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Druckbranche

Print lebt auch in der digitalen Welt

In Ostbayern ist eine Art Druckkosmos entstanden. Innovative Akteure der Branche konzentrieren sich in der Region.
Von Stephanie Burger, WZ

Papierrollen und Förderfahrzeug im Mittelbayerischen Druckzentrum. Foto: Mittelbayerisches Druckzentrum
Papierrollen und Förderfahrzeug im Mittelbayerischen Druckzentrum. Foto: Mittelbayerisches Druckzentrum

Regensburg.Die Durchschlagskraft des Reformators Martin Luther wäre ohne Johannes Gutenberg nicht möglich gewesen. Mit der Erfindung des mechanischen Buchdrucks mit beweglichen Lettern legte er das Fundament für eine massenhafte Verbreitung von Druckschriften. Gut 500 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks ist die Digitalisierung dabei, die Medienkommunikation und damit auch die Druckbranche fundamental zu verändern. Das bedeutet Konsolidierung, aber auch neue Perspektiven. Jährlich werden weltweit mehr als 400 Milliarden Euro mit Druckprodukten umgesetzt und damit mehr als zum Beispiel in der Automobilindustrie. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Umsatz mit gedruckten Materialien insgesamt noch weiter steigen wird – trotz des Rückgangs im Bereich der grafischen Papiere, die zum Bedrucken oder Kopieren benötigt werden. Drei Gründe werden für das prognostizierte Wachstum angeführt. Erstens steigt die Zahl der Anwendungen – die Druckereien sind nicht mehr nur auf Papier angewiesen, sie können auch Glas, Metall, Stoffe, Holz und viele weitere Materialien bedrucken. Ein zweiter Grund ist der Trend zur Produktindividualisierung und drittens sorgt der zunehmende Onlinehandel dafür, dass immer mehr Verpackungen gedruckt werden müssen. So lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts Mitte 2017 das Produktionsvolumen der Druckindustrie in Deutschland bei 14,5 Milliarden Euro – erwirtschaftet von 8373 Druck- und Medienbetrieben mit insgesamt 135488 Mitarbeitern.

Bayern spielt wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle in der Branche spielt dabei Bayern. Von Papierherstellern über Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlage bis hin zu den Druckereien – in Bayern befinden sich zahlreiche und namhafte Unternehmen, die entlang der Print-Wertschöpfungskette operieren. Rund 21 Prozent der Branchenbeschäftigten entfallen auf den Freistaat, sie tragen mit 27 Prozent zum bundesweiten Umsatz bei. Einen nicht unwesentlichen Anteil hat Ostbayern. Hier gibt es knapp 60 Betriebe im Bereich „Druckereien, Vervielfältigung“. Zum Druckkosmos gehören aber auch die vielen Kreativbüros sowie Werbe- und PR-Agenturen, die durch ihre Anforderungen direkt auf die Druckereien und ihre Spezialisierungen Einfluss nehmen. Ein Großteil der Werbeagenturen in Bayern hat den Sitz in der Landeshauptstadt, aber auch Nürnberg, Erlangen, Fürth und Regensburg sind vielfach vertreten. Ostbayern verfügt zudem mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden und der Technischen Hochschule Deggendorf über zwei In-stitutionen, die den für Druckereien, aber auch für Verlage und Medienagenturen relevanten Studiengang „Medienproduktion und Medientechnik“ anbieten.

Aufgrund dieser regionalen Konzentration und des von Experten prognostizierten Wachstums- und Zukunftspotenzials scheint die Wertschöpfungskette Print geradezu prädestiniert dafür zu sein, sich beispielsweise in einem gemanagten Cluster noch besser zu vernetzen. „Es gibt in der Region viele an der Wertschöpfungskette Beteiligte, Potenzial für Vernetzung, Synergien und Erfahrungsaustausch wäre vorhanden“, sagt Werner Beck, Industrieexperte der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.

Branchenvertreter wie Johannes Helmberger, Geschäftsführer der Druckerei Fr. Ant. Niedermayr GmbH & Co. KG, und Stefan Aumüller, Geschäftsführer von Aumüller Druck, verweisen jedoch darauf, dass die hoch spezialisierte Druckereiwelt von heute ohnehin sehr vernetzt sei und Kooperationen alltägliche Praxis seien. Wie Helmberger erklärt, sei in der Region der Verband Druck und Medien Bayern e.V. (VDMB) sehr aktiv, einen Cluster hält er deshalb für unnötig. Marian Rappl, Leiter Kommunikation des VDMB, macht darauf aufmerksam, dass es einen bayernweiten Cluster Druck und Printmedien bereits gegeben habe, dieser aber 2015 aufgrund einer Neuausrichtung der Clusterpolitik des Freistaats aufgelöst worden sei. „Bayern ist weggegangen von der Clusterförderung und hin zur Förderung einzelner Projekte“, erklärt Rappl und nennt als aktuelle Projektbeispiele die Publikation „Printmedien Bayern“ , die Veranstaltung „Book meets Film“ oder den Ende November 2017 stattfindenden „Future Summit Print“, eine der zentralen Vernetzungsveranstaltungen der Branche.

Verband als dichtes Netzwerk

Aufgrund seiner regionalen Strukturierung stelle der Verband auch in Ostbayern ein dichtes Netzwerk sicher – sowohl unter den Druckereien als auch mit Maschinenherstellern und Zulieferern, so Rappl. „Das ist eigentlich so etwas wie ein Cluster Oberpfalz und viel sinnvoller, weil es eine Einbettung sowohl in den gesamtbayerischen als auch über den Bundesverband in den gesamtdeutschen Kontext gibt.“ Auch Rappl sieht in der Region ein Zentrum des Drucks in Bayern, in dem hoch spezialisierte und innovative Vertreter der Branche ansässig seien, wie zum Beispiel Aumüller und Niedermayr in Regensburg, Meiller in Schwandorf oder Frischmann in Amberg.

Mitglied des 2015 aufgelösten Clusters war auch der Verband Bayerischer Papierfabriken e.V., der in erster Linie die Papierhersteller vertritt. Laut Johanna Morhauser, Referentin Personalentwicklung und Kommunikation, bot der Cluster für die Papierindustrie nur wenige Anknüpfungspunkte. „Das mag daran gelegen haben, dass sich der Cluster aus nachvollziehbaren Gründen vorrangig mit den sich verändernden Geschäftsprozessen in der Druckindustrie beschäftigt hat, wie zum Beispiel mit der Entwicklung von digitalen Inhalten.“

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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