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Mobilität ganz neu gedacht

Sieben deutsche Hochschulen arbeiten an autonom fahrenden Elektroautos. Bringen Sie sich bei der Umfrage mit ein!

Im Zentrum des vernetzten Konzepts steht der Nutzer, der per App Fahrzeuge bestellt, die alle aus demselben Baukasten aufgebaut werden. Ziel ist nicht nur eine neue Fahrzeugart, sondern ein komplett neues Verkehrssystem. Foto: Institut für Kraftfahrzeuge, RWTH Aachen University
Im Zentrum des vernetzten Konzepts steht der Nutzer, der per App Fahrzeuge bestellt, die alle aus demselben Baukasten aufgebaut werden. Ziel ist nicht nur eine neue Fahrzeugart, sondern ein komplett neues Verkehrssystem. Foto: Institut für Kraftfahrzeuge, RWTH Aachen University

Aachen.Als Mitte März in den USA zum ersten Mal ein Mensch bei einem Unfall von einem selbstfahrenden Auto getötet und in der Folge die Debatte neu angeheizt wurde, ob Roboterautos sicher sind, meldeten sich sechs deutsche Professoren zu Wort. Sie hatten das Video des Unfalls analysiert. Die Frage, warum der Wagen bei seiner Testfahrt weder abbremste, noch auswich, obwohl die Sensoren die Fußgängerin erkannt haben müssten, konnten auch sie nicht abschließend klären. Die Professoren, die an renommierten technischen Hochschulen lehren und forschen, betonten aber, sie hofften, „dass dieser bedauernswerte Unfall nicht dazu führt, die Akzeptanz in der Gesellschaft für die Technologie zu vermindern“.

Die Akzeptant muss steigen

Die sechs Professoren treiben das Thema „autonomes Fahren“ seit Jahren in Deutschland voran. Sie wissen, wie wichtig neben der technischen Machbarkeit das Thema Akzeptanz ist. Sie haben sich zu dem Netzwerk Uni-Das zusammengeschlossen, das als übergeordnetes Ziel „die Förderung von Wissenschaft und Forschung im Bereich der Fahrerassistenzsysteme und des automatisierten Fahrens“ nennt. Und sie stehen maßgeblich hinter dem Projekt Unicaragil, das die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen in Form eines modularen, aktualisierbaren Baukastens „ganz neu denken“ will.

Sie möchten bei der Leserbefragung mitmachen? Dann bitte hier klicken!

Unicaragil ist auf vier Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. 23,3 Millionen Euro stehen für die Konzeption der modularen Hard- und Softwarearchitektur sowie die Realisierung von vier konkreten Fahrzeugausprägungen zur Verfügung, 94 Prozent davon kommen vom Ministerium.

Erwartungen potenzieller Nutzer ermitteln

Professor Lutz Eckstein (ika, Projektkoordinator) und Timo Woopen (ika, Projektleiter) in einem Fahrsimulator. Foto: Harald Krömer
Professor Lutz Eckstein (ika, Projektkoordinator) und Timo Woopen (ika, Projektleiter) in einem Fahrsimulator. Foto: Harald Krömer

Um den gesellschaftlichen Nutzen zu maximieren, sollen die Einstellung und Erwartungen potenzieller Nutzer zu autonomen Fahrzeugen ermittelt werden. Die Ergebnisse der Befragung sollen in das Projekt einfließen. Dabei kommen auch die Leserinnen und Leser der Mittelbayerischen ins Spiel. Sie können über einen Fragebogen ihre Erwartungen, Hoffnungen und auch Befürchtungen artikulieren – und so auf die weitere Entwicklung eines der spannendsten Zukunftsthemen Einfluss nehmen.

