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Verkehr

Schnell, sicher und lokal emissionsfrei

Gespräch mit Dr. Jörg Müller, stellvertretender Leiter Urban Air Mobility bei Airbus, über die Perspektiven von Lufttaxis.
Von Mathias von Hofen

Dr. Jörg Müller: „Wir wollen den heutigen Straßenverkehr nicht in die Luft verfrachten.“ (Foto: Airbus)
Dr. Jörg Müller: „Wir wollen den heutigen Straßenverkehr nicht in die Luft verfrachten.“ (Foto: Airbus)

Toulouse.Herr Doktor Müller, welche Zukunftsperspektiven sehen Sie für Lufttaxis und ab wann rechnen Sie mit einer Zulassung für den Luftverkehr in Deutschland?

Dr. Jörg Müller: Die sogenannten Lufttaxis können dazu beitragen, Menschen in Großstädten mit verstopften Straßen schnell, sicher und umweltfreundlich an ihr Ziel zu bringen. Wir wollen den heutigen Straßenverkehr nicht in die Luft verfrachten, sondern lediglich ein zusätzliches Transportsystem zur Verfügung stellen, ähnlich den heutigen Autotaxis. Die Kosten dafür sollen nicht viel höher liegen als bei einem herkömmlichen Taxi heute. Wir sehen für ein solches Angebot einen enormen Bedarf. Die Zulassung ist dabei tatsächlich die größte Herausforderung. Wir sprechen von autonom fliegenden, elektrischen Luftfahrzeugen. Solche gibt es heute noch nicht und die Regeln für ihre Zulassung und den Betrieb sind demzufolge erst im Entstehen. Darum rechnen wir mit einem kommerziellen Betrieb nicht vor der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts.

In welchen deutschen Städten und Regionen sehen Sie das größte Potenzial für Lufttaxis?

Grundsätzlich sehen wir den größten Bedarf in Megacitys, wie sie vor allem in Asien und dem Mittleren Osten zu finden sind, aber auch in Latein- und Nordamerika. Das Problem mit Staus ist bei uns – zum Glück – nicht ganz so groß. Aber auch in Deutschland sind Städte an den Möglichkeiten interessiert, die die neuen Technologien bieten. Wir arbeiten beispielsweise an einem entsprechenden Projekt mit Ingolstadt zusammen.

Gibt es schon geeignete Landeplätze für Lufttaxis oder müssen diese in Deutschland erst noch eingerichtet werden?

Es geht nicht nur um die Landeplätze, sondern um ein ganz neues Luftverkehrs-Managementsystem in den Städten. Das gibt es heute noch nicht. Wir arbeiten mit unseren Partnern daran, die entsprechende digitale und physische Infrastruktur vorzubereiten. Hier kommen modernste Technologien zum Einsatz und wir wollen, dass Bayern, Deutschland und Europa hier eine Vorreiterrolle spielen.

Worin liegen die wichtigsten Vorteile der Lufttaxis mit batteriebetriebenen Elektromotoren gegenüber den herkömmlichen Helikoptern?

Lufttaxis sind vor allem umweltfreundlicher, weil jeder Flug lokal emissionsfrei erfolgt. Sie sollen außerdem leiser fliegen als klassische Helikopter und einfacher zu warten sein. Allerdings ist auch ihr Einsatzspektrum im Vergleich zu herkömmlich angetriebenen Hubschraubern wesentlich kleiner.

Airbus arbeitet zusammen mit Siemens an einem viersitzigen Cityairbus. Ist dieser bereits im Flugbetrieb getestet worden?

Wir haben im Oktober zum ersten Mal die elektrischen Systeme eingeschaltet – „Power on“, wie das im Fachjargon heißt. Zum ersten Mal abheben wird der City Airbus noch im Dezember oder Anfang nächsten Jahres.

Ist der City Airbus speziell für die europäischen Märkte entwickelt worden oder sehen Sie Absatzmöglichkeiten auch über Europa hinaus?

Wie gesagt sehen wir den größten Bedarf in den sogenannten Megacitys und davon gibt es die meisten außerhalb Europas. Da die meisten Länder auf eine europäischen Zulassung bestehen, ist der City Airbus nach europäischen Qualitätsmaßstäben entwickelt.

Lesen sie dazu auch folgenden Beitrag: Lufttaxis als Verkehrsmittel der Zukunft

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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