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Mobilität

So stressig ist autonomes Fahren

Wenn der Computer fährt, soll sich der Mensch entspannen können. So einfach ist das aber nicht – zumindest noch nicht.
Von Viktoria Hingerl, dpa

Mit Fahrsimulatoren führt Professor Bernhard Schick an der Hochschule Kempten Tests durch. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Mit Fahrsimulatoren führt Professor Bernhard Schick an der Hochschule Kempten Tests durch. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Kempten.Einparkassistenten, Regensensoren und Abstandswarner – schon heute sind Autos mit allerlei technischen Helferlein vollgestopft. In Zukunft sollen die Wagen ganz allein fahren können. Etliche Unternehmen arbeiten an dieser Technik. Aber sind die Menschen schon bereit für automatisierte Fahrsysteme? Und reduziert die Technik den Stress am Steuer spürbar?

Diesen Fragen gehen Wissenschaftler der Hochschule Kempten nach. „Wir wollen herausfinden, wie das Auto der Zukunft aussehen muss, damit die Menschen entspannt ihrem Auto vertrauen können“, erklärt Professor Bernhard Schick. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die Menschen bisher nicht so entspannt sind, wenn sie sich ganz auf den Computer-Chauffeur verlassen sollen.

Test bei Tempo 160

Bei den Wissenschaftlern müssen die Fahrassistenzsysteme erst eine Reihe von Tests am Computer bestehen. Dort werden Alltagssituationen auf der Straße simuliert, wie Schnee und Regen oder auf die Fahrbahn springende Tiere. Dann werden die neuen Technologien mit Testfahrern in einem Fahrsimulator getestet. In einer Studie mit 50 Teilnehmern, 36 Männern und 14 Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren, wurde an der Allgäuer Hochschule der Spurhalteassistent unter die Lupe genommen. Dieses System erkennt die Fahrbahnmarkierungen und kann durch leichtes Gegenlenken eingreifen, wenn der Fahrer beispielsweise müde wird und von der Straße abzuweichen droht.

Am Montag wurde bekannt, dass ein selbstfahrendes Auto erstmals eine Fußgängerin getötet hat.

Die Fahrer mussten bei dem Versuch mit bis zu Tempo 160 auf Bundesstraßen und Autobahnen fahren, jeweils mit und ohne Assistenzsystem. Dabei wurde das Stresslevel der Fahrer überprüft, indem Atmung und Puls aufgezeichnet wurden. Das Ergebnis ist für Laien überraschend: „Das Stresslevel stieg bei allen Probanden an, sobald der Spurhalteassistent eingeschaltet war“, sagt die Psychologin Corinna Seidler, die die Tests begleitete. Das äußerte sich durch feuchte Hände sowie Herzrasen und einen gesteigerten Puls. „Im Durchschnitt waren die Probanden deutlich weniger gestresst, wenn sie bei einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern ohne Spurhalteassistent fuhren, als bei 120 Stundenkilometern mit Spurhalteassistent.“

Es ist eine Frage der Gewöhnung

Das liege an zwei Faktoren: Zum einen falle es schwer, die durch jahrelange Fahrpraxis erlernte Kontrolle abzugeben. Zum anderen sei die Technik noch nicht so ausgereift, dass der Assistent nie ausfallen könnte. „Da kam dann bei einigen Probanden nach der Fahrt auch mal der Ausruf: ‚So einen Stress tue ich mir nicht mehr an!‘“, erinnert sich Seidler. Bis Fahrerassistenzsysteme das nötige Sicherheitsgefühl vermitteln, ist es also noch ein langer Weg. „Im Moment ist die Technik noch nicht so weit, dass Unfälle komplett vermieden werden können“, sagt Professor Schick. Dennoch gibt es Studien, die aussagen, bei einer höheren Verbreitung von autonom agierenden Fahrzeugen gäbe es weniger Unfalltote. Diese Berechnungen sind in der Fachwelt aber umstritten.

Inzwischen erlaubt das Straßenverkehrsgesetz teilweise sogar schon autonom fahrende Autos auf den Straßen. Vom Bundesverkehrsministerium wurde etwa die A9 zwischen München und Nürnberg als Teststrecke genehmigt.

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