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Finanzen

Madame Moneypenny klärt auf

Ein Drittel der Frauen in Deutschland kümmert sich nicht um die eigenen Finanzen. Weibliche Finanzblogs wollen gegensteuern.
Von Oxana Bytschenko, Wirtschaftszeitung

Wenn es um Geldanlage geht, fehlt es oft an Wissen. Dabei würden viele Frauen gern Geld an der Börse anlegen. Foto: bnenin - stock.adobe.com
Wenn es um Geldanlage geht, fehlt es oft an Wissen. Dabei würden viele Frauen gern Geld an der Börse anlegen. Foto: bnenin - stock.adobe.com

Regensburg.Geldanlage und Vorsorge – wer diese Themen in Gesellschaften anspricht, erntet meist wenig Begeisterung. Zu mühsam ist es, sich damit zu beschäftigen. Deshalb sind die beliebtesten Geldanlagen immer noch Sparbuch, Tagesgeldkonten und Bausparverträge. Allerdings bringen sie kein Geld ein und lassen den Wert eher schmelzen. Vor allem für Frauen hat dies fatale Folgen, oft bedingt durch die jahrelange Teilzeitarbeit: drohende Altersarmut und Abhängigkeit vom Partner.

Ein Drittel der Frauen in Deutschland interessiert sich nicht für Finanzen – doppelt so viele wie vor zwei Jahren, so eine aktuelle Postbank-Studie. Aktien oder Anleihen, die das Geld passiv vermehren würden, sind für drei Viertel der Frauen bisher keine Alternative, sagt die Blackrock Investor Pulse Studie. Sie würden zwar ihr Geld gern anlegen, aber nur 15 Prozent der Frauen besitzen laut der Studie „Anlageverhalten der Deutschen“ von Axa und Yougov tatsächlich Wertpapiere. Auch die Jugend sagt in Umfragen ja zu Aktien, legt ihr Geld aber lieber als Sparbuch an.

Den Grund sieht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in der Risikoaversität, besonders bei den Frauen: 75 Prozent von ihnen seien nicht bereit, finanzielle Risiken einzugehen. Deshalb suchen laut der Axa-Studie nur 15 Prozent der Frauen nach passenden Anlagemöglichkeiten, bei Männern sind es rund 30 Prozent.

Der Grund: Es fehlt an Wissen. Die meisten verstehen das Thema Kapitalanlage nicht oder denken, dass sie nicht genug verdienen, um Geld anzulegen. Um hier – zumindest für die weibliche Hälfte der Bevölkerung – Abhilfe zu schaffen, gibt es Finanzblogs für Frauen: Unter den Namen Fortunalista, MyMoneyMind, Klunkerchen, Madame Moneypenny oder Geldfrau räumen Finanzexpertinnen mit Vorurteilen in Bezug auf Geld auf, klären auf und zeigen konkrete Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit. Die Nutzerin muss sie aber selbst gehen und sich mit dem Thema beschäftigen. Genau das wollen aber die wenigsten Frauen. In einer Umfrage von Union Investment gaben 72 Prozent der Frauen an, dass sie sich einmal mit einem Berater zusammensetzen, alles regeln und sich dann nicht mehr darum kümmern wollen.

Die Finanzblogs für Frauen sind unterschiedlich: Manche erklären komplexe Geldanlagen wie börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF) in drei Schritten oder Vor- und Nachteile des Immobilienkaufs in kurzen Einträgen. Andere bedienen gern die „Frauenthemen“ und drücken etwa die Erträge durch eine clevere Investition in Jimmy-Choo-Schuhen aus.

Auch Geldseminare für Frauen boomen: Bei einem Wochenende in Berlin lernt man eigene Blockaden und Glaubenssätze in Bezug auf Geld kennen, erfährt das Wichtigste aus den Bereichen Börse, Aktien und Immobilien – und gewinnt dadurch Selbstvertrauen in die eigene Finanzkompetenz.

Wer sein Wissen kostenlos vertiefen möchte, kann zum Beispiel der geschlossenen Facebook-Gruppe von Madame Moneypenny beitreten. Dort tauschen sich Frauen über Geldanlagen, Immobilienerwerb oder Altersvorsorge aus. Ältere Frauen erzählen zum Beispiel, wie sie sich nach dem Tod ihres Mannes erstmals selbst um die Finanzen kümmern mussten. Hier gilt das Motto „Dumme Fragen gibt es nicht“, der Ton ist höflich und unterstützend. Ob es um Details beim Erwerb von ETF, Fragen zum Autokauf oder Indexmietverträge geht – jede Frage wird beantwortet. Auch junge Frauen mitten in der Ausbildung holen sich gern Rat von älteren Zeitgenossinnen, um möglichst früh ein Finanzpolster zu schaffen.

Im Winter startet außerdem die erste Online-Investment-Plattform für Frauen in Deutschland: Unter dem Namen „FinMarie“ wollen Finanzberaterin Karolina Decker und die promovierte Volkswirtin Kamila Danilowicz-Gösele Frauen in Sachen Geldanlage und Vorsorge unterstützen. Für sie ist klar: Jede Frau muss sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen. Nicht nur aus Eigeninteresse – sondern auch, um ein Vorbild in puncto clevere Geldanlagen für Freunde, Bekannte und nachfolgende Generationen zu sein.

•Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

Lesen Sie dazu auch das folgende Interview: Mut zum Risiko, aber mit Köpfchen

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