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Verkehr

Lufttaxis als Verkehrsmittel der Zukunft

Angesichts voller Straßen experimentieren verschiedene Unternehmen mit Flugdrohnen und entwickeln Flugtaxis.
Von Mathias von Hofen

In den nächsten zehn Jahren sollen Flugtaxis Realität werden. (Foto: Tatiana Shepeleva - stock.adobe.com)
In den nächsten zehn Jahren sollen Flugtaxis Realität werden. (Foto: Tatiana Shepeleva - stock.adobe.com)

Bruchsal.Drohnen werden als Transportmittel immer interessanter. Im Logistiksektor wird die Drohnentechnik schon kommerziell genutzt. So liefert Amazon mit Drohnen in den USA Pakete aus und die Deutsche Post erforscht entsprechende Einsatzmöglichkeiten für Paketversendungen. Auch im militärischen Bereich kommen Drohnen zum Einsatz, wobei diese Verwendung höchst umstritten ist. In der Landwirtschaft werden Drohnen unter anderem bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Die Drohnentechnik zur Beförderung von Personen steckt im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen. Doch seit einigen Jahren arbeiten verschiedene Unternehmen an der Entwicklung von selbstfliegenden Lufttaxis. Dazu gehören Start-ups wie die deutschen Firmen Volocopter und Lilium, Großunternehmen wie Airbus und Boeing, aber auch der amerikanische Taxischreck Uber. Meist ist es eine Art bemannte Drohnen, die mit Elektroantrieb senkrecht starten können.

Volocopter in Dubai getestet

So hat das chinesische Unternehmen Ehang im vergangenen Jahr eine Taxidrohne erfolgreich getestet. Dabei wurde eine Person mit bis zu 100 km/h befördert. Airbus arbeitet zusammen mit Siemens an der Entwicklung des „City Airbus“, der in den nächsten Wochen auch im Flugbetrieb getestet werden soll. Volocopter hat sein Lufttaxi im September 2017 in Dubai erfolgreich getestet. Der Ort war kein Zufall, denn Dubai möchte bis 2030 einen wesentlichen Teil seines Verkehrs mit autonomem Transport abwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Dubai eine Partnerschaft mit Volocopter vereinbart. Die Lufttaxis bieten gegenüber Helikoptern einige Vorteile. Sie sind leiser und günstiger als herkömmliche Helikopter. Sie sind vergleichsweise sicher, da sie über mindestens vier, meist aber über sechs bis acht Motoren verfügen. So bedeutet der Ausfall eines Motors nicht gleich eine Gefahr für die Passagiere. Die Elektromotoren der Lufttaxis sind emissionsarm und erzeugen kaum Lärm. Ihren Strom beziehen sie aus Akkus, die nach dem Fliegen neu geladen oder ersetzt werden müssen. Die meisten Hersteller rechnen mit Reichweiten zwischen 30 und 50 Kilometern, wobei perspektivisch größere Reichweiten erreicht werden sollen. Probleme für den Betrieb der Lufttaxis ergeben sich auch noch hinsichtlich Zertifizierungen. Diese sind gerade im Bereich der Luftfahrt kompliziert, da hier Sicherheitsaspekten besondere Aufmerksamkeit zukommt. Auch der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur ist noch eine Herausforderung. So müssen geeignete Landeplätze geschaffen werden, beispielsweise an Flughäfen und Bahnhöfen, sowie Lademöglichkeiten für die Batteriesysteme. Sollten Lufttaxis eines Tages in größerem Umfang genutzt werden, dürfte ein anderer Aspekt wichtig werden – das Luftverkehrsmanagement, wie Derrick Xiong, Mitbegründer des chinesischen Unternehmens Ehang, erklärt. „Flugtaxis unterscheiden sich von autonomen Autos, weil der Himmel im Prinzip leer ist. Wir erstellen die Flugpläne zusammen mit den örtlichen Flugbehörden, um Konflikte mit anderen Flugobjekten zu vermeiden, aber auch, um Gebäude, Bäume und Stromleitungen zu umfliegen“, so Xiong.

Verkehrsregeln für den Himmel

Eine der Hauptaufgaben bei der Entwicklung des Verkehrs mit Flugtaxis bleibt aber Expertenangaben zufolge die Regulierung. Die Flugtaxis sollen im niedrigen Luftraum unterwegs sein, also unterhalb der üblichen Flughöhe von Flugzeugen. Luftfahrtbehörden in verschiedenen Ländern entwickeln dafür bereits Regularien. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass die meisten Konzepte autonom fliegende Taxen anstreben und aus Sicherheitsgründen – zumindest zu Beginn des Flugbetriebs – mit einem mitfliegenden Piloten planen. Xiong betont dagegen: „Wir brauchen keinen Piloten. Der Passagier wählt auf dem Display im Flugtaxi einen unserer möglichen Landeplätze als Ziel aus und tippt auf ‚Take-off‘. Die Software berechnet eine Flugroute, die die Drohne dann automatisch abfliegt.“

Trotz aller Probleme mit Zertifizierungen und Luftverkehrsmanagement ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass im Laufe des nächsten Jahrzehnts in Deutschland Lufttaxis fliegen werden. Unsicher ist dagegen, welche Anbieter beim Wettbewerb letztendlich die Nase vorn haben werden und ob Lufttaxis ein interessantes Fortbewegungsmittel für eine größere Anzahl von Menschen sein können – oder nur für eine kleine, finanziell privilegierte Minderheit.

Lesen Sie dazu auch folgendes Interview: Schnell, sicher und lokal emissionsfrei

•Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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