MyMz
Anzeige

Konjunktur

Osram: IG Metall meldet sich zu Wort

Das neue Übernahme-Angebot des österreichische Halbleiterkonzerns AMS wird in Regensburg mit Sorge beobachtet.

Das Übernahmeangebot sorgte für Wirbel. Foto: Matthias Balk/dpa
Das Übernahmeangebot sorgte für Wirbel. Foto: Matthias Balk/dpa

Regensburg.Im Übernahmepoker um den Lampenhersteller Osram hat sich am Mittwoch auch die IG Metall geäußert. In einer Pressemitteilung teilte Stephan Deichsel, der Leiter der IG Metall-Vertrauensleute bei Osram OS in Regensburg, mit, dass das Thema die IG Metall Regensburg besonders beschäftigt, weil der Standort in Burgweinting eine besondere Rolle in dem Gesamtpaket spiele.

Wirtschaft

Ein banger Blick in die Zukunft

Die Aussichten der Auto-Zulieferer verdüstern sich. Leidtragende sind Osram-Mitarbeiter in Regensburg. Zwölf schlagen Alarm.

Zum Hintergrund: Nach seinem Übernahmeangebot für Osram verhandelt der österreichische Halbleiterkonzern AMS mit dem Lampenhersteller jetzt über ein Rahmenabkommen für einen Zusammenschluss. Die Gespräche über das strategische Konzept, Standorte und andere Eckpunkte fänden auf verschiedenen Ebenen statt, hieß es am Dienstag aus Unternehmenskreisen. Diese Woche, spätestens nächste Woche sei mit der Vereinbarung zu rechnen. AMS braucht diese, um sein Übernahmeangebot bei der Finanzaufsicht Bafin anzumelden, und sieht sich unter Zeitdruck. Denn für Osram liegt bereits ein Übernahmeangebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle vor, die Annahmefrist für die Aktionäre endet am 5. September. Weil AMS sein Gegenangebot noch innerhalb dieser Frist starten will und die Bafin 15 Werktage lang prüfen kann, will AMS sein Angebot der Bonner Behörde möglichst bis Donnerstag vorlegen.

Anleger begrüßen Angebot von AMS

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) begrüßte das Angebot von AMS – mit der Einschränkung, dass 38,50 EUR je Aktie noch „keine angemessene Gegenleistung für die hervorragenden Perspektiven darstellen, die Osram langfristig gesehen haben dürfte“. SdK-Chef Daniel Bauer regte an, dass AMS den Osram-Aktionären neben Geld auch AMS-Aktien anbietet. So könnten sie vom Wachstum des neuen Konzerns profitieren. Die US-Investoren bieten 35 Euro je Aktie. NordLB-Analyst Wolfgang Donie hält ein Nachbessern für möglich und riet Anlegern am Dienstag, erst einmal abzuwarten.

Industrie

Lichtkonzern Osram schreibt Verluste

Schwache Automärkte und Umbaukosten belasten das Unternehmen weiter. Aktionären wird das Übernahmeangebot empfohlen.

Der Leiter der IG Metall-Vertrauensleute bei Osram OS in Regensburg, teilte am Mittwoch mit: „Ein Dämpfer für Bain Capital und Carlyle, ein deutlich nachgebessertes Angebot von AMS – unsere Kolleginnen und Kollegen verfolgen dieses Finanzmarkt-Schauspiel voll Sorge. Und sie wägen ab: Werden es die amerikanischen Investoren mit der Gefahr, dass sie sich als Heuschrecke entpuppen? Oder doch lieber die Halbleiterhersteller aus Österreich, die Teile von Osram stärken, den Rest aber kompromisslos abstoßen?

Bei der IG Metall bleiben Fragen offen

Auf den ersten Blick wirke laut Stephan Deichsel der österreichische Halbleiterkonzern AMS nach einer guten Lösung. „Schließlich bekennen sie sich zum Fertigungsstandort Deutschland und haben angekündigt, Osram OS in Regensburg deutlich zu stärken“, sagte Deichsel, fügte jedoch an: „Doch wird das dann auf Kosten der Beschäftigten an anderen Standorten, in anderen Bereichen gehen? Regenburg fokussieren, alle anderen dafür abspalten und verkaufen? Ist die Finanzierung einer Übernahme gesichert? AMS ist deutlich kleiner als Osram, geraten beide Unternehmen nach einer Übernahme in eine Schieflage?“ Als Beispiel nannte Deichsel die gescheiterte Übernahme von Continental durch Schäffler.

Osram am Standort Regensburg

  • Stellenabbau:

    Im Januar hat das Unternehmen verkündet, dass am Standort Regensbug 300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollen. Dank großzügiger Abfindungsangebote habe es genügend Freiwillige gegeben, wie das Unternehmen Ende Mai mitteilte. Rund 300 Mitarbeiter haben demnach in Regensburg das Abfindungsangebot angenommen. Bald sind nur noch 2500 Beschäftigte an Bord. Bis Ende September soll der Stellenabbau komplett vollzogen sein.

  • Produktion:

    Osram Opto Semiconductors entwickelt und fertigt Lichtlösungen: etwa Leuchtdioden, Infrarotdioden, Halbleiterlaser und Detektoren. Die in Regensburg ansässige Osram-Geschäftseinheit leidet vor allem unter der schwachen Nachfrage der Automobilhersteller und deren Zulieferer. Hinzu kommen die Einbrüche der Umsätze bei den Smartphone-Herstellern (insbesondere Apple und Samsung) sowie die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

Für die IG Metall-Vertrauensleute in Regensburg sei klar, dass sie solidarisch zu allen Osram-Mitarbeitern an allen Standorten stünden. „Wir bevorzugen nicht das erstbeste Angebot, sondern das Angebot derjenigen, die kluge, zukunftsfähige Konzepte für alle Osram-Beschäftigten an allen Standorten bieten.“

Deichsel führte an, was seiner Meinung nach für die Osram-Mitarbeiter spreche: Beste Qualität, zukunftsweisende Innovationen, hohe Produktivität sowie gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter.“ Die IG-Metall-Vertreter fordern laut Pressemitteilung „von etwaigen Investoren Sicherheit und Zukunft durch verbindliche Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung, Tarifbindung und die Übernahme aller Beschäftigter auf Basis der bisher geltenden betrieblichen Regelungen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, werden wir eine etwaige Übernahme unterstützen.“

Noch besteht ein Stillhalteabkommen

Osram bestätigte am Mittwoch lediglich, dass die Gespräche über das Angebot des österreichischen Halbleiterkonzerns laufen. Ziel sei, eine Vereinbarung über eine Zusammenführung der Geschäfte zu treffen, so ein Sprecher. Wichtig bei der Beurteilung des Angebots sei für den Osram-Vorstand neben Angebotspreis und Finanzierungskonzept ein stabiles Umfeld für die weitere Transformation zu einem halbleiterbasierten Hightech-Photonik-Unternehmen, hieß es dazu bereits in einer Mitteilung vom Montag. Darüber hinaus lege der Vorstand großen Wert auf „angemessene Schutzzusagen für alle wesentlichen Stakeholder, insbesondere die Mitarbeiter des Unternehmens“. Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen sei Voraussetzung für die Aufhebung des bislang bestehenden Stillhalteabkommens zwischen Osram und AMS, heißt es in der Mitteilung weiter.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Weitere Wirtschaftsnachrichten finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht