MyMz
Anzeige

Interview

Sehr guter Technologiestandort

Biopark-Geschäftsführer Dr. Thomas Diefenthal erklärt, warum die Kapitalbeschaffung für Start-ups oft nicht einfach ist.
Von Julia Kellner, Wirtschaftszeitung

Dr. Thomas Diefenthal (Foto: Biopark Regensburg GmbH)
Dr. Thomas Diefenthal (Foto: Biopark Regensburg GmbH)

Regensburg.Herr Doktor Diefenthal, warum fehlen Start-ups in der Wachstumsphase häufig Geldgeber aus dem Inland?

Thomas Diefenthal: Vergleicht man die Hightechländer USA und Europa, fallen sofort unterschiedliche Anlagemöglichkeiten und -mentalitäten auf. So können sich beispielsweise Pensionsfonds in den USA an Risikounternehmen beteiligen, während vergleichbare Fonds in Deutschland einem Spekulationsverbot unterliegen und nur sichere Anlagen und keine Risikobeteiligungen wählen dürfen. So ist es in den USA deutlich einfacher, an Venturecapital und Börsen zu gelangen, als in Europa.

Wie sieht es hier in Deutschland aus?

In Deutschland setzt man derzeit auf sichere Investments wie Immobilien. Hierzu zählen aber nur Büro- und Gewerbeimmobilien sowie Einkaufszentren und Outlets. Sie werden länger nach einem solchen Fond suchen müssen, der etwa in ein Technologiezentrum mit Laboren investiert – das ist zu viel Risiko für die sichere Anlage. Es ist die deutsche Anlagementalität, kein Verlustrisiko einzugehen. In den USA sieht man den möglichen hohen Gewinn von Risikokapital, der dort aber meistens mit Verlusten von Teilen des Investments verbunden ist. Die Nutzung von Venturecapital kann auch nachteilige Folgen für den Standort haben. Im Biotechbereich haben wir das schon öfter erlebt: Das Unternehmen findet hierzulande keine weitere Finanzierung und wird bei einem Investor aus den USA fündig. Dieser verlangt in der Regel, dass der Firmensitz auch dorthin verlegt wird. Der Biopark ist ein Unternehmen der Stadt Regens-
burg – als Teil der kommunalen Wirtschaftsförderung wollen wir die Firmen und Arbeitsplätze am Standort halten und versuchen, wenn möglich gegenzusteuern.

Welche Einflussmöglichkeiten hat der Gesetzgeber?

Der Gesetzgeber hat einen großen Einfluss durch steuerliche Anreize. Als der Biopark 1999 an den Start ging, konnten wir viele private Investoren durch die sogenannten atypischen stillen Gesellschafterbeteiligungen gewinnen. Dieses Investment war direkt im ersten Jahr steuerlich abschreibbar, was viele Investoren nutzten. Der Erfolg von steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten zeigt sich auch bei der Sanierung von Gebäuden. Mit dem neuen Forschungszulagengesetz seit Anfang dieses Jahres, das Steuerersparnisse forschender Unternehmen erlaubt, hat die Bundesregierung einen weiteren Impuls in die richtige Richtung gegeben. Mit einer maximalen Förderhöhe von 500000 Euro pro Jahr ist das aber nur ein erster Schritt. Für das Investment in Hochrisikofirmen, die – wie am Beispiel der Medikamentenentwicklung gezeigt – noch kein Produkt fertig am Markt platzieren können, sollten wesentlich höhere Abschreibungsmöglichkeiten gegeben sein. Sonst investieren die deutschen Investoren ihr Geld nach wie vor in sichere Anlagen wie Immobilien.

Gemessen an Mitbewerbern im Ausland: Ist die regionale Start-up-Szene konkurrenzfähig?

Der Standort Regensburg/Ostbayern ist längst international bekannt als sehr guter Technologiestandort. Die Unternehmen, Universitäten, kleinen und mittleren Unternehmen und auch das Handwerk sind bestens ausgelastet, international vernetzt und sehr erfolgreich. Die Stadt Regensburg hat mit dem Biopark und der Techbase nicht nur zwei Technologie- und Gründerzentren aufgebaut, sondern auch auf europäischer Ebene fünf mit dem Silberstatus ausgezeichnete Clusterinitiativen gegründet: LifeSciences & Healthcare, Sensorik, IT-Security, IT-Logistik und Mechatronik. In diesem Umfeld entwickeln sich Gründungen und hieraus erfolgreiche international tätige Firmen wie zum Beispiel Geneart, das nach dem Börsengang heute mit 265 Arbeitsplätzen am Standort Regensburg Teil des Weltkonzerns Thermo Fisher Scientific ist.

Vor diesem Hintergrund – mit welcher Strategie sollten Start-ups aus der Region bei der Kapitalbeschaffung vorgehen?

Wir haben am Standort Regensburg, in der Oberpfalz und im Freistaat Bayern hervorragende Netzwerke, die Start-ups nutzen sollten, um eine Strategie für die Kapitalbeschaffung auszuarbeiten. Mit der Startup Factory in der Techbase beziehungsweise im Biopark, dem jährlichen Investorenabend in Regensburg, dem Businessplan-Wettbewerb Nordbayern und vielen branchenspezifischen Start-up-Veranstaltungen in Deutschland gibt es genügend Anlaufstellen. Gründer sollten in erster Linie ihr Profil für die Investoren schärfen, nicht unvorbereitet Kapitalgeber ansprechen und in jedem Fall professionelle Hilfe in unseren Netzwerken einfordern. Bei uns haben wir das „BioPark 8 Brain Network“ gegründet, in der acht erfolgreiche Gründer und Unternehmer kostenlos ihre Erfahrung einbringen. Ist das Profil geschärft, kann es losgehen. Mich hat hierzu in den USA der sogenannte Elevator Pitch aus den Hollywoodfilmen geprägt. Sie stehen mit einem Investor zufällig im Aufzug und haben bis zu seiner Etage drei Minuten Zeit, Ihre Idee vorzutragen – das muss klappen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Weitere interessante Wirtschaftsthemen gibt es auch im neuen kostenlosen Newsletter der Wirtschaftszeitung: www.die-wirtschaftszeitung.de/newsletter

Lesen Sie zu diesem Thema auch Start-ups mangelt es an Wachstumskapital

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht