoph Klenk Archivfoto: Gabi Schönberger
Krones-Vorstandschef Christoph Klenk Archivfoto: Gabi Schönberger

Der Markt für Maschinen und Anlagen, mit denen Getränke und andere flüssige Lebensmittel abgefüllt werden, wächst jährlich relativ stabil um vier bis fünf Prozent. Klenk zählt die wichtigsten Wachstumstreiber auf: die stetig wachsende Mittelschicht weltweit, die Abwanderung vieler Menschen vom Land in die Stadt, wo der Bedarf an abgepackten Getränken steigt, sowie die steigende Zahl von Verpackungsformen und Getränkesorten. Und: „Für Krones birgt die Digitalisierung der Getränkefabriken großes Potenzial“, versicherte Klenk.

Auch wenn der Jahresstart eher mau verlief, hält Krones an seinen Zielen fest. Im Gesamtjahr 2018 soll der Umsatz um sechs Prozent zulegen. 2017 ging es hier noch um knapp neun Prozent nach oben. Auch an der angepeilten Vorsteuermarge von sieben Prozent wird nicht gerüttelt. Erreichen will der Krones-Vorstand das Ziel mithilfe von Preiserhöhungen, die das Unternehmen durchsetzen will. Durchschnittlich 4,5 Prozent will Krones bei seinen Maschinen draufschlagen.

Bis 2020 soll ein Umsatzplus von jährlich sieben Prozent erreicht werden. Die Umsatzrendite vor Steuern soll bei acht Prozent liegen und beim Working Capital im Verhältnis zum Umsatz sollen 22 Prozent erreicht werden. Noch muss Krones aber deutlich mehr Kapital einsetzen, um den Umsatz zu finanzieren.

Alle Tagesordnungspunkte beschlossen

  • Aufsichtsrat:

    Da die Krones AG nunmehr in der Regel mehr als 10 000 Arbeitnehmer beschäftigt, beschloss die Hauptversammlung, den Aufsichtsrat von zwölf auf 16 Mitglieder aufzustocken. Er setzt sich aus acht Aufsichtsratsmitgliedern der Anteilseigner und acht Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmer zusammen. Auf Anteilseignerseite wurden Robert Friedmann, Norman Kronseder, Volker Kronseder, Susanne Nonnast, Norbert Samhammer, Petra Schadeberg-Herrmann, Hans-Jürgen Thaus und Matthias Winkler gewählt.

  • Geschäftsergebnis:

    Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. Wachstums- und Ergebnisziele wurden im Geschäftsjahr 2017 erreicht. Der Umsatz stieg um 8,8 Prozent auf 3,68 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) verbesserte sich um 8,9 Prozent auf 259 Millionen Euro. Mit 7,0 Prozent lag die EBT-Marge bei dem prognostizierten Wert.

  • Beschäftigte:

    Mit mehr als 10 000 Mitarbeitern sind rund zwei Drittel der Krones-Belegschaft in Deutschland beschäftig.

Krones wird noch globaler

Schwankende Währungskurse, der Kostendruck auf Material und Personal sowie zunehmende protektionistische Tendenzen fordern Krones heraus. Da das Unternehmen rund 90 Prozent des Umsatzes auf ausländischen Märkten erzielt, beobachtet Krones genau, wie sich die USA weiter verhalten werden. Die Strafzölle auf Aluminium und Stahl haben im Moment noch wenig Auswirkungen auf das Unternehmen. „Rund 15 Millionen unseres Umsatzes sind betroffen“, sagt Vorstandschef Klenk. Trotzdem sehe man die Entwicklung kritisch, weil US-Präsident Donald Trump nicht einschätzbar sei. „Wir wissen nicht, was als nächstes kommt“, sagte Klenk.

In China ist der Umsatz um 20 Prozent zurückgegangen. Das überrascht so manchen Aktionär. Schließlich gilt China als der Zukunftsmarkt schlechthin. Klenk erklärte den Einbruch damit, dass durch große Investitionen nun Überkapazitäten entstanden sind – gerade beim Abfüllen von Wasser. Gleichwohl betrachtet er China als einen entscheidenden Zukunftsmarkt. „Wichtig ist, dass wir keine Marktanteile verloren haben“, betonte Klenk.

Eine bereite internationale Aufstellung bleibt Kernbestandteil der Krones-Strategie. „Es ist für uns sehr wichtig, so nah wie möglich an unseren Kunden zu sein“, sagte Klenk. Das gelte insbesondere auch für Serviceleistungen. 3000 Krones-Servicetechniker arbeiten weltweit. Zuletzt wurden Standorte in Vietnam, Äthiopien und auf den Philippinen eingerichtet. Aber auch am Stammsitz in Neutraubling will Krones investieren. Die Fabrik mit modernsten Logistik- und Digitalisierungslösungen entsteht hier.

Da die Krones Mitarbeiterzahl auf mehr als 10 000 angewachsen ist, besteht seit dem 13. Juni 2018 der Aufsichtsrat der Krones AG aus 16 Mitgliedern – acht Mitglieder der Arbeitgeberseite sowie acht Mitglieder der Arbeitnehmerseite. Foto: Krones AG/Matthias Jeserer
Da die Krones Mitarbeiterzahl auf mehr als 10 000 angewachsen ist, besteht seit dem 13. Juni 2018 der Aufsichtsrat der Krones AG aus 16 Mitgliedern – acht Mitglieder der Arbeitgeberseite sowie acht Mitglieder der Arbeitnehmerseite. Foto: Krones AG/Matthias Jeserer

Bislang bestand der Aufsichtsrat der Krones AG aus zwölf Mitgliedern. Mittlerweile ist die Arbeitnehmerzahl der Krones AG, dem herrschenden Unternehmen des Krones Konzerns, auf mehr als 10.000 angewachsen. Deshalb muss der Aufsichtsrat aus rechtlichen Gründen jetzt aus jeweils acht Mitgliedern der Anteilseigner sowie der Arbeitnehmer bestehen. Die Aktionäre wählten auf der Hauptversammlung die vorgeschlagenen Kandidaten der Anteilseignerseite mit großer Mehrheit. Im Anschluss an die Hauptversammlung wählte der neu formierte Aufsichtsrat Volker Kronseder erneut zum Aufsichtsratsvorsitzenden.

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