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Finanzen

Pfadfinder im Dschungel der Stromtarife

Die „Wechselfabrik“, ein Start-up von drei jungen Mainburger Studenten, verspricht Kostenersparnisse von bis zu 40 Prozent.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

Kunden der „Wechselfabrik“ erhalten drei unverbindliche individuelle Tarifoptimierungsvorschläge. Foto: dpa
Kunden der „Wechselfabrik“ erhalten drei unverbindliche individuelle Tarifoptimierungsvorschläge. Foto: dpa

Regensburg. Am Anfang war die Motivation. Christoph Hermann (27), Sebastian Gründig (23) und Eric Vogelreuter (22), alle drei Studenten in Regensburg, Eichstätt und Landshut, wollten frühzeitig etwas auf die Beine stellen, sich selbstständig machen, neben der Uni Geld verdienen. Ein Brainstorming führte die drei Freunde schnell zum Ziel, nachdem Christoph Hermann zu Hause eher zufällig die Stromrechnung seiner Eltern in die Hände gefallen war. Denn die erschien ihm viel zu hoch. Seitdem vergleicht das Trio in seiner „Wechselfabrik“ in Mainburg (Landkreis Kelheim) hochprofessionell die Tarife aller Stromanbieter und verspricht seinen Kunden eine Ersparnis von bis zu 40 Prozent.

„Natürlich gibt es im Internet Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox.“

Christoph Hermann

Die Vorgehensweise ist dabei so einfach wie seriös: Hermann, Gründig und Vogelreuter haben sich eingelesen, kennen sich aus im Dickicht des Hochspannungsjargons, wissen welche Anbieter zuverlässig sind, wer wechselwilligen Kunden welche Boni bezahlt und ob der scheinbar niedrigste Tarif auch immer der günstigste ist. „Natürlich gibt es im Internet Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox“, sagt Christoph Hermann im Interview mit unserem Medienhaus. „Aber die haben Vertragslaufzeiten und Fristen nicht im Blick und nehmen den Usern den Papierkram nicht ab – im Gegensatz zu uns.“

Provision bleibt beim Kunden

Bei der „Wechselfabrik“ bekommt man ein All-inclusive-Paket: Nach der Anmeldung auf der Website www.wechselfabrik.de und der Übermittlung der Daten der letzten Stromrechnung erhalten Kunden drei unverbindliche individuelle Tarifoptimierungsvorschläge. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Höhe der Wechselprovision, der Gesamtersparnis und des monatlichen Grundpreises. Hat man sich entschieden, übernimmt die „Wechselfabrik“ die Abwicklung wie die Kündigung des alten Vertrags und den Wechsel zum neuen Tarif. Und sobald der Vertrag ausläuft oder sich Möglichkeiten zur Tarifoptimierung ergeben, werden die Kunden informiert und erneut Wechseloptionen angeboten.

Christoph Hermann rät zum Anbieter-Wechsel.
Christoph Hermann rät zum Anbieter-Wechsel.

„Dafür berechnen wir 30 Prozent der Gesamtersparnis“, erklärt Hermann. „Die Wechselprovision des jeweiligen Energiekonzerns geht – anders als bei fast allen Konkurrenzunternehmen – in vollem Umfang an den Kunden. Das machen wir, um zu demonstrieren, dass wir unabhängig arbeiten und nicht jenen Tarif empfehlen, bei dem wir die höchste Provision bekommen. Wir verdienen also dann am meisten, wenn der Kunde am meisten spart.“ Die durchschnittliche Ersparnis pro Haushalt beziffert Hermann auf 250 bis 280 Euro pro Jahr. Damit ergebe sich nach seinen Worten eine klassische Win-win-Situation – sowohl seine „Wechselfabrik“ profitiere als auch der Kunde, letzterer sogar im besonderem Maße.

„Die entscheidende Rolle im Wechselspiel zwischen Stromkonzernen und Kunden spielt der jährliche Wechsel mit der damit jeweils verbundenen Neukundenprovision.“

Christoph Hermann

„Die entscheidende Rolle im Wechselspiel zwischen Stromkonzernen und Kunden spielt der jährliche Wechsel mit der damit jeweils verbundenen Neukundenprovision“, so Hermann. Nur wenn man den Stromanbieter jedes Jahr wechsle, sei die Ersparnis auf Dauer garantiert, andernfalls werde sie über die Stromkosten früher oder später wieder aufgefressen. Die Tarife müssten also regelmäßig überprüft und alle Optimierungsmöglichkeiten genutzt werden. Auch dies übernehme die „Wechselfabrik“, die zudem mögliche Preiserhöhungen während der Vertragslaufzeiten und damit verbundene Sonderkündigungsrechte im Blick behalte. „Wir beschäftigen uns jeden Tag mit den Energiekonzernen und ihren Produkten, können Veränderungen daher bestens einschätzen und aufgrund unseres Fachwissens zuverlässige Empfehlungen aussprechen“, so Hermann.

Die „Wechselfabrik“

  • Das Start-up

    sitzt in Mainburg (Landkreis Kelheim), dem Herzen der Hallertau.

  • Gegründet

    wurde das Unternehmen im April 2017 von Christoph Hermann, Sebastian Gründig und Eric Vogelreuter.

  • Die drei Freunde

    kennen sich schon lange und teilen gemeinsame Interessen wie Indexfonds und Gründerszene.

  • Die Idee

    , auf der die „Wechselfabrik“ basiert, entstand durch Hermanns ersten eigenen Stromtarifwechsel.

Den Telefon-Markt im Visier

Inzwischen hat sich die „Wechselfabrik“ zusätzlich ins Gas-Geschäft eingearbeitet und findet auch dort die besten Tarife. Dort seien die möglichen Einsparungen noch höher – Hermann spricht von 300 bis 400 Euro pro Jahr. Und schon bald will das Trio auch DSL- und Mobilfunk-Verträge analysieren, die nach dem gleichen Muster gestrickt seien. Hermann ärgert sich beispielsweise darüber, dass man bei einem Mobilfunk-Anbieter erst einen laufenden Vertrag kündigen müsse, um beim Abschluss eines Neuvertrags beim selben Provider in den Genuss eines günstigeren Tarifs zu kommen. „Das kann doch nicht sein“, meint er. Und von dieser Haltung sollen künftig seine Kunden profitieren können.

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