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Dienstag, 18. September 2018 28° 1

Pflege

Pflege in Deutschland kurz erklärt

2017 wurde die Einstufung der Pflegebedürftigkeit reformiert. Die „generalistische Pflegeausbildung“ startet 2020.
Von Maria Stich, Wirtschaftszeitung

Fallbesprechung im Krankenhaus. Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe.com
Fallbesprechung im Krankenhaus. Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Berlin.Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege – aktuell gibt es noch für jeden Fachbereich eine eigene Ausbildung, die jeweils drei Jahre dauert. Diese Zeit verbringen die Schüler im Wechsel in einer Pflegeeinrichtung und an ihrer Berufsfachschule. Im Regelfall arbeitet der Auszubildende mehr als die Hälfte seiner praktischen Ausbildungszeit beim Träger der praktischen Ausbildung. Nach der Ausbildung kann er je nach Spezialisierung im Krankenhaus, in Altenheimen oder bei mobilen Pflegediensten angestellt werden.

Ab dem Jahr 2020 gilt die vor zwei Jahren im Pflegeberufsgesetz beschlossene Reform, durch die die drei Ausbildungen zu einer generalistischen Ausbildung zusammengelegt werden. Dadurch sollen Pfleger schneller einsatzfähig sein, bessere Aufstiegsmöglichkeiten haben und flexibler zwischen einzelnen Einrichtungen wechseln können. Im letzten Drittel der Ausbildung besteht aber weiterhin die Möglichkeit, sich auf einen Fachbereich zu spezialisieren.

Eine weitere Gruppe in der Pflegebranche sind neben den eigentlichen Pflegern die Helfer- und Assistenzberufe: Je nach Einrichtung und Region heißen sie Pflegehelfer, Altenpflegefachhelfer oder Pflegeassistent und haben verschieden lange Ausbildungszeiten. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind undurchsichtig und schwer zu durchschauen. Im Unterschied zu voll ausgebildeten Pflegern dürfen Pflegehelfer weder Medikamente verabreichen noch Wunden versorgen, sondern die Patienten lediglich waschen, ihre Haare kämmen oder ihnen beim Anziehen helfen.

Im Januar dieses Jahres waren mehr als 15000 Pflegerstellen offen. Bis 2030 werden nach Prognosen des Deutschen Pflegerats 300000 Pflegekräfte fehlen, davon 200000 allein in der Altenpflege. Die Regierung setzt deshalb verstärkt darauf, Pflegehelfer zu examinierten Fachkräften weiterzubilden. Eine Umschulungsförderung soll zusätzlich neue Arbeitskräfte im mittleren Alter gewinnen, allen voran Frauen, die sich nach der Familienphase beruflich neu orientieren möchten. Gleichzeitig wird der Pflegeberuf durch verschiedene Studiengänge akademisiert, wodurch neue Zielgruppen angesprochen werden sollen. Auf der Seite der Pflegebedürftigen hat sich in den letzten Jahren ebenfalls einiges geändert: Seit 2017 ersetzen fünf Pflegegrade die bisher drei Pflegestufen. Sie bestimmen, wie viel Unterstützung dem Betroffenen zusteht.

Die konkrete Arbeit der Pfleger ist in Deutschland bis in die kleinste Tätigkeit hinein bürokratisiert: 20 Leistungskomplexe – zum Beispiel Teilwaschen, Überwachung von Ausscheidungen oder situationsgerechtes Lagern in der Altenpflege – schreiben jeweils den maximalen Zeitaufwand und eine fixe Kostenpauschale vor. Spielraum für eine individuelle Pflege, die auf die aktuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten abgestimmt ist, gibt es in diesem System kaum.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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