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Internet

Telekom forciert den Netzausbau

Hybridrouter sollen schnelles Internet ermöglichen – auch auf dem Land. In der Region läuft der Ausbau. Es gibt aber Lücken.
Von Daniel Baierl, MZ

Ein Techniker bei der Arbeit an einem Fernmeldeturm. Bis 2018 will die Telekom fast ganz Deutschlands mit LTE versorgen.
Ein Techniker bei der Arbeit an einem Fernmeldeturm. Bis 2018 will die Telekom fast ganz Deutschlands mit LTE versorgen. Foto: Deutsche Telekom

Regensburg.Videos ruckeln alle fünf Sekunden, große Email-Anhänge laden viel zu lange, und wenn das Wetter schlecht ist, fällt das Internet komplett aus. Wer auf dem Land wohnt, kennt diese Probleme: Schnelles Netz ist dort ein Wunschtraum. Den will die Telekom nun mit einer LTE-Offensive wahr machen. Ähnliches versucht der Wettbewerber Vodafone.

LTE ist die Abkürzung für „Long Term Evolution“ und stellt die neueste Generation des Mobilfunkstandards dar. Dieser Standard ist heute die schnellste Möglichkeit, mobil Daten zu übertragen. In entlegenen Regionen, in denen die DSL-Geschwindigkeit sehr langsam ist, soll ein neuer Hybridrouter Abhilfe schaffen. Der Router schaltet bei Bedarf zum DSL einfach das LTE dazu – und kann so die Bandbreite bis zu verdoppeln.

LTE nicht flächendeckend verfügbar

Auf der Hilfeseite der Telekom häufen sich die Hinweise von Kunden, dass dieses schnellere Internet in ihrer Gemeinde gar nicht angeboten werde. Noch ist LTE nicht flächendeckend verfügbar. „Bis 2018 wollen wir die Abdeckung in Deutschland auf 95 Prozent bringen“, sagt Hubertus Kischkewitz von der deutschen Telekom. „denn der Bedarf an mobilem Internet steigt immer weiter.“ Das LTE-Netz nütze nicht nur Regionen mit langsamem Internet, sondern allen Nutzern. In Zeiten, in denen junge Leute teilweise nur noch Smartphones und keine Festnetztelefone mehr besäßen, vermehre sich die Nutzung des mobilen Internets stetig.

Je nachdem welche Frequenz in der entsprechenden Region zur Verfügung steht, können mit LTE Bandbreiten von 50 Mbit/s bis 300 Mbit/s erreicht werden. Dabei gilt die Regel: Je niedriger das Frequenzband, desto größer der Radius einer Funkzelle. Im ländlichen Raum setzt die Telekom auf LTE im Frequenzband 800 Megaherz. Dabei liegt die Übertragungsrate nur bei 50 Mbit/s, dafür ist eine Funkzelle dann bis zu zehn Kilometer groß. So sollen entlegenen Gegenden schnell abgedeckt werden.

Schwankungen der Geschwindigkeit

Ein weiteres Problem beschäftigt die Kunden auf den Hilfeseiten der Telekom: „Abends oft nur 2 Mbit/s und auch darunter. Scheint, dass LTE komplett wegbricht“, schreibt ein Nutzer. „Ich habe im Download max 3-4 Mbit/s. Und das obwohl man mir im Telekom-Shop gesagt hat, ich könnte bis zu 50 MBit/s buchen.“, beklagt sich ein anderer. Ein erfahrener Kunde kennt das Problem: „LTE ist ein Shared Medium und die Bandbreite, die zur Verfügung steht, teilt sich auf alle Nutzer auf.“

Die Geschwindigkeiten, die mit LTE erreicht werden, unterliegen großen Schwankungen. Die Bandbreite, die in einer Funkzelle vorhanden ist, teilen sich alle Benutzer in dieser Zelle. Das heißt konkret: sonntagmorgens Highspeed-Internet, zu Stoßzeiten unter der Woche lahmt das Netz aber. Um das zu verhindern, forciert die Telekom den schnellstmöglichen Ausbau. „Wenn wir merken, dass eine Zelle dauerhaft an der Grenze ist, suchen wir natürlich neue Antennenstellplätze“, sagt Kischkewitz. „Außerdem soll das LTE noch beschleunigt werden.“ Es sei eine rasante Entwicklung. Bandbreiten, die vor fünf Jahren noch als paradiesisch galten, seien heutzutage zu langsam.

