MyMz
Anzeige

Kunden shoppen gern mobil und augmented

Augmented Reality ist einer der Megatrends im E-Commerce. Aber auch der stationäre Handel profitiert von den digitalen Tools.
Von Rebecca Sollfrank, Wirtschaftszeitung

Onlineshopping mithilfe von Augmented Reality (Foto: Elnur - adobe.stock.com)
Onlineshopping mithilfe von Augmented Reality (Foto: Elnur - adobe.stock.com)

Regensburg.Bis zu 100 Millionen Kunden werden 2020 für ihre Einkäufe im Onlineshop Augmented Reality nutzen – das prognostizierte das Marktforschungsunternehmen Gartner vor einem Jahr. Ob diese Prognose zutrifft, muss sich erst noch zeigen. Klar ist aber: Wer in Zukunft auf E-Commerce setzt, kommt um einige Megatrends kaum herum. Experten raten jedoch, digitale Tools stets strategisch auszuwählen.

„Über Augmented Reality oder den Einsatz von digitalen Bezahlsystemen stimmt letztendlich der Kunde ab“, sagt Günter Hölzl, Regensburger Bezirksgeschäftsführer des Handelsverband Bayern e.V. Make-up virtuell am eigenen Gesicht testen oder die Wunschcouch mittels Smartphone und App ins eigene Wohnzimmer projizieren – Augmented Reality ist inzwischen auf den Verkaufsplattformen weit verbreitet. Ähnlich sieht es mit Mobile Commerce aus. Statista meldet, dass 2019 in einer Umfrage 58 Prozent der Befragten angaben, sie hätten Kleidung oder Schuhe mit dem Smartphone gekauft, an zweiter Stelle standen mit 57 Prozent Bücher und an dritter Stelle mit 54 Prozent Flug- oder Bahntickets. Großes Potenzial sehen Branchenexperten außerdem in Voice Commerce, also dem Bestellen mit Spracheingabe, und in der als „Ultra-Personalisierung“ bezeichneten nächsten Personalisierungsstufe mithilfe von Big Data. Rund die Hälfte aller Onlineshopper soll laut Umfrage personalisierte Angebote schätzen.

„Der regionale Handel muss seinen eigenen Weg finden und sollte nicht hinter globalen E-Commerce-Trends herlaufen“, findet Alfred Rauscher, Geschäftsführer der R-Kom, die als Kommunikationsversorger selbst einen starken Online-Anteil im B2C- und B2B-Bereich hat. Im Privatkundensegment von Glasfaser Ostbayern ist der Onlinehandel der stärkste Absatzkanal: Über 70 Prozent der Verträge werden online abgeschlossen. Im B2B-Segment liegt der Onlinevertragsabschluss sogar bei 100 Prozent.

HVB-Geschäftsführer Günter Hölzl sieht in den angesagten Techniken für den Onlinehandel sogar eine große Chance für die stationären Geschäfte. „Das Internet wird auch das Ladengeschäft zunehmend verändern. Also warum nicht die Waffen, die seit Jahren gegen den stationären Handel aufgefahren werden, selbst nutzen?“ Hölzl kann sich zum Beispiel vorstellen, dass ein Autohaus nur wenige Modelle analog präsentiert, dafür aber ein virtuelles Studio einrichtet, in dem man mittels Datenbrille seinen Wunschwagen erleben kann. In Zeiten, in denen die Zahl der inhabergeführten Läden sinke, könne die intelligente Nutzung von Augmented Shopping oder digitalgestützter Fachberatung eine Chance für den stationären Handel bedeuten, so Hölzl.

Und womöglich setzen regionale Händler auf diese Weise sogar eigene Trends im stationär-digitalen Handel. R-Kom-Chef Rauscher schildert ein Beispiel: Der kleine italienische Landwirtschaftsbetrieb La Vialla betreibt eine von vier „Speisekammern“ in Mintraching bei Regensburg. Wer hier einkaufen möchte, muss sich zuerst einen persönlichen magnetischen Schlüssel aus Olivenholz schicken lassen. Damit kann er die Speisekammer betreten. Die ausgewählten Waren werden automatisch gescannt, danach hat der Kunde die Möglichkeit, ohne zu bezahlen den Laden zu verlassen – über den Schlüssel wird, je nach Wunsch, eine Rechnungsstellung oder die Abbuchung über Sepa-Lastschrift in Gang gesetzt. Rauscher sieht in diesem Ansatz eine ideale Verschmelzung zweier Welten. „Das zunehmende Umweltbewusstsein der Jugend, die Wertschätzung regionaler Produkte und lokale Wirtschaftskreisläufe eröffnen neue Möglichkeiten für den Einzelhandel, abseits ausgetretener Pfade des E-Commerce“, meint der R-Kom-Chef.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Weitere interessante Wirtschaftsthemen gibt es auch im kostenlosen Newsletter der Wirtschaftszeitung: www.die-wirtschaftszeitung.de/newsletter

Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview Die Sinne wollen angesprochen werden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht