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Branchentreffen

Rukwied: Massentierhaltung gibt es nicht

Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied weist vor Beginn der Grünen Woche in Berlin Kritik an der konventionellen Landwirtschaft zurück.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied bemüht sich um das Image der konventionellen Landwirtschaft. Foto: dpa

Berlin.Kurz vor Eröffnung der weltgrößten Agrarschau in Berlin hat Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied mit scharfen Worten die konventionell wirtschaftenden deutschen Landwirte gegen Kritiker der Massentierhaltung verteidigt. „Massentierhaltung gibt es in Deutschland nicht“, sagte er in der Eröffnungspressekonferenz der Grünen Woche gestern. Dies sei lediglich ein Kampfbegriff von Gruppierungen, die die Landwirtschaft aufgrund falscher Informationen diskreditieren wollten. „Aber wir lassen uns nicht diffamieren.“

Auch der neue Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wandte sich gegen die Verwendung des Begriffs, denn er sage nichts über den tatsächlichen Tierschutz in einem Landwirtschaftsbetrieb aus. In einem großen Unternehmen, in dem viele Tiere viel Platz hätten und nach modernsten Erkenntnissen gehalten würden, könne der Tierschutz besser gewährleistet werden als in kleinen, veralteten Anlage, sagte Friedrich der MZ.

Der Minister lehnte zugleich eine Frontstellung zwischen Öko-Landwirtschaft und konventionell wirtschaftenden Betrieben als „längst nicht mehr zeitgemäß“ ab. Sowohl Öko-Landwirte als auch konventionell wirtschaftende Bauern handelten „nachhaltig und verantwortungsbewusst“.

Branche ist verhalten optimistisch

Die Ernährungsbranche insgesamt geht verhalten optimistisch in das neue Jahr. Die Stimmung in den rund 290 000 landwirtschaftlichen Betrieben mit über 550 000 Beschäftigten sei „verhalten positiv“, meinte Rukwied. Vor allem die Milchbauern könnten wegen gestiegener Erzeugerpreise in diesem Jahr „zulegen“. Prognosen für die Getreideanbauer seien wegen der globalen Preisentwicklung dagegen schwierig. Die deutsche Agrar- und Ernährungsbranche hat im Vorjahr mehr als 412 Milliarden Euro Umsatz erzielt, rund acht Prozent der Gesamtwirtschaft.

Die Ernährungswirtschaft erwartet nach den Worten von Verbandspräsident Christoph Minhoff weiteres Wachstum vor allem durch steigende Exporte. Nach einem Umsatz von 175 Milliarden Euro im Vorjahr peilt sie dieses Jahr ein Plus von vier Prozent an. Verbraucher müssen sich aus Branchensicht auf weiterhin steigende Preise einstellen. Weil die Rohstoff-, Energie- sowie die Transportkosten kletterten, gehe man „eher nicht von sinkenden Preisen aus“, meinte Minhoff.

Landwirtschaftsminister Friedrich ermunterte die Landwirte zu Investitionen in höhere Tierhaltungsstandards. Ein Jahr nach Einführung des neuen Tierschutzsiegels für Hühner- und Schweinefleisch meinte er, die deutschen Tierhalter sollten dieses Marktsegment schnell erschließen. Die Nachfrage beim Verbraucher sei da. Die Konkurrenz aus dem Ausland schlafe nicht.

Rekordbeteiligung bei der Grünen Woche

Die am morgigen Freitag in den 26 Messehallen unter dem Berliner Funkturm beginnende Internationale Grünen Woche verzeichnet mit 1650 Ausstellern aus 71 Ländern erneut eine Rekordbeteiligung. Bis zum 26. Januar werden etwa 400 000 Besucher, darunter etwa 80 000 Fachbesucher erwartet. Schwerpunkte werden der Biomarkt, die Beteiligungen der Bundesländer, der Erlebnis-Bauernhof sowie Gartenbau, Jagd und Angeln sowie die Tierzucht sein.

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