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Ausblick

Läpple-Chef ordnet ein Sparprogramm an

Die Autoindustrie durchläuft eine Umbruchphase. Zulieferer spüren das. Die Teublitzer stehen unter starkem Kostendruck.
Von Marion Koller

Hochwertige Bleche für Audi, BMW und Co.: Läpple produziert Türen und Motorhauben. Foto: Daniel Nasse
Hochwertige Bleche für Audi, BMW und Co.: Läpple produziert Türen und Motorhauben. Foto: Daniel Nasse

Teublitz.Auf Deutschlands Straßen rollen unzählige Autos, deren Karosseriebleche in einer Teublitzer Produktionshalle geformt wurden. Der Zulieferer Läpple AG stellt Türen und Motorhauben für Audi, BMW und Volkswagen her.

Beim Jahrespressegespräch am Dienstag gab sich Klemens Schmiederer, Vorstandssprecher der Läpple AG mit Hauptsitz in Heilbronn, weit weniger zufrieden als ein Jahr zuvor. Die gesamte, global tätige Gruppe steigerte im Geschäftsjahr 2018 zwar ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17,6 Prozent auf 521 Millionen Euro.

Die Qualität der Karosserieteile wird streng kontrolliert.  Foto: Daniel Nasse
Die Qualität der Karosserieteile wird streng kontrolliert. Foto: Daniel Nasse

Damit setzt das Unternehmen mit Hauptsitz in Heilbronn seinen Wachstumskurs fort, bleibt jedoch – aufgrund eines sich abschwächenden Werkzeug- und Maschinenbaumarkts – unter dem geplanten Umsatzziel. Die Rendite ist zurückgegangen. Weil alle Aktien der Familie gehören, sind die Hauptversammlungen nicht-öffentlich. Es wird also keine Kritik der Aktionäre laut wie in anderen Unternehmen.

Kosten auf dem Prüfstand

Klemens Schmiederer jedenfalls verordnet dem Zulieferer, auch den Teublitzern, einen strengen Sparkurs: „Unser neuer Fokus ist, ganz massiv unsere Kosten zu reduzieren.“ Alle variablen Ausgaben würden auf den Prüfstand gestellt. „Wir verbessern unsere Prozesse und bekämpfen Verschwendung.“ Alle Bereiche müssen sich mit dem Thema Lean Management – verschwendungsarme Produktion – beschäftigen.

Der Jahresstart sei schwierig gewesen, der sprunghafte Markt hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Klemens Schmiederer. Umbrüche in der Mobilität, Handelskonflikte, drohende Zölle und Brexit treffen auch Läpple. Beim Karosseriespezialisten Läpple Automotive mit den zwei Standorten am Hauptsitz Heilbronn und in Teublitz drehte sich 2018 alles um die Serienanläufe von zwei Großprojekten. In Heilbronn werden die Innenseitenteile und der Boden des Porsche 911 gefertigt, in Teublitz die Türen des neuen BMW 8er zusammengebaut. Auch die Akquise neuer Aufträge gelang. Für Teublitz wurde ein BMW-Auftrag an Land gezogen. Läpple wird Karosserieteile für das Elektro-Auto i20 produzieren, einen großen SUV.

Im Video sehen Sie die Produktion

Premium Produktion in Teublitz

„Mehr und mehr entwickelt sich Läpple Automotive vom reinen Pressteilfertiger zum spezialisierten Modullieferanten“, sagte Schmiederer. Der Vorstandschef und Oliver Wackenhut, Geschäftsführer von Läpple Automotive, waren sich einig: „Das ist die Zukunft.“ Bei den vormontierten Modulen könne das Unternehmen sein ganzes Knowhow einsetzen.

Die Läpple AG bildet zurzeit 141 junge Leute in zehn Berufen aus. Foto: Daniel Nasse
Die Läpple AG bildet zurzeit 141 junge Leute in zehn Berufen aus. Foto: Daniel Nasse

2700 Menschen arbeiten bei der Läpple AG insgesamt, 150 mehr als im Vorjahr. In Teublitz sind es 757 Mitarbeiter. Das Unternehmen stellt im Produktmanagement und in der Entwicklung ein. „Ansonsten nur, wenn wir eine besondere Qualifikation ersetzen müssen“, sagt der Vorstandschef. 2018 suchte Läpple noch fieberhaft nach unterschiedlichen Spezialisten. Gegenwärtig listet die Website für Teublitz lediglich freie Stellen für Werkstudenten, Praktikanten und einen Sachbearbeiter auf.

