MyMz
Anzeige

Automobil

Umsatz der Grammer AG wächst deutlich

In der Automobilbranche kriselt es. Das Amberger Unternehmen sieht sich aber gut aufgestellt. Das zeigen auch die Zahlen.

Die Grammer AG ist unter anderem auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung spezialisiert. Foto: Armin Weigel/dpa
Die Grammer AG ist unter anderem auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung spezialisiert. Foto: Armin Weigel/dpa

Amberg.In dem sich eintrübenden