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Verkehr

Schlechte Zeiten für Mautmogler

Ab Juli gibt’s die Maut auch auf den Bundesstraßen. Gratis Schleichwege sind damit passé. Ein Spediteur aus Cham ist kreativ.
Von Martin Kellermeier

Die neuen blauen Säulen neben den Bundesstraßen sind keine Blitzer. Sie sind Teil des Mautkontrollsystems und überprüfen jedes vorbeifahrende Fahrzeug – auch Autos. Foto: Martin Kellermeier
Die neuen blauen Säulen neben den Bundesstraßen sind keine Blitzer. Sie sind Teil des Mautkontrollsystems und überprüfen jedes vorbeifahrende Fahrzeug – auch Autos. Foto: Martin Kellermeier

Walderbach.Unterm Tag ist es auf dem Betriebshof der Firma Schuierer im Industriegebiet Abtsried in Walderbach im westlichen Landkreis Cham fast menschenleer. Auf der Asphaltfläche, die so groß wie ein Fußballfeld ist, parken sonst 85 gelbe Lastwagen, ausschließlich 40-Tonner. Gerade sind sie fast alle unterwegs – in ganz Deutschland. Rupert Schuierer und sein Team transportieren Güter aller Art für die Automobilindustrie, namhafte Paketzusteller und regionale Spediteure. Nun spricht der Geschäftsführer von einem „gravierenden Einschnitt“. Schuld ist die Lkw-Maut, die ab dem 1. Juli auch auf den Bundesstraßen der Republik fällig wird.

Rupert Schuierer ist Geschäftsführer der gleichnamigen Speditionsfirma im Landkreis Cham. Foto: Martin Kellermeier
Rupert Schuierer ist Geschäftsführer der gleichnamigen Speditionsfirma im Landkreis Cham. Foto: Martin Kellermeier

Diese Neuerung kostet Schuierer viel Geld. Die Lastwagen des Unternehmers verkehren viel auf der Bundesstraße 16 zwischen Walderbach und Regensburg. In der Stadt werden sie beladen, am Betriebsgelände in Walderbach gewartet und betankt. Die Fahrt nach Regensburg wird in sechs Wochen täglich eine teure. Exakt 13,5 Cent muss Rupert Schuierer dann pro gefahrenen Kilometer auf der Bundesstraße an das Kraftfahrtbundesamt überweisen. Ab 1. Januar sind es gar 18,7 Cent. „Das macht Spediteuren auf dem Land, solche wie uns, das Leben schwer“, sagt der 29-Jährige, der die Firma von seinem Vater übernommen hat.

Die Kosten explodieren

Schuierer hat reagiert. Er hat mehrere Shuttle-Autos gekauft, die die Fahrer mehrmals täglich von Walderbach nach Regensburg bringen. Die 40-Tonner bleiben auf einem Abstellplatz bei Regensburg stehen. Das kostet Schuierer zwar Miete, ist aber immer noch billiger, als die Lastwagen pendeln zu lassen. „Vom Zeitaufwand und vor allem von den Mautkosten her wäre das anders unrentabel“, sagt Schuierer.

„Das macht Spediteuren auf dem Land das Leben schwer“

Rupert Schuierer, Transportunternehmer

Vor allem seine Kunden im Regionalverkehr werden künftig für Schuierers Transportfahrten mehr bezahlen müssen. Auf dem Betriebshof in Walderbach steht ein 40-Tonnen-Kipper, der Schotter fährt. Er hat täglich bislang fünf Euro Mautkosten verursacht – weil er fast nur auf Bundesstraßen unterwegs war. Ab Juli werden es wohl rund 30 Euro sein.

Schlupflöcher gibt es für die Trucker nicht. Blaue Säulen, vier Meter hoch, stehen an den Fahrbahnrändern der Bundesstraßen und kontrollieren die vorbeifahrenden Lastwagen. Von jedem Fahrzeug schießt die Säule drei Fotos: ein Übersichtsbild, ein Kennzeichenfoto und eine Seitenaufnahme. Das macht die Säule auch bei Autos. Diese Aufnahme verwirft sie allerdings sofort.