Die Karosserieteile für die Premiumwagen werden in Press-Straßen hergestellt. Die Anlagen in Teublitz sind zum Teil 25 Jahre alt und müssten ersetzt werden. 2018 wollte die Geschäftsführung für 36 Millionen Euro einen Ersatz anschaffen. Rund ein Drittel der Kosten sollten laut Betriebsrat die Mitarbeiter tragen – in welcher Form war unklar. Die Belegschaft lehnte jedoch Gespräche über eine Beteiligung an der Großinvestition ab.

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Die Betriebsratschefs hätten befürwortet, dass die Mitarbeiter die Investition mitstemmen, um den Standort zu sichern. „Wenn wir nicht wirtschaftlich arbeiten können, bleiben die Aufträge aus, dann geht es an die Arbeitsplätze“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Josef Schlehuber damals zur Mittelbayerischen. Der alte Maschinenpark sei reparaturanfällig und verursache Kosten. „Wir haben häufig Standzeiten.“ Eine neue Press-Straße habe einen Auswurf von 16 Blechteilen pro Minute, die alte forme in dieser Zeit höchstens sieben.

Heute äußert er sich gegenüber der Presse nicht mehr.

Unklare Strategie der Hersteller

Vorstandschef Schmiederer wiegelte am Dienstag ab. Ohnehin mache es jetzt keinen Sinn, so eine große Investition zu tätigen, wenn die Strategie der Autohersteller nicht klar sei. „Werden sie mehr E-Fahrzeuge herstellen, mehr Sharing anbieten, mehr Werke in Osteuropa bauen – oder nicht? Welche Teile geben sie an die Lieferanten heraus? Solange das nicht klar ist, können wir unsere Strategie für Teublitz nicht klar formulieren.“ Schmiederer sieht keinen Entscheidungsdruck. „Wir warten, bis die Strategie der Autohersteller klar ist.“

Der Vizechef des Betriebsrats und Kollegen befürchteten 2018, die Millionen könnten in den Hauptsitz Heilbronn fließen, wo ebenfalls Autoteile produziert werden – oder in internationale Läpple-Standorte. Am Stammsitz wurde vor mehr als drei Jahren ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen. Dort stimmten die Mitarbeiter einer Beteiligung zu. Eine moderne Press-Anlage wurde angeschafft. „Seitdem konnten wir zusätzliche Kunden und Aufträge gewinnen“, teilte im Herbst die Pressesprecherin mit.

Vorstandschef Klemens Schmiederer Foto: Daniel Nasse
Vorstandschef Klemens Schmiederer Foto: Daniel Nasse

Vorstandsvorsitzender Klemens Schmiederer ist mit dem Ergebnis zwar nicht zufrieden, blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft. „Egal ob Batterie-Antrieb oder Verbrennungsmotor, man braucht immer eine Karosserie.“

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100 Jahre in einem schwierigen Markt

  • Läpple: Die AG mit Hauptsitz in Heilbronn ist ein weltweit tätiger Anbieter von Karosserieteilen, Rohbaukomponenten, Automationslösungen – und Ausbildungskonzepten. Es gibt mehrere Tochterunternehmen. Läpple Automotive ist Spezialist für Pressteile, Baugruppen und Umformlösungen im Karosseriebau von Premium-Autos. Fibro ist der europäische Marktführer für Normalien im Werkzeugbau und Rundtische im Maschinenbau. FLT bietet Automationslösungen für Automotive und Luftfahrt sowie General Industry.

  • Geschichte:

    Mit einer kleinen Mechanikerwerkstatt legte der Werkzeugmacher August Läpple 1919 in Weinsberg bei Heilbronn den Grundstein für die heutige Läpple Gruppe. „Dass ein Unternehmen 100 Jahre alt wird, ist gerade in unserer Zeit ganz und gar nicht selbstverständlich“, betont Vorstandschef Klemens Schmiederer. Von August Läpple stammt die Aussage, Stillstand bedeute Rückschritt. „Das ist heute genauso wichtig wie damals“, sagt Klemens Schmiederer. Ohne Innovationen überlebt kein Unternehmen.

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