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Geld

Strafzinsen machen die Sparer nervös

Die EZB-Politik verunsichert Banken und Anleger. Der Ökonom Marc Friedrich sorgt mit ungewöhnlichen Anlagetipps für Furore.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

Das Geld unter die Matratze legen? Nicht alle Finanzexperten finden diesen Rat für sinnvoll.
Das Geld unter die Matratze legen? Nicht alle Finanzexperten finden diesen Rat für sinnvoll. Foto: dpa

Regensburg.Es klingt nach einem skurrilen Anlagetipp, doch Marc Friedrich meint ihn durchaus ernst: „Wenn ich mein Geld in bar unter die Matratze oder in einen Safe lege, dann gehört es mir. Und ich komme jederzeit dran.“ Der Ökonom, der gemeinsam mit Matthias Weik nicht nur als Finanzstrategieberater, sondern vor allem als Autor von Büchern wie „Der größte Raubzug der Geschichte“ und „Der Crash ist die Lösung“ bekannt geworden ist, sieht das Ende des Finanzsystems gekommen. „Die Zeit der Rendite ist vorbei, es geht nur noch um das Bewahren von Vermögenswerten.“ Soeben ist das dritte Werk der Bestseller-Autoren erschienen. Es trägt den Titel „Kapitalfehler. Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen.“

Marc Friedrich diskutierte mit dem ehemaligen Chef der Wirtschaftsweisen Wolfgang Wiegard beim ersten Wirtschaftsforum des Mittelbayerischen Verlages. Dabei ging es vor allem um die Zukunft der Eurozone.

Die deutschen Banken ächzen unter der Zinspolitik der EZB, mit der deren Präsident Mario Draghi die Deflation in der Euro-Zone zu bekämpfen sucht. „Wir sind in Draghis Hand“, sagt Jürgen Gros, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern. Denn Null-Zinspolitik und negative Einlagezinsen bei der EZB bedrohen das Geschäftsmodell der Banken.

MZ-Redakteurin Christine Hochreiter sprach mit dem Vorstand des Bayerischen Genossenschaftsverbands, Dr. Jürgen Gros, über die Folgen der EZB-Politik für die Volks- und Raiffeisenbanken.

Kommentar

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Und so fürchten sich auch Privatanleger vor dem Tag, an dem die Banken das Geld auf dem Konto nicht mehr nur nicht verzinsen, sondern auch noch Geld für die Anlage verlangen. Für Unternehmen ist das bei einigen Banken bereits Realität: „Es gibt erste Banken unter unseren Mitgliedern, die Auslagenersatz fordern, wenn Firmenkunden größere Millionenbeträge auf dem Konto liegen haben. Und ich höre von einigen Banken, die Neukunden ablehnen, wenn es um solche Größenordnungen geht“, sagt Gros. Und damit sind die genossenschaftlichen Volksbanken und Raiffeisenbanken nicht allein: Auch bei der Postbank sei man „schon in der Vergangenheit auf institutionelle (Groß-)Kunden zugegangen, um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung für die Verwahrung ihrer Einlagenpositionen zu finden. Hier waren und sind Verwahrgebühren definitiv ein Thema“, berichtet ein Sprecher.

Wir sind in Draghis Hand“, sagt Jürgen Gros, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern. Foto: GVB
Wir sind in Draghis Hand“, sagt Jürgen Gros, Vorstand des Genossenschaftsverbands Bayern. Foto: GVB

Privatkunden können dennoch erst einmal aufatmen, auch wenn die Sparkasse Oberhausen Mitte März schon einmal mit der Ankündigung vorpreschte, man könne Negativzinsen für reiche Kunden nicht mehr generell ausschließen. Auf dem 25. Sparkassentag betonte Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, nach Medienberichten, dass die Sparkassen die Kunden nicht vor Negativzinsen bewahren könnten, wenn die Niedrigzinsphase weiter anhalte. Die Geldinstitute würden „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen – in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“.

Kleinanleger vorerst verschont

Für den Ökonomen und Buchautor Marc Friedrich wäre ein Crash des Finanzsystems die beste Lösung. Foto: Lex
Für den Ökonomen und Buchautor Marc Friedrich wäre ein Crash des Finanzsystems die beste Lösung. Foto: Lex

Ähnliche Antworten erhält man auf Anfrage auch bei den bayerischen Vertretern der Deutschen Bank, der Sparda-Bank, der HypoVereinsbank, der Commerzbank, der Postbank und den Genossenschaftsbanken. Überall wird über mögliche neue Gebühren oder Kontomodelle nachgedacht, aber Negativzinsen für private Kleinanleger sind momentan noch kein Thema. Und das vor allem auch deswegen, weil man den Kunden das Signal geben will, dass ihr Vertrauen in die Banken weiterhin gerechtfertigt ist.

Dabei gebe es vielfältige Gründe für die momentane Krise, sagt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. „Die Banken schimpfen auf die EZB, aber viele Versäumnisse sind hausgemacht.“ Als Beispiele nennt er die hohen Kosten der teils unrentablen Filialnetze und das Verschlafen der Digitalisierung. Alle Banken müssten nun ihre Geschäftsmodelle überprüfen, Kosten senken und dabei aber den Kunden nicht aus dem Auge verlieren.

Die Banktreue der Deutschen ist zu groß.

Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums
Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, hält viele Probleme der Banken für hausgemacht. Foto: dpa
Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, hält viele Probleme der Banken für hausgemacht. Foto: dpa

Wer jetzt sein Geld anlegen will, der solle sich nicht nur auf seine Hausbank verlassen, rät Gerke: „Die Banktreue der Deutschen ist zu groß.“ Stattdessen sei es wichtig, aktiv nach der Bank mit den besten Konditionen zu suchen. Um sich dann eventuell leicht zu verschulden und damit Vermögen zu schaffen: Durch den Kauf von Immobilien beispielsweise, aber nur dort, wo der Markt noch nicht überhitzt ist. Auch zur Investition in Edelmetalle, in Sparfonds und Indexfonds rät Gerke, je breiter die Investitionen gestreut seien, desto besser. Gerke geht mit den deutschen Banken häufig hart ins Gericht. Hier lesen Sie, was er vor einem Jahr im MZ-Interview zu den (falschen) Weichenstellungen der Deutschen Bank gesagt hat.

Dem Ökonomen Marc Friedrich hingegen fehlt mittlerweile jeder Glaube an eine Zukunft des Finanzsystems. „Der nächste Crash wird kommen“, das ist für ihn klar. Denn ein Finanzsystem, das Schulden mit Schulden bezahle und eine Blase nach der anderen produziere, sei zum Scheitern verurteilt. „Investieren Sie in Sachen, die Sie anfassen können“, rät er. Edelmetalle wie Gold und Silber seien die „Lebensversicherung gegen den Wahnsinn der Banken“, auch Streuobstwiesen, Ackerland oder Wald: Friedrich rät zu direkten regionalen Investitionen. Oder eben zum Bargeld im Tresor. Anderer Meinung ist der Börsenexperte Dirk Müller („Mister Dax“). Ende Januar sagte er im Interview mit MZ-Redakteurin Christine Hochreiter, in diesen Zeiten gebe es für unser Geld keine sicheren Häfen mehr. Auch nicht die Edelmetalle.

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