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Champion-Serie

Schneller als der Massenmarkt

Die Kelheimer entwickeln Spezialkameras für Forscher, Crashtests und Werbefilme. Sie suchen ständig neue Nischen.
Von Marion Koller

  • Entwicklungsingenieur Sebastian Schiffert schreibt eine neue Software für das Kameraserienprodukt PCO Edge. Fotos: Koller, PCO
  • Gottfried Wagner testet eine Highspeed-Kamera.
  • Dr. Emil Ott hat das Unternehmen 1987 gegründet. In den ersten beiden Jahren wurde das erste Produkt entwickelt. Foto: Koller

Kelheim.Dr. Emil Ott empfängt in seinem Büro mit Blick auf die Donau und das Wittelsbacher Schloss. Hin und wieder ertönt eine laute Bläserfanfare, wenn sich das Firmenhandy meldet. Der 64-Jährige blickt auf eine erstaunliche Erfolgsgeschichte zurück. Sein Kelheimer Unternehmen PCO AG für hoch spezialisierte Kamerasysteme hält sich seit 30 Jahren erfolgreich auf dem Markt, indem es geschickt Nischen nutzt.

„Sie müssen ständig etwas Neues entwickeln, immer weiter machen“, sagt Inhaber und Vorstand Emil Ott. Nur Nischen für aufwendige, komplizierte und teure Kameras lohnten sich für Mittelständler wie PCO. Nachteil: Die Entwicklung dauert lange, aber dafür bleiben große Player wie Sony außen vor, weil sie auf immense Abnehmerzahlen angewiesen sind.

Schnelle Bilder vom Crashtest

Unzählige Neuentwicklungen sind Ott und seinen mehr als 100 Mitarbeitern bisher gelungen. Die PCO AG baut und vertreibt die Kamerasysteme auch. Universitäten und Labore nutzen sie vor allem in den Lebenswissenschaften (Life Sciences). Gentechnik, Mikroskopie, Krankheitserforschung, Tablettendesign und die Testung von Krankheitserregern sind auf Spezialkameras angewiesen.

Unter dem Titel „3D-Patho“ arbeitet die Kelheimer Firma zusammen mit der Universität Göttingen an einer 3D-Mikroskoptechnik für die Pathologie. Das Ziel: Erstmals sollen 3D-Bilder von Patienten-Gewebeproben entstehen. Sie würden eine schnellere und genauere Diagnose erlauben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt.

An der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg nutzt Maschinenbau-Professor Peter Rabl Kamerasysteme von PCO. Er überprüft im Labor Verbrennungsmotoren und Abgaswerte.

Die Kelheimer bauen zudem Hochgeschwindigkeitskameras, die blitzschnelle Bildfolgen liefern. Automobilhersteller brauchen sie für Crashtests. „Da werden 30 bis 40 Kameras in eine Halle und ins Auto montiert. Sie nehmen Bilder auf, während das Auto verschrottet wird“, erklärt Emil Ott. Auch Werbe- und Naturfilmer bedienen sich der Highspeed-Kameras. „Sie haben im Fernsehen sicher genügend Filme gesehen, die mit unseren Kameras aufgenommen wurden“, sagt Ott stolz. PCO ist aber hauptsächlich ein Original Equipment Manufacturer (deutsch: Erstausrüster), der Systeme und Teile zum Beispiel an Zeiss liefert, wo sie in Mikroskope eingebaut werden.

Dr. Emil Ott führt durch die Firma mit den großen Glasfronten. Kurz vor dem Brückentag haben sich viele Mitarbeiter schon ins lange Wochenende verabschiedet. Entwicklungsingenieur Sebastian Schiffert tüftelt noch an einer Kameraverbesserung. Mit Kollegen schreibt er eine Software für eine Platine, die später in das Serienprodukt PCO Edge eingesetzt wird. Wissenschaftler nutzen das Gerät für Mikroskop-Anwendungen. In der Produktion testet Gottfried Wagner eine Hochgeschwindigkeitskamera. In einem Nachbarraum liegen Kameras in hölzernen Messboxen, wo sie auf Herz und Nieren geprüft werden. Alle Testdaten speichert der Hersteller ab.

Die PCO AG beschäftigt im Kelheimer Donaupark knapp über 90 Mitarbeiter, in den USA und Kanada elf, in Singapur drei und in China zwei. Die Spezialkameras gehen in die ganze Welt, der europäische Markt alleine wäre zu klein. „China ist für uns sehr interessant, da wird viel investiert“, sagt Emil Ott. Das Unternehmen wächst. Im Neubau hätten noch 30 zusätzliche Fachleute Platz.

Auf die Idee, eine Firma zu gründen, kam er als Assistent an der TU München. Der junge Elektroingenieur arbeitete mit Messsystemen und dachte sich: „So etwas kann ich selber machen.“ Er sicherte sich Fördergelder und legte los. 15 Gründer aus der Oberpfalz und Niederbayern wurden gefördert. Überlebt hat nur die PCO AG. „Es ist also gar nicht so einfach, eine Firma zu gründen“, stellt Ott lächelnd fest. Eines gehöre dazu: Glück. Gründer müssten aber auch technisch gut sein und Durchhaltevermögen besitzen. „Die Idee alleine reicht nicht. Es kommen Durststrecken. Sie müssen überzeugt sein, denn Sie stecken finanzielle Mittel rein und arbeiten viel.“

Die Familie arbeitet mit

Bei der Gründung 1987 hatten die Kelheimer noch kein Produkt. Die Entwicklung zog sich fast zwei Jahre hin, die der Ingenieur mit Forschungsgeldern überbrückte. Heute ist die PCO AG ein echtes Familienunternehmen. Seniorchefin Karin Ott leitet zusammen mit der älteren Tochter Katharina (36), einer Diplom-Betriebswirtin, den Personalbereich. Tochter Sabine tritt als Ingenieurin in die Fußstapfen des Vaters. Sie promoviert am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching.

Die Serie: Unsere Champions

  • Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer:

    In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind oder in ihrer Nische Beeindruckendes herstellen. Vom Mini-Hubschrauber bis zum Riesenhäcksler ist alles dabei.

  • Die Mittelbayerische

    porträtiert die ostbayerischen „Champions“.

Das Video zeigt eine kleine Tour durch die PCO AG im Kelheimer Donaupark.
Die Kamerasysteme von PCO werden für Crashtests genutzt. Video: PCO
Das Eisvogel-Video wurde mit einer PCO-Kamera aufgenommen. Video: PCO
Die Ästhetik von Wassertropfen, ebenfalls von einer PCO-Kamera gefilmt. Video: PCO

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