In Bayern gibt es 100 Säulen

Entwickelt hat das System zur Mautüberwachung die Toll Collect GmbH aus Berlin, die damit vom Bundesverkehrsministerium beauftragt wurde. „Personen sind auf den Bildern ohnehin nicht zu erkennen“, sagt Antje Schätzel, Pressesprecherin des Unternehmens. Die Säulen, von denen alleine in Bayern 100 aufgestellt werden, gehen ab 1. Juli in Betrieb.

„Die Zahl der Mautpreller liegt seit Jahren unter einem Prozent“

Antje Schätzel, Pressesprecherin der Toll Collect GmbH

Und das System funktioniert so: Wenn ein Lastwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen nicht den notwendigen Sensor in der Windschutzscheibe hat, meldet das die Säule an ein Kontrollzentrum und übermittelt gleichzeitig die Fotos. Das Mautprellen wird somit bundesweit nahezu unmöglich, da die Mautkontrollgeräte in den Lkws außerdem mit GPS ausgestattet sind. Das Überprüfungssystem hat bislang schon gut auf den Autobahnen funktioniert. „Die Zahl der Mautpreller liegt seit Jahren unter einem Prozent“, sagt Antje Schätzel von der Toll Collect GmbH.

Lesen Sie außerdem: Die Pkw-Maut kommt wohl erst Mitte 2020

Entlastungen bringt die Ausweitung der Maut auf die Bundesstraßen möglicherweise genau auf diesen, da die Strecken jetzt ebenfalls gebührenpflichtig werden. Bei der Einführung der Lkw-Maut auf den Autobahnen im Jahr 2005 gab es zum Beispiel im Kreis Regensburg neuralgische Punkte, an denen Mautmogler für Ärger bei den Anwohnern sorgten. Kurze Zeit später wurden auf der B8 auf den Streckenabschnitten Pfaffenstein-Nittendorf und Rosenhof-Pfatter Durchfahrtsverbote für Lkw mit mehr als zwölf Tonnen angeordnet.

Fahren bald mehr Lastwagen auf den Kreisstraßen?

Wie sich die Ausweitung der Maut auf die Bundesstraßen im Landkreis Regensburg entwickelt, ist für Pressesprecher Hans Fichtl schwer einzuschätzen: „Es könnte auch zu Verkehrsverlagerungen auf das weiter nachgeordnete Straßennetz wie Staats-, Kreis- und Gemeindestraßen kommen.“ Das wünscht sich im Landratsamt Regensburg aber niemand.

Beamte der Landratsämter in Kelheim und Neumarkt erwarten keine Verlagerung. Und Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt Schwandorf, verweist darauf, dass Lkw auf Autobahnen mit 80 km/h fahren dürfen und dort auch Überholen können – anders auf Bundesstraßen. „Das mag dazu beitragen, dass Lkw verstärkt die Bundesautobahn befahren“, sagt Prechtl.

„Der Landkreis Cham kann jetzt aber nicht mehr mautfrei angefahren werden“

Rupert Schuierer, Transportunternehmer

Im Landkreis Cham wird sich nicht viel an der Situation ändern. Hier gibt es ohnehin keinen einzigen Meter Autobahn, den ein Brummifahrer auf einer Bundesstraße hätte umfahren können. „Der Landkreis Cham kann jetzt aber nicht mehr mautfrei angefahren werden“, sagt Fuhrunternehmer Rupert Schuierer. Für die Firmen bedeute das Mehrkosten beim Transport. Unternehmen wie Wäschereien, Gartenbau- oder Handwerksbetriebe müssen ab dem 1. Juli auch zahlen, wenn sie mit ihrem 7,5-Tonner die Bundesstraßen befahren. „Am Ende landen die Mehrkosten beim Verbraucher“, ärgert sich Schuierer. Die Kosten beim Transport waren laut dem Spediteur ohnehin schon vor der Mautausweitung hoch.

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Die Einnahmen der Maut will die Regierung in den Erhalt und den Bau von Straßen stecken. Rupert Schuierer würde sich wünschen, dass von dem Geld auch Park- und Rastplätze entstehen, damit seine Fahrer die Lenk- und Ruhezeiten einhalten könnten. In unserer Region werden aber erstmal bis Ende Juni zehn Kontrollsäulen gebaut. Nur im Landkreis Neumarkt wird es keine geben. Unkontrolliert ein- und ausfahren kann trotzdem keiner.

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