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Technik

Osram erleuchtet den Petersdom

Nach der Sixtinischen Kapelle illuminiert der Lichtspezialist die größte Kirche der Welt. So erstrahlt der Dom viel heller.
Von Bernhard Fleischmann

Vorher dunkel, jetzt hell – der Effekt der neuen Beleuchtung ist überdeutlich zu sehen. Foto: Osram
Vorher dunkel, jetzt hell – der Effekt der neuen Beleuchtung ist überdeutlich zu sehen. Foto: Osram

Regensburg.Osram erleuchtet den Vatikan. Nach der Sixtinischen Kapelle und dem Petersplatz sind die Lichtspezialisten aus München und Regensburg nun dabei, die größte Kirche der Welt auszuleuchten – den Petersdom. Rom vertraut damit voll auf Osram und erhebt das Unternehmen sozusagen zu den Illuminati der Beleuchtung.

Volle Zufriedenheit mit Tests

Die Planungen der neuen Beleuchtung mit LED (Leuchtdioden) befinde sich in den letzten Zügen, teilte die Osram Licht AG (München) gestern mit. In vielen Bereichen der Basilika sei das LED-Licht schon in vielen Bereichen getestet worden, „zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten“. Die Kuppeln erstrahlten nun zehnmal heller als bisher. Störende Schlagschatten bei den umlaufenden Schriftzügen an den Simsen des Doms würden mit der indirekten Beleuchtung verschwinden.

Es ist ein Projekt mit sehr hohem Prestigewert, wie eine in der Mitteilung zitierte Aussage von Vorstandschef Olaf Berlien verdeutlicht: „Im Petersdom können wir unsere Lichtexpertise einmal mehr unter Beweis stellen.“ Berlien verspricht, dass damit der Bau in „nie gekanntem Glanz erstrahlen“ werde. Die pekuniäre Seite bleibt zumindest vorerst geheim. Osram gibt keine Auskunft, ob und wie viel der Vatikan bezahlt.

Osram-Vorstandschef Olaf Berlien traf Papst Franziskus. Foto: Osram
Osram-Vorstandschef Olaf Berlien traf Papst Franziskus. Foto: Osram

Leuchtdioden aus Regensburg

Der Osram-Standort Regensburg liefert mehr als 100 000 Leuchtdioden – neue Varianten mit sehr stabilen Farben. Die LED werden in Wipperfürth bei Köln zu 700 Maßleuchten konfiguriert. LED-Bänder kommen zudem aus Treviso, eine weitere italienische Tochter liefert LED-Leuchten, welche die Statuen im Dom direkt anstrahlen.

Die ersten Tests überzeugten offenbar die Verantwortlichen im Vatikan. Der Direktor Technische Leitung der Vatikanstadt, Monsignore Rafael De La Serrana Villalobos, lässt verlauten, man könne in den Kuppeln Details der Kunstwerke nun deutlich erkennen, die man vorher nur erahnen konnte. Angenehmer Nebeneffekt: Die Leuchten sparen rund 85 Prozent Energie.

Das Licht wird laut Osram nicht nur heller, sondern auch wesentlich variabler. So sei für Fernsehübertragungen aus dem Petersdom eine sehr lichtstarke Ausleuchtung des Altarraums vorgesehen.

Die Ausmaße des Petersdoms sind gewaltig. Die Kirche ist 190 Meter lang. Bis zu 20 000 Menschen finden Platz. Die drei Kirchenschiffe sind je 58 Meter breit. Das zentrale Kirchenschiff ist am höchsten Punkt des Gewölbes knapp 46 Meter hoch. Die Kuppel erreicht etwa 136 Meter Höhe. Darin lag die „Riesenherausforderung“, sagt Andreas Steinert, Geschäftsführer der Osram Lighting Services GmbH in Wipperfürth. Das Licht wird auf einer Höhe von 33 Metern installiert, erklärte er auf Anfrage. Dort gibt es einen kleinen, von unten kaum sichtbaren begehbaren Gang. Hier strahlt das Licht sowohl nach oben als auch nach unten ab, direkt und indirekt.

Schriften, die vorher im Halbschatten lagen, sind jetzt flächig komplett beleuchtet. Foto: Osram
Schriften, die vorher im Halbschatten lagen, sind jetzt flächig komplett beleuchtet. Foto: Osram

Viele Spezialisten gefragt

Der Abstimmungsbedarf bei diesem Mammutprojekt ist enorm. Definiert werden mussten unter anderem Helligkeit und Lichtfarbe, so Steinert. Um ein solches Lichtkonzept zu schaffen, müssen mehrere Spezialisten zusammenarbeiten, erklärt der unbeteiligte Professor Andreas Emminger, Dekan der Fakultät Architektur an der OTH Regensburg. Architekten, Lichtdesigner, Ingenieure, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger sind gefragt, zum Teil mit auseinanderstrebenden Interessen.

Bei der Lampentechnik hat Emminger keinen Zweifel, dass die LED das einzig Wahre ist. Sie erzeuge „wunderbares Licht“. Laut Osram-Lichtspezialist Steinert konnten die Sorgen der Konservatoren um die Kunstwerke schnell zerstreut werden. LED leuchten ohne UV-Licht und strahlen keine Wärme ab.

Das Projekt wird sich das ganze Jahr über hinziehen. Vor Weihnachten soll es abgeschlossen sein. Dann soll Papst Franziskus in einer Zeremonie den „Es werde Licht“-Schalter betätigen.

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