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Industrie

Läpple: Beschäftigte sollen mitzahlen

Der Autozulieferer will in Teublitz 36 Millionen Euro investieren. Nun bittet der Vorstand die Mitarbeiter zur Kasse.
Von Marion Koller

  • Das Geschäft läuft gut: Ein Blick in die Qualitätssicherung von Läpple, wo hochwertige Blechteile für Luxusautos kritisch geprüft werden. Foto: Läpple
  • Vorstandschef Klemens Schmiederer Foto: Läpple
  • Automotive-Geschäftsführer Oliver Wackenhut Foto: Läpple

Teublitz.Läpple Automotive in Teublitz geht es gut. 850 Fachkräfte produzieren Karosseriebauteile für Premiumautos von BMW, Mercedes und anderen großen Marken. Das Werk ist ausgelastet und stellt ein. Bei der Jahrespressekonferenz vor vier Wochen verkündeten Vorstandschef Klemens Schmiederer und Geschäftsführer Oliver Wackenhut, die Läpple-Gruppe habe 2017 das Umsatzziel von 443 Millionen Euro und damit ein leichtes Wachstum erreicht. In Teublitz wurden im Vorjahr fünf Millionen Euro investiert.

Doch jetzt rumort es bei dem Blechspezialisten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, will die Geschäftsführung eine neue Press-Straße anschaffen. Modelle für 27 oder 36 Millionen Euro stehen zur Auswahl. Die Mitarbeiter sollen die enorme Investition mittragen. Stellvertretender Betriebsratschef Josef Schlehuber bestätigt auf Anfrage der Mittelbayerischen: „Es ist eine Forderung an die Belegschaft da, sich an der Investition zu beteiligen.“

Blutet sonst der Standort aus?

Wie viel und in welcher Form die Mitarbeiter beitragen sollen, ist noch unklar. Zunächst werden die Beschäftigten befragt, ob sie überhaupt Verhandlungen von Betriebsrat und Geschäftsführung erlauben. Das Ergebnis wird im Laufe des Donnerstags erwartet.

Jürgen Scholz, Generalbevollmächtigter der IG Metall in Regensburg, beschäftigt sich seit Tagen mit dem Autozulieferer. „Es geht rum, dass die Firma den Antrag auf Abschluss eines Ergänzungstarifvertrags gestellt hat“, sagt er. Dass Arbeitgeber eine hohe Investition von den Arbeitskosten abhängig machen, hält der Gewerkschafter für „nicht ungewöhnlich“. Doch seien Investitionen in erster Linie Aufgabe der Unternehmensspitze. „Das Begehren des Arbeitgebers alleine ist kein Garant dafür, dass die Beschäftigten mitziehen“, sagt Scholz.

„Wir befragen erst einmal unsere Mitglieder, ob sie uns ein Verhandlungsmandat erteilen.“

Jürgen Scholz, IG Metall Regensburg

„Wir befragen erst einmal unsere Mitglieder, ob sie uns ein Verhandlungsmandat erteilen.“ Ein sehr großer Teil der Teublitzer Beschäftigten gehöre der IG Metall an. Scholz stellt aber klar: „Wenn wir den Weg eines Mitarbeiterbeitrags gehen, wollen wir einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.“

Jürgen Scholz, Generalbevollmächtigter der IG Metall in Regensburg Foto: Kellner
Jürgen Scholz, Generalbevollmächtigter der IG Metall in Regensburg Foto: Kellner

In weiten Teilen Bayerns herrscht Vollbeschäftigung. Noch boomt die Automobil-Industrie trotz Dieselaffäre und Versäumnissen bei der Umstellung auf E-Antriebe. Warum sollen in einem florierenden Werk die Mitarbeiter mitzahlen – etwa durch nicht vergütete Mehrarbeit oder durch Verzicht auf übertarifliche Lohnbestandteile? Jürgen Scholz meint zum Vorgehen der Läpple AG: „Auch wenn man gefühlsmäßig sagt, das ist ungerecht und die sollen für Aufträge sorgen, ist es natürlich für die Zukunftsfähigkeit des Standorts entscheidend, dass investiert wird.“ Läpple könne auch an einem anderen Standort die neue Press-Straße bauen – beispielsweise am Hauptsitz Heilbronn oder im Ausland. Die beiden Automotive-Werke in Heilbronn und Teublitz würden „immer gegeneinander ausgespielt“.

Firmenleitungen drohten in der Regel damit, dass ein Standort ohne Investitionen ausblute. „Wie realistisch so ein Szenario ist, muss man in den Verhandlungen herausfinden“, sagt der IG-Metall-Vertreter. Falls es zu Verhandlungen kommt, wird die Gewerkschaft einen unabhängigen Wirtschaftsgutachter einschalten, der das Unternehmen unter die Lupe nimmt.

Die Geschäftsführung schweigt

Josef Schlehuber, der nicht nur stellvertretender Betriebsratschef ist, sondern als Arbeitnehmervertreter auch dem Aufsichtsrat angehört, sagt, Läpple wolle vorne mitspielen bei den Automobilzulieferern. „Die neue Anlage soll das Tüpfelchen auf dem i sein.“

Der Spezialist für Karosseriebauteile setzt auf den eigenen Nachwuchs. Foto: Läpple
Der Spezialist für Karosseriebauteile setzt auf den eigenen Nachwuchs. Foto: Läpple

Die Belegschaft solle die hohe Investition deshalb mittragen, weil in Teublitz auch noch ein Logistikzentrum gebaut wird. Zwei Jahrzehnte alte Press-Straßen wolle Läpple ersetzen, um eine höhere Stückzahl und Qualität zu erzielen. Schlehuber betont: „Wir können von dem, was wir haben, nichts geben, aber vielleicht tarifliche Leistungen der Zukunft.“ Doch alle Einsparungen müssten zurückfließen an die Mitarbeiter.

Er ist skeptisch über den Ausgang des Votums, denn in der Finanzkrise vor rund zehn Jahren machte die Belegschaft schlechte Erfahrungen. Zuerst verzichtete sie auf Lohn, doch 2009 wurde trotzdem knapp 100 Leuten gekündigt. „Da wurden Fehler gemacht. Das sitzt tief“, sagt Josef Schlehuber.

Nach der Jahrespressekonferenz Ende Juni 2018 führten Vorstandschef Klemens Schmiederer und Automotive-Geschäftsführer Oliver Wackenhut durch die Produktion in der Halle der früheren Maxhütte in Teublitz.

Die Unternehmensleitung wird sich erst nach der Abstimmung äußern. Das ließ Bilke Schäffer ausrichten, die bei Läpple in Heilbronn für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

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Das Unternehmen

  • Produktion:

    Die Herstellung von Autoteilen macht laut Vorstandssprecher Klemens Schmiederer 80 bis 85 Prozent des Läpple-Geschäfts aus. Die Gruppe baut auch Produktionsanlagen und formt Blechteile für Haushaltsgeräte. Die AG mit ihren vier Tochtergesellschaften beschäftigt 2500 Menschen. August Läpple hat das Unternehmen 1919 gegründet. Alle Aktien gehören der Familie.

  • Press-Straße:

    Dort werden Bleche zu Karosserieteilen wie Kotflügeln oder Türen gepresst.

  • Leitung:

    Klemens Schmiederer ist seit 2017 Vorstandssprecher der Läpple AG am Hauptsitz in Heilbronn. Geschäftsführer Oliver Wackenhut verantwortet seit 2011 die Standorte Heilbronn und Teublitz der Läpple Automotive GmbH.

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