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Trotz Krise: Lammsbräu boomt

Der deutsche Bierdurst hat nachgelassen. Doch der Bio-Pionier aus Neumarkt floriert. Nur die Glaslieferanten setzen ihm zu.
Von Marion Koller, MZ

Das glänzende Herzstück der Biobrauerei: Lammsbräu-Geschäftsführerin Susanne Horn wirft einen Blick in den Kessel. Foto: Koller

Neumarkt.2017 haben die deutschen Brauereien und Bierlager so wenig abgesetzt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Susanne Horn aber, die Generalbevollmächtigte der Brauerei Lammsbräu, ist vollkommen zufrieden mit dem letzten Geschäftsjahr. „Wir hatten ein erfolgreiches Jahr, auch wenn die Branche geblutet hat“, sagt sie bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Neumarkt.

„Wir wachsen gerne, aber nicht zum Selbstzweck.“

Geschäftsführerin von Lammsbräu

Lammsbräu, eine von nur zwei reinen Biobrauereien in Bayern neben dem Riedenburger Brauhaus Krieger, hat den Umsatz um 4,7 Prozent auf 24,3 Millionen Euro gesteigert.

Susanne Horn in der Lammsbrauerei in Neumarkt in der Oberpfalz. Foto: Hubert Bösl

Immer mehr Verbraucher schätzten Ökoprodukte, freut sich Horn. „Wir wachsen stärker als die Branche. Wir wachsen gerne, aber nicht zum Selbstzweck.“ Fünf bis zehn Prozent im Jahr – das könne Lammsbräu bewältigen. Schließlich müssten die Lieferanten der Biogerste und die Beschäftigten „mitgehen“.

Bei der Nürnberger „Biofach 2018“ ab 14. Februar stellt die Brauerei neue Getränke vor: das „Lammsbräu Zwickl“, ein unfiltriertes Helles, das Mischgetränk „Lammsbräu Weiße & Grapefruit alkoholfrei“ und „now Paradise Mint“, eine Biolimonade. „Mit der Weißen, die Grapefruit enthält, betreten wir Neuland“, erklärt Horn.

Kritik am „Glasmonopol“

Zwei Probleme setzen ihr und Co-Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger zu: der Fachkräftemangel und die Lieferzeiten der Glashütten. Um Mitarbeiter zu halten, ergreift Lammsbräu ungewöhnliche Maßnahmen. Wenn ein junger Brauer studieren will, kann er in den Semesterferien weiterhin bei dem Familienunternehmen arbeiten und bezieht den normalen Lohn. „Wir halten engen Kontakt, damit gute Leute nach dem Studium zurückkehren“, sagt Susanne Horn.

Auch in der Logistik werde es schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Weil zwei Bierfahrer in den Ruhestand wechseln, bietet Lammsbräu erstmals eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer an. Das machen sonst nur Speditionen.

Im Video sehen Sie Impressionen aus der Brauerei:

Besuch bei Lammsbräu in Neumarkt

Die Neumarkter füllen aus ökologischen Gründen ausschließlich in Glasflaschen ab, die sie bei zwei einheimischen Herstellern kaufen. Doch deren Lieferzeiten verlängern sich ständig. „Die Glashütten sind ein wirklicher Monopolmarkt. Da kommst du dir wie ein Bittsteller vor“, klagt Geschäftsführerin Horn. Im April und Mai steigt der Getränkeabsatz sprunghaft. Deshalb hat die Brauerei die Glasflaschen jetzt schon bestellt. China drückt zwar in den Markt, doch asiatisches Glas passt nicht zum ökologischen Denken von Lammsbräu.

Das „Glasmonopol“ ist ein Thema für die gesamte Getränkebranche. Ein Mineralwasserabfüller musste wegen verzögerter Lieferungen kurzzeitig die Produktion einstellen.

Zwei Meilensteine hat die Brauerei 2017 geschafft. Sie hat eine Energiezentrale in Betrieb genommen. Gaskessel und eine Mikrogasturbine ersetzen die Heizkessel. Sie versorgen den Standort mit Wärme und liefern die Energie für Sudhaus, Mälzerei und weitere Produktionsanlagen. Das bisher genutzte Öl fällt weg.

So sieht der Rohstoff aus: Auch den Hopfen kann man in der Brauerei erleben. Foto: Lammsbräu

Außerdem ging es 2017 um die nachhaltige Rohstoffbeschaffung. Lammsbräu hat eine Liefergemeinschaft für heimische Zuckerrüben ins Leben gerufen. „Wir wollen neue Bauern motivieren, auf Ökolandbau umzustellen“, sagt Horn. Ziel ist, den Zucker für die Limonaden zu 100 Prozent aus regionalen, verbandszertifizierten Rüben zu erhalten. Die Brauerei hat eigens einen Agraringenieur in Teilzeit eingestellt, der die Rübenbauern berät. „Wenn die das ausprobieren, lassen wir sie nicht im Regens stehen“, betont Chefin Susanne Horn.

Bio-Mineralwasser geht spitze

So sieht der Getränkeabsatz 2017 im Detail aus: Insgesamt verkaufte der Öko-Pionier beinahe 216 640 Hektoliter (ein Hektoliter sind 100 Liter). Den Verkauf von Biobier erhöhte das Unternehmen trotz eines stagnierenden Markumfeldes um fast neun Prozent auf rund 94 168 Hektoliter. Die alkoholfreien Getränke entwickelten sich ebenso erfolgreich: der Gesamtabsatz kletterte um 6,2 Prozent auf 122 470 Hektoliter.

Erneuter Spitzenreiter bei den Zuwächsen im alkoholfreien Bereich war das Mineralwasser Biokristall mit einem Plus von 24 Prozent.

Heuer konzentriert sich das Unternehmen weiterhin auf die nachhaltige Rohstoffbeschaffung, eine für den Kunden transparente Lieferkette und das moderate Wachstum. Das beharrliche Dranbleiben schafft Vertrauen – seit dem Jahr 1800, als die Familie Ehrnsperger die Brauerei übernahm.

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