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Omas Knödel schmecken noch

Die Firma Burgis aus Neumarkt besinnt sich auf ihren Markenkern: den Knödel. Dafür investieren die Geschäftsführer kräftig.
Von Julia Weidner

Teresia Raab, auch Raab Resl genannt, die Urgroßmutter von Christina Dietmayr und Timo Burger, hat 1963 die Idee, „halb fertigen“ Kloßteig herzustellen. Foto: Burgis GmbH
Teresia Raab, auch Raab Resl genannt, die Urgroßmutter von Christina Dietmayr und Timo Burger, hat 1963 die Idee, „halb fertigen“ Kloßteig herzustellen. Foto: Burgis GmbH

Neumarkt.Bratendurft zieht in die Nase, der Tisch ist gedeckt, die Familie hat sich um ihn versammelt. Was darf dann am Sonntagmittag in Ostbayern nicht fehlen? Klar: die Knödel. Für die Familie Burger gilt das aber nicht nur am siebten Tag der Woche. „Wenn sich die Oma ein neues Rezept überlegt hat, war die Versuchsküche bei uns zu Hause. Dann gab es jeden Tag Knödel“, erzählen Christina Dietmayr und Timo Burger. 2010 übertrugen ihre Väter den beiden die Verantwortung für das Familienunternehmen und machten sie zu den Geschäftsführern der Burgis GmbH.

Ihr Leuchtturmprojekt wurde gerade fertiggestellt: die neue Produktionshalle im Kartoffelweg 1. 35 Millionen Euro investierte Burgis in die Halle. „Das war für uns der nächste logische Schritt“, sagen die beiden Geschäftsführer. 15 Jahre lang hatten Pläne für einen „Neubau auf der grünen Wiese“ in der Schublade gelegen – im März 2017 erfolgte der Spatenstich für das neue Büro- und Produktionsgebäude am Kartoffelweg. Mitte Juli ist die Produktion in die neue Halle umgezogen. Die Lebensmittelstandards werden stetig höher, und mit modernen Produktionslinien soll der Energieverbrauch gesenkt werden, begründet Timo Burger den Neubau.

Knödel aus der Ernte von 2018

Das war das Grundgerüst für die neue Produktionshalle am Kartoffelweg 1. Foto: Design Mitsch
Das war das Grundgerüst für die neue Produktionshalle am Kartoffelweg 1. Foto: Design Mitsch

In der neuen Produktionshalle werden die Kartoffeln automatisiert geschält, gekocht und abgekühlt. Dann kommt die geheime Rezeptur zur Anwendung und fertig ist der Kloßteig. Bis Mitte Juli wurde noch mit der Ernte aus dem vergangenen Jahr produziert, jetzt wird schon die Frühernte von 2018 verarbeitet. Gelagert werden die Kartoffeln in zwei Hallen in Mühlhausen. Dort werden sie gesichtet, gewaschen und bis zu einem Jahr lang eingelagert.

Doch der neue Standort ist nicht die einzige Veränderung im Unternehmen. Christina Dietmayr und Timo Burger haben das Sortiment gnadenlos entrümpelt. Zuerst warfen sie die Spätzle aus ihrem Angebot, im Jahr 2016 folgten die Bratkartoffeln. Alles mit einem Ziel: die Knödel als Markenkern. „Wir wollen der bedeutendste Knödelhersteller in Deutschland sein. Da hätte unsere geliebte Bratkartoffel unsere Marke nur verwässert“, erklärt Timo Burger.

„Mit guten Kartoffeln lässt sich besser kochen.“

Timo Burger, Geschäftsführer

Jetzt steht Burgis nur noch für Knödelliebe. Eine 27 000 Tonnen schwere Liebe – diese Menge an Kartoffeln wird jährlich verarbeitet. Und genauso viel Teig kommt am Ende auch raus. Die Kartoffeln dafür kommen aus der Region: 74 Landwirte und zwei Erzeugergemeinschaften beliefern Burgis mit ihrer Ernte – in einem Radius von 70 Kilometern von Neumarkt aus. „Wir setzen auf Regionalität und Qualität“, so Burger. Mit vielen Partnern arbeitet das Unternehmen schon über 30 Jahre zusammen. „Mit guten Kartoffeln lässt sich besser kochen.“ Das galt schon, als die Oma den Kochlöffel schwang.

Ursprung des Unternehmens liegt im Landkreis Schwandorf

Der Grundstein für das aktuelle Sortiment wurd schon vor 50 Jahren gelegt. Foto: Burgis GmbH
Der Grundstein für das aktuelle Sortiment wurd schon vor 50 Jahren gelegt. Foto: Burgis GmbH

Sie war aber nicht die erste der Familie, die der Liebe zum traditionellen Sonntagsschmaus verfiel. Die Historie des Unternehmens reicht weit zurück. Im Jahr 1929 übernimmt der Ururgroßvater der jetzigen Geschäftsführer, Wolfgang Weiß, die Ehmann & Söffing KG aus Cham. In Nabburg wurden damals Waldfrüchte, Gurken, Sellerie und Spargel in Konserven abgefüllt. 1957 zieht die Firma nach Berching um. 1963 hat die Urgroßmutter von Timo Burger und Christina Dietmayr erstmals die Idee, einen Kloßteig aus gleichen Teilen roher und gekochter Masse herzustellen. Der erste Knödelteig ist geboren.

Dem bayerischen Kulturgut ist auch jetzt noch alles im Unternehmen verschrieben. Doch das Unternehmen will auch seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Zum einen verbraucht die neue Produktionshalle nach aktuellen Standards weniger Energie. Zum anderen zeigt Burgis auch Eigeninitiative: Das Unternehmen verpflichtet seit diesem Sommer alle ihre Landwirte, neben ihren Kartoffelfeldern einen Grünstreifen mit einer bestimmten Blühmischung anzulegen. Damit will Burgis Lebensraum für Insekten und vor allem Bienen schaffen. Denn die Geschäftsführer des Unternehmens wissen, dass ihr Geschäft auch von der Umwelt und dem Klima abhängt.

Christina Dietmayr und Timo Burger Foto: Design Mitsch
Christina Dietmayr und Timo Burger Foto: Design Mitsch

Schon in diesem Jahr spürt Burgis die immer wärmer werdenden Temperaturen deutlich. „Es gibt immer mehr schlechte Kartoffeljahre“, sagt Christina Dietmayr. Heuer haben viele Landwirte wegen der lang andauernden Trockenheit weniger Kartoffeln gepflanzt. Deswegen wird die Ernte in diesem Jahr wieder schlechter ausfallen als im Vorjahr. „Dadurch fehlen uns die Rohstoffe“, sagt die Geschäftsführerin. Durch Lieferungen von anderen Bauern aus der Region kann das Unternehmen die ausgefallenen Erträge zwar in diesem Jahr ausgleichen. Doch auch diese Pflanzen müssen den Standards von Burgis genügen.

Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind. In unserer Serie stellen wir sie vor.

Seit 92 Jahren in Familienhand

Schon im Jahr 1971 wird zum ersten Mal „Burgis roher Kloßteig – tiefgekühlt“ fabriziert. Foto: Burgis GmbH
Schon im Jahr 1971 wird zum ersten Mal „Burgis roher Kloßteig – tiefgekühlt“ fabriziert. Foto: Burgis GmbH

Die Standards will die Geschäftsführung trotz Widrigkeiten nicht senken. „Wir fühlen auch eine Verantwortung gegenüber unseren Großeltern“, erklärt Timo Burger. Das Unternehmen ist nun schon seit 92 Jahren im Familienbesitz, dadurch sehen sich Cousine und Cousin auch in der Pflicht gegenüber den Firmengründern. Das sei aber weniger eine Last, als ein Vorteil. „Wir haben viele langjährige Mitarbeiter und kurze Wege“, schwärmt Burger.

Bei ihren Produkten will die Geschäftsführung gleichermaßen auf Altbewährtes wie Neuheiten setzen: Der rohe Kartoffelteig bleibt als Oberpfälzer Klassiker genauso im Sortiment wie etwa Bio-Knödel aufgenommen werden. Diese sind genfrei, womit Timo Burger bei jungen Leuten punkten will: „Die Verbraucher wollen immer mehr über ihre Lebensmittel wissen.“

Wie bei der Oma gilt aber auch jetzt: Verkauft wird nur, was auch zum Sonntagsbraten auf den eigenen Teller kommt.

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