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Smarte Produkte für den Alltag

Ob Waschmaschine, Geschirrspüler oder Abfallcontainer – emz-Hanauer aus Nabburg liefert Technik, die fast jeder im Haus hat.
Von Louisa Knobloch

Geschäftsführer Thomas Hanauer (l.) und Franz Forster, Mitglied der Geschäftsleitung, zeigen die intelligente Mülltonne: Über einen Zugangschip wird erfasst, wie viel Müll in die Tonne geworfen wird. Der Nutzer muss nur das bezahlen, was er auch verursacht – der Anreiz, Müll zu trennen, steigt. Foto: Knobloch

Nabburg.Wer zuhause eine Waschmaschine oder einen Geschirrspüler hat, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Bauteile von der Firma emz-Hanauer aus Nabburg im Haus. Das Familienunternehmen, das in dritter Generation von Thomas Hanauer geleitet wird, stellt unter anderem Türverriegelungen und Sensoren für diese Geräte her – und ist hier Weltmarktführer.

Der Bereich Hausgeräte ist die größte Sparte von emz-Hanauer. „Das ist ein sehr stark konsolidierter, internationaler Markt“, sagt Geschäftsführer Thomas Hanauer. Als Komponentenhersteller zählt emz die Größen der Branche wie Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH), Miele, Whirlpool, Electrolux, LG oder Haier zu seinen Kunden. „In allen relevanten Märkten der Welt findet man unsere Produkte“, so Hanauer. Produziert wird jeweils vor Ort für den lokalen Markt. Neben Nabburg und dem Gründungsstandort Zangenstein – emz steht für „Elektromanufaktur Zangenstein“ – gibt es Fertigungen in Tschechien (seit 1997), Mexiko (seit 2004) und China (seit 2011). Über 1000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute, davon 450 in Nabburg.

Investitionen in die Entwicklung

Zu den Herausforderungen für emz gehört, dass die Materialkosten steigen, während die Preise für die Produkte fallen. „Der Markt steht unter großem Preisdruck“, sagt Hanauer – und den geben die Hersteller an die Zulieferer weiter. Eine Waschmaschine sei heute günstiger als noch in den 1990er Jahren, enthalte aber viel mehr Elektronik und Sensorik als damals. Um weiterhin erfolgreich zu bleiben, setzt das Unternehmen daher auf Produktqualität und Innovationskraft. „Sieben Prozent des Umsatzes fließen in die Produktentwicklung“, so Hanauer.

1990 verlagerte emz den Firmensitz nach Nabburg. Foto: emz-Hanauer

Im Zentrum steht der verbesserte Kundennutzen. Früher sei es beispielsweise nicht möglich gewesen, nach dem Start der Waschmaschine noch vergessene Teile – etwa eine einzelne Socke – nachzulegen. „Mit modernen Türverschlüssen ist das dagegen möglich.“ Spülmaschinen, deren Türen sich nach dem Waschprozess automatisch ein Stück öffnen, sparen Energie, da das Trocknen schneller geht. „Das ist auch deshalb wichtig, weil heutzutage viele Plastikteile mitgespült werden, die schlechter trocknen“, sagt Franz Forster, der in der Geschäftsleitung für das Segment Hausgeräte verantwortlich ist. Über entsprechende Sensoren lässt sich bei Wasch- oder Spülmaschinen je nach Trübung oder Wasserhärte auch automatisch das Waschmittel dosieren.

Geschäftsfelder

  • Hausgerätetechnik:

    Das wichtigste Geschäftsfeld von emz-Hanauer. Das Unternehmen ist beispielsweise Weltmarktführer bei Verschlusssystemen für Geschirrspüler und spielt auch bei Waschmaschinen-Komponenten in der obersten Liga. Weitere Produkte sind unter anderem Sensoren für Waschmaschinen, LED-Module für Haushaltsgeräte, Luftklappensteuerungen oder Wasser- und Eisaggregate für Kühlschränke.

  • Umwelttechnik:

    Angeboten wird ein Zugangskontroll- und Müllmengenerfassungssystem samt Logistik.

  • Haustechnik:

    Produziert werden u. a. Regler für Solarthermie oder Heizung. (hh)

Die Digitalisierung und das Internet der Dinge eröffnen neue Geschäftsmodelle: „Künftig wird es möglich, Hausgeräte abhängig von den Energiekosten zu betreiben“, sagt Hanauer. Sie schalten sich also beispielsweise dann ein, wenn gerade viel Solarstrom zur Verfügung steht. Oder das Gerät stellt fest, dass ein Teil – etwa ein Lager oder der Motor – kaputt geht und informiert den Kundenservice. Der weiß dann auch gleich, um welches Modell es sich handelt und welches Ersatzteil benötigt wird. „Preventive Maintenance“, also vorbeugende Instandhaltung, nennt Hanauer das. „Wir sehen die Chance, unsere Komponenten so weiterzuentwickeln, dass sie den Kunden zusätzlichen Nutzen bringen.“ Neben Türverschlüssen und Sensoren stellt emz auch Beleuchtungstechnik sowie Eis- und Wassersysteme für Kühlschränke her. „In den USA ist das Standard, in Europa bislang eher ein Nischenprodukt.“

Im Video zeigt Manfredi Signorino, Product Line Manager – Lighting bei emz, die Entwicklung eines Prototyps für eine Kühlschrank-Beleuchtung:

Emz-Mitarbeiter Manfredi Signorino, Product Line Manager – Lighting, zeigt die Entwicklung eines Prototyps für eine Kühlschrank-Beleuchtung.

Umwelttechnik-Sparte wächst

Neben den Sparten Hausgeräte und Haustechnik – also Steuerungen für Heizungen oder Solarthermie – hat der 1999 gegründete dritte Geschäftsbereich Umwelttechnik zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Das ist eine Art Start-up innerhalb unseres Unternehmens“, so Hanauer. Die Grundidee ist eine intelligente Mülltonne: Große Müllcontainer für Mehrfamilienhäuser werden von emz mit einer Schleuse auf dem Deckel ausgestattet. Kunden identifizieren sich mit einem elektronischen Schlüssel und werfen anschließend ihren Restmüll in die Schleuse. Das Gerät erfasst die Müllmenge und ermöglicht so eine individuelle Berechnung der Abfallgebühr – jeder bezahlt nur das, was er auch verursacht. „Das führt dazu, dass der Müll deutlich besser getrennt wird“, sagt Hanauer. Mit den gesammelten Daten lassen sich auch die Entsorgungsprozesse verbessern, denn die Tonnen werden nur geleert, wenn sie auch tatsächlich voll sind.

Vor allem in Italien, Frankreich und Spanien ist das System bereits erfolgreich im Einsatz – dort haben Großcontainer Tradition. In Deutschland, wo in der Regel jeder Haushalt seine eigene Restmülltonne hat, laufen bislang Pilotversuche. „Insgesamt nutzen in Europa bereits 900 000 Familien unser System“, sagt Hanauer. Die Digitalisierung macht auch hier Weiterentwicklungen möglich: „Anfangs ging es nur darum, dem Bürger die Müllmenge zuzuordnen, die er verursacht. Jetzt wird es möglich, über das Smartphone mit dem Kunden zu kommunizieren und ihm etwa mitzuteilen, welcher Container noch Platz hat, wenn der ursprünglich angesteuerte schon voll ist“, erläutert Hanauer.

Das Unternehmen emz kann auf eine mittlerweile 70-jährige Geschichte zurückblicken. Eine Party sei aber nicht geplant, so Hanauer. „Wir wollen erst zum 75. feiern.“ Das Jubiläum sieht er vielmehr als Gelegenheit, nach vorne zu schauen: „In den vergangenen sechs Jahren haben wir unseren Absatz nahezu verdoppelt und wir denken, dass wir dieses Wachstum auch in den nächsten drei bis fünf Jahren so weiterbringen können“, gibt sich Thomas Hanauer optimistisch .Die Auftragslage ist gut. „Wir sind in zwar nicht einfachen, aber spannenden Märkten unterwegs, die noch viel Wachstumspotenzial bieten.“ Die Möglichkeiten der Digitalisierung will emz seit Kurzem mithilfe einer „Denkfabrik“ erschließen: Kleine Teams von Mitarbeitern und externen Kräften sollen am Standort Zangenstein neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln und ausprobieren.

Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind. In unserer Serie porträtieren wir die ostbayerischen „Champions“.

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