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Recruiting: Ein Kicker reicht nicht mehr

Constanze Buchheim sprach über die Personalsuche der Zukunft und gab Tipps, wie Firmen attraktiver für junge Leute werden.
Von Robert Torunsky

Constanze Buchheim war im Businessclub der Wirtschaftszeitung zu Gast. Foto: Istvan Pinter
Constanze Buchheim war im Businessclub der Wirtschaftszeitung zu Gast. Foto: Istvan Pinter

Regensburg.Durch die Digitalisierung gestiegene Anforderungen und sich verändernde Geschäftsmodelle, eine sich daran zu langsam anpassende Ausbildung sowie der demografische Wandel – die Gründe, warum es in Deutschland derzeit mehr offene Stellen als geeignete Kandidaten gibt, sind vielschichtig. Constanze Buchheim, Geschäftsführerin der I-Potentials GmbH und Vordenkerin im Bereich „Future Leadership“, sieht die Ursache für den Mangel an qualifizierten Kandidaten aber auch im Recruiting-Prozess der Unternehmen begründet.

Ihr Vortrag mit dem Thema „Wie baue ich eine Organisation, die Talente magisch anzieht?“ lockte am Mittwochabend mehr als 50 Mitglieder und Gäste des Businessclubs der Wirtschaftszeitung in das Marinaforum Regensburg. „Unternehmen erwarten von Kandidaten, dass sie in ihren fachlichen Qualifikationen perfekt auf die Anforderungen der offenen Stellen passen und dass sich dann die Traumkandidaten bei ihnen bewerben – weil das schon immer so war“, sagte Buchheim, um den Gästen dann gleich die Realität schonungslos vor Augen zu führen: „Diese Kandidaten bewerben sich heute nicht mehr, sondern lassen sich finden.“

Selbstverwirklichung wichtig

Es genüge schlichtweg nicht mehr, einen Tischkicker, grüne Äpfel und kostenlose Getränke bereitzustellen – allein deswegen seien Unternehmen noch längst nicht attraktiv. „Die Symptombehandlung funktioniert nicht mehr, stattdessen sollte an den Ursachen gearbeitet werden.“ Die Arbeit der Vorgenerationen und mehr als sieben Jahrzehnte ohne Krieg hätten dafür gesorgt, dass Deutschland an dem Punkt angekommen sei, „an dem wir als Nation alles haben“.

Der Businessclub

  • Vortrag:

    Am Mittwoch, 11. September, spricht Zukunftsforscher Erik Händeler über „Die Geschichte der Zukunft. Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen“.

  • Online:

    Weitere Informationen und die Anmeldemöglichkeiten zum Businessclub der Wirtschaftszeitung gibt es online unter businessclub.die-wirtschaftszeitung.de/. Dort kann man sich auch für den nächsten Vortrag anmelden.

Anhand der Maslowschen Bedürfnishierarchie verdeutlichte die renommierte Expertin den vollzogenen Wandel: Während die vorherigen Generationen mit Arbeit ihre physiologischen und Sicherheitsbedürfnisse deckten, stünden für die „Generation Y“, also Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren worden sind, Individualbedürfnisse und vor allem die Selbstverwirklichung an oberster Stelle. „Menschen im digitalen Zeitalter wollen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden“, berichtete Buchheim aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Personalgewinnung. „Es braucht deswegen eine neue Qualität an Führung, denn Führung war noch nie so wichtig wie jetzt“, stellte sie unmissverständlich klar.

In der heutigen Zeit würden laut Buchheims Ansicht nur noch Teams gewinnen, deswegen müssten gerade Familienunternehmen sich öffnen. Das nötige externe Know-how könne durch Mitbestimmungsmöglichkeiten erkauft werden.

Chance für Vorgängergeneration

Auch Stellenausschreibungen müssten ganz anders als bislang formuliert werden, nämlich im Tenor: „Das haben wir vor und dafür fehlen uns Deine Kompetenzen. Bitte melde Dich.“

Angesichts der unterschiedlichen Wertevorstellungen müssten Führungskräfte akzeptieren, dass sie die kommenden 20 Jahre Nacherziehungsaufgaben vor sich hätten. Das sei „herausfordernd, anstrengend und auch frustrierend“. Auf der anderen Seite sei dies eine Chance für die Vorgängergenerationen auf dem Arbeitsmarkt. Der Schlüssel im Recruiting sei nämlich, Menschen zu finden, die zum Unternehmen und seinen Werten passen. „Das können deshalb sehr gerne auch Quereinsteiger sein“, so Buchheim.

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