Grenzen gebe es nur beim Aufstellen der Antennen. Nicht jeder Ort ist geographisch dafür geeignet. Außerdem sind die erlaubten Reichweiten der elektromagnetischen Wellen durch Grenzwerte der Bundesnetzagentur festgelegt. Kischkewitz ist trotzdem zuversichtlich: „Der LTE-Ausbau geht täglich voran.“ Insgesamt zeigen sich die Kunden mit den Hybridmodellen sehr zufrieden – wenn in ihrer Gegend LTE verfügbar ist.

In Regensburg schreitet der Ausbau zügig voran. 300 MBit-LTE, wie in München oder Nürnberg, gibt es noch nicht. Die Innenstadt ist aber großflächig mit 150 MBit/s versorgt, ebenso wie der naheliegende Landkreis (Lappersdorf, Obertraubling, Regenstauf). Ab Pettendorf oder Thalmassing müssen sich Kunden allerdings mit 50 MBit/s zufriedengeben. An den Grenzen des Landkreises bleiben noch weiße Flecken: In Umgebungsteilen von Hemau beispielsweise ist noch keinerlei LTE verfügbar.

Auch Kelheim, Schwandorf, Neumarkt und Cham sind im Kern jeweils mit 150 Mbit/s versorgt. Außerhalb der unmittelbaren Stadtgrenzen (Ihrlerstein, Hausen, Willmering, Parkstetten) müssen sich Kunden auf 50 Mbit/s beschränken.

Wie gut die eigene Gemeinde zurzeit versorgt ist, kann jeder selbst auf www.t-mobile.de/netzausbau auf einer Netzausbaukarte nachsehen. Auch zukünftige Ausbaupläne können hier eingesehen werden.

Kritiker bemängeln den LTE-Ausbau allerdings als „Ablenkungstaktik“. Das schnelle Internet auf dem Land solle verschleiern, dass in Deutschland der Ausbau der Glasfaserleitungen seit Jahren im internationalen Vergleich hinterherhinke.

Die Bundesnetzagentur strebt ebenfalls eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet bis 2018 an. Michael Reifenberg, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, erklärt: „Der Staat bleibt neutral bei der Frage, welche Technologie verwendet wird – ob LTE oder Glasfaser. Investitionsentscheidungen liegen in der Hand der Unternehmen.“ Mobilfunkunternehmen hätten nur die Pflicht, sich an die Versorgungsauflagen zu halten. Nach dem Telekommunikationsgesetz gibt es nur den Anspruch auf einen Telefonanschluss, nicht auf einen Breitbandanschluss. Auch gebe es keine Mindestgeschwindigkeit, die Netzanbieter erfüllen müssten. Letztendlich läge es also beim jeweiligen Anbieter, wie er den Ausbau vorantreibt.

Glasfaser und LTE in Konkurrenz

Marcus Pritsch, Projektleiter bei der Stiftung Warentest sagt: „Glasfaser ist natürlich die Zukunft, denn es bietet bedeutend höhere Kapazitäten.“ Andererseits wolle heutzutage niemand mehr auf den Luxus verzichtet, an jedem Ort mobil zu sein, ohne sein Endgerät an die Glasfaserleitung anschließen zu müssen. Wer also große Datenmengen transferiert, wird in Zukunft Glasfaser bevorzugen, wer aber die Gemütlichkeit des WLANs nicht missen möchte, wendet sich an das mobile LTE. „Ich denke, es wird da immer eine Konkurrenz geben.“ Das Ziel der Telekom und der Bundesnetzagentur für 2018 hält Pritsch für eine große Aufgabe. „Ob sie es schaffen, muss beobachtet werden, aber ich gebe mal ein vorsichtiges Nein.“

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