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Umwelt

Mühsamer Kampf gegen Verpackungen

Verbraucher ärgern sich über das viele Plastik. Der Handel bemüht sich, doch Verbraucherschützer fordern mehr Anstrengungen.
Von Erich Reimann

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) informiert sich in einem Supermarkt zu fairem Einkauf und fragt, warum Bio-Gurken in Plastikfolie eingepackt sein müssen.  Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) informiert sich in einem Supermarkt zu fairem Einkauf und fragt, warum Bio-Gurken in Plastikfolie eingepackt sein müssen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Düsseldorf.Aldi ist stolz: Rund 15 000 Tonnen Verpackungsmaterial hat der Discounter nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bei seinen Eigenmarken im Interesse des Umweltschutzes eingespart – Plastik, aber auch Metall, Papier und Glas.

Der Billiganbieter ist nicht allein mit seinen Bemühungen. Die Handelskette Rewe und ihr Discounter Penny sparen durch Verpackungsveränderungen nach eigenen Angaben mittlerweile pro Jahr 8200 Tonnen Kunststoff ein. Und auch Edeka und Lidl trimmen die Verpackungen ihrer Eigenmarken sowie ihre Obst und Gemüseangebote auf mehr Nachhaltigkeit.

Verbraucher werden ungeduldig

Die Handelsketten haben guten Grund, sich beim Thema Umweltschutz Mühe zu geben. Bei einer im März durchgeführten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 72 Prozent der befragten Verbraucher, dass sie bevorzugt Produkte kaufen, die wenig Verpackungsmüll verursachen. Nicht einmal ein Drittel der Konsumenten war der Meinung, dass es bereits ausreichend umweltfreundliche Verpackungen gibt.

Dabei hat sich in den Lebensmittelläden in Deutschland in den vergangenen Jahren schon einiges verändert. Schlangengurken etwa werden praktisch nur noch ohne die früher obligatorische Hülle aus Schrumpffolie verkauft. In den Obst- und Gemüseabteilungen sind neben den unvermeidlichen dünnen Plastikbeuteln immer öfter wiederverwendbare Kunststoffnetze im Angebot, die allerdings bezahlt werden müssen. Und einige Händler – wie die Supermarktkette Real – haben auch schon damit begonnen, an den Frischetheken auf Wunsch Wurst und Fleischwaren in von den Kunden mitgebrachte Behältnisse zu geben.

Auch hinter den Kulissen wird an vielen Stellen geschraubt. So reduzierte Lidl bei Wiener Würstchen durch eine dünnere Unterfolie den Plastikeinsatz bei der Verpackung um 16,3 Prozent. Das spart im Jahr rund 78 Tonnen Kunststoff. Ein höher konzentriertes Flüssigwaschmittel erlaubt kleinere Flaschengrößen und verringert den Kunststoffverbrauch noch einmal um 116 Tonnen.

Probleme bei Obst und Gemüse

Rewe und Penny sparen allein dadurch, dass Bananen unverpackt verkauft werden, rund 205 Tonnen Plastik. Der Verzicht auf Plastikhüllen bei Salatgurken bringt noch einmal 160 Tonnen Reduktion. Edeka hat unter anderem bei Rispentomaten 5,4 Millionen Plastikschalen pro Jahr durch Pappkartonschalen ersetzt. Außerdem nutzen Edeka und Rewe bei etlichen Obst- und Gemüsesorten mittlerweile eine Laser-Gravur.

Doch auch wenn einiges in Bewegung gekommen ist, sind Verbraucherschützer längst nicht zufrieden. Ein großes Ärgernis ist für sie etwa, dass Obst und Gemüse häufig in Plastikverpackungen angeboten werden. „Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden. Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern“, findet der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Klaus Müller. Vor allem Discounter müssten hier noch ihre Hausaufgaben machen.

Eine nicht-repräsentative Stichprobe der Verbraucherzentralen bei den großen Handelsketten ergab im Frühjahr, dass Obst und Gemüse noch immer zu fast zwei Dritteln in Plastikverpackungen verkauft werden. Vor allem bei den Discountern war die Plastikquote überdurchschnittlich hoch. Am besten schnitt unter den überprüften Händlern noch Edeka ab. Hier war immerhin gut die Hälfte des Obst- und Gemüseangebots unverpackt. Was die Verbraucherschützer besonders ärgerte: Wer umweltbewusst einkaufen wollte und zu unverpacktem Obst und Gemüse griff, musste für die losen Produkte häufig sogar mehr zahlen als für die aufwendig verpackte Ware.

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Mängel bei Recycling

  • Beteiligung:

    Die Wiederverwertung von Verpackungen in Deutschland lässt aus Sicht der zuständigen Kontrollbehörde weiterhin zu wünschen übrig. „Die Systembeteiligung ist noch unbefriedigend“, sagte die Chefin der Zentralen Stelle Verpackungsregister, Gunda Rachut. Rachut hatte ihre Arbeit vor neun Monaten aufgenommen, mit dem Verpackungsgesetz wurde am 1. Januar ihre Behörde eingerichtet.

  • Erwartungen:

    Zwar gebe es einen Mengenanstieg bei wiederverwertetem Papier, Pappe und Karton, bei Leichtverpackungen und bei Glas. „Wir hatten aber mit etwas mehr gerechnet, insbesondere bei den Leichtverpackungen“, sagte Rachut. Demnach ist die lizenzierte Menge Leichtverpackungen um fünf Prozent gestiegen, das sei nur rund halb so viel wie erwartet. Rachut hofft nun auf Nachmeldungen im Schlussquartal, zumal den Behörden die meisten Sünder bekannt seien.

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