Den Kern des Projekts bilden die sechs Professoren vom Netzwerk Uni-Das mit ihren Instituten und Teams: Lutz Eckstein vom Institut für Kraftfahrzeuge (IKA) der RWTH Aachen, der auch als Gesamtkoordinator des Konsortiums fungiert (Projektleiter Timo Woopen arbeitet ebenfalls am IKA), Markus Maurer vom Institut für Regelungstechnik am Lehrstuhl für elektronische Fahrzeugsysteme der TU Braunschweig, der Leiter des Fachgebiets Fahrzeugtechnik Hermann Winner an der TU Darmstadt, Christoph Stiller vom Institut für Mess- und Regelungstechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Klaus Dietmayer vom Institut für Mess-, Regelungs- und Mikrotechnik der Universität Ulm sowie Klaus Bengler vom Lehrstuhl für Ergonomie der TU München. Hinzu kommen acht weitere Institute und Lehrstühle dieser Hochschulen sowie von der Universität Stuttgart. Teil des Konsortiums sind auch sechs Unternehmen: die Atlatec GmbH aus Karlsruhe, die Flyxdrive GmbH aus Aachen, die Imar Navigation GmbH aus St. Ingbert, die IPG Automotive GmbH aus Karlsruhe, die Schaeffler Technologies AG & Co. KG aus Schweinfurt sowie die Vires Simulationstechnologie GmbH aus Bad Aibling.

Sicherheitsbedenken werden aufgenommen

Ziel von Unicaragil ist die Entwicklung eines modularen Baukastens, mit dem vielfältige elektrisch angetriebene, autonom fahrende Vehikel gebaut werden können, für den Transport von Personen oder in der Logistik. Dieser neue Ansatz mündet in das Konzept eines Fahrzeugs, das ohne Lenkrad, Brems- oder Gaspedal auskommen und vollständig fahrerlos, aber aus der Ferne begleitet durch Lotsen in einer Leitwarte funktionieren soll. Unicaragil will nicht nur das Fahrzeug der Zukunft, sondern auch den Verkehr der Zukunft neu denken. Es geht darum, ein System zu entwerfen und zu installieren, das Informationen sammelt und auswertet.

Continental testet autonomes Autofahren auf Autobahnen.

Auch Sicherheitsbedenken werden aufgenommen. Sollte die automatische Fahrzeugführung ausfallen, muss ein Notfallmodus aktiviert werden, der dafür sorgt, dass das Fahrzeug kontrolliert ausweicht und zum Stehen kommt. In Situationen, in denen das System keinen Ausweg findet – etwa, wenn ein anderes Auto auf der Straße in zweiter Reihe parkt und eine durchgezogene Linie überfahren werden müsste – muss ein Fahrlotse in einem Leitstand entscheiden, was zu tun ist. Sicherheit bedeutet aber auch Schutz der persönlichen Daten und Schutz des ganzen Systems gegen Cyberattacken, weshalb auch Security-Experten Teil des Konsortiums sind.

Vier Prototypen sollen entstehen

Am Ende der Projektlaufzeit sollen vier Prototypen autonom fahren können: ein Taxi, das per Smartphone gerufen wird, von A nach B fährt und auf Wunsch des Fahrgastes auch spontan anhält. Es wird von den beteiligten Instituten der TU München betreut. Ein Lieferfahrzeug, das in Karlsruhe in Kooperation mit der Uni Ulm entsteht und als mobile Packstation Pakete eigenständig aufnehmen und abgeben kann. Der Empfänger muss dafür nicht anwesend sein. Ein „Butler“ für die ganze Familie, der in Braunschweig in Kooperation mit der TU Darmstadt gebaut wird. Er kann die Einkäufe abholen oder die Kinder zur Musikschule bringen, alles koordiniert per App. Und schließlich ein Shuttle, das von den beteiligten Instituten in Aachen verantwortet wird. Darin können die Fahrgäste wie in einem Zug mitfahren, bei Bedarf mit Gepäck und Gütern.

Die Produktion von Autos ist allerdings nicht Sinn und Zweck von Unicaragil. Das Forschungsprojekt soll „nur“ beweisen, dass und wie das Konzept funktioniert. Getestet werden soll auf ausgewiesenen Strecken vor Ort, wozu auch Teilnehmer der Leserumfrage ausgelost und eingeladen werden. Ob ein Autohersteller oder andere Unternehmen den Baukasten oder die Modelle dann nutzt, muss sich zeigen.

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