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Wirtschaft
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 5

Gesundheit

Schwieriger Abschied vom weißen Gold

Lebensmittelhändler wollen den Zuckergehalt in ihren Eigenmarken reduzieren. Doch Verbraucherschützern reicht das nicht.
Von Erich Reimann, dpa

Die süßen Cerealien sollen künftig weniger Zucker enthalten. Ob sie dadurch gesünder werden, ist allerdings umstritten. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die süßen Cerealien sollen künftig weniger Zucker enthalten. Ob sie dadurch gesünder werden, ist allerdings umstritten. Foto: Patrick Pleul/dpa

Düsseldorf.Deutschlands Lebensmittelhändler haben dem Zucker den Kampf angesagt – zumindest ein bisschen. Allein der Handelsriese Rewe will in diesem Jahr bei rund 100 Eigenmarken-Produkten neue zuckerreduzierte Rezepturen einführen. Und Rewe ist damit nicht einmal der Vorreiter. Der Discounter Lidl etwa hatte schon Anfang 2017 angekündigt, den Anteil an zugesetztem Zucker und Salz in seinen Eigenmarken um je 20 Prozent verringern zu wollen – allerdings erst bis 2025. Auch Edeka und Aldi schrauben an ihren Rezepturen.

Die Herkunft

  • Noch wird der meiste

    Zucker in Europa aus Zuckerrüben hergestellt. Deutschland und Frankreich sichern mit jeweils 24 Prozent fast die Hälfte der europäischen Produktion. Firmen in Großbritannien, Portugal und Rumänien raffinieren importierten Zucker, vor allem Rohrzucker aus Lateinamerika.

  • Die Einfuhren

    unterliegen, bis auf Kontingente aus ausgewählten Drittländern, aber weiterhin hohen Schutzzöllen. Seit Ende 2017 gelten keine Mindestpreise mehr für in der EU angebaute Zuckerrüben. (afp)

Der Hintergrund ist klar: Die Deutschen essen zu viel Zucker. Die Folgen sind oft genug Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Doch der Kampf gegen den übermäßigen Zuckerkonsum ist mühsam. Auch weil es für Verbraucher gar nicht so einfach festzustellen ist, wie viel Zucker sie wirklich zu sich nehmen. Nur der geringste Teil wird bewusst als Würfelzucker, Kandis oder Kristallzucker konsumiert. Ein weit größerer Teil steckt in den Produkten der Lebensmittelindustrie.

Rewe setzt auf Rückmeldung der Kunden

Für Lebensmittelhändler ist die Zuckerreduzierung bei Schokopuddings, Fruchtjoghurts, Cerealien und Erfrischungsgetränken eine Gratwanderung. Denn selbst wenn sie etwas für die öffentliche Gesundheit tun wollen, so fürchten sie sich doch davor, ihre Kunden mit neuen Rezepturen zu verschrecken. Letztlich lasse sich die „gelernte“ Geschmackserwartung nur über einen längeren Zeitraum ändern, heißt es im Handel. Man müsse dem Kunden Zeit geben, sich auf die Veränderungen einzurichten.

Zu viel Zucker ist ungesund. Große Lebensmittelhändler wollen deshalb den Zuckergehalt in ihren Eigenmarken reduzieren, um Fettleibigkeit und Diabetes vorzubeugen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Zu viel Zucker ist ungesund. Große Lebensmittelhändler wollen deshalb den Zuckergehalt in ihren Eigenmarken reduzieren, um Fettleibigkeit und Diabetes vorzubeugen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Rewe geht das Problem in dieser Woche offensiv an – mit einer werbeträchtigen Mischung aus Marktforschung und Marketing. Der Handelsriese bietet seinen Kunden unter dem Motto „Wie viel Zucker brauchst Du noch?“ einen Schokopudding im Viererpack an. Doch enthält nur ein Becher den üblichen Zuckeranteil, bei den anderen Portionen ist der Zuckergehalt um 20, 30 und im vierten Becher sogar um 40 Prozent reduziert. Im Internet können die Verbraucher darüber abstimmen, welche Variante am Ende in die Regale kommt. Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog geht davon aus, dass eine der zuckerreduzierten Varianten gewinnen wird. Doch macht er auch deutlich: „Wenn die Kunden am Ende die Originalrezeptur wollen, werden wir dem entsprechen. Wir wollen die Zuckerreduktion nicht auf Kosten des Geschmacks machen.“

Experte sieht Gesetzgeber in der Pflicht

Der Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das Engagement der Handelsketten deshalb mit gemischten Gefühlen. Prinzipiell sei es zu begrüßen, wenn die Unternehmen versuchten mitzuhelfen, den Zuckerkonsum zu senken. Doch reiche dies bei weitem nicht aus. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, meint Valet. Notwendig sei eine Ampel-Kennzeichnung bei Lebensmitteln, die dem Verbraucher auf den ersten Blick ermögliche, den Zuckergehalt eines Produkts einzuordnen. Schließlich mache auch eine kräftige Reduzierung des Zuckergehalts aus einer Kalorienbombe noch keinen gesunden Snack: „Wenn man in ein hochgezuckertes Müsli 20 Prozent weniger Zucker reintut, wird es nicht viel gesünder.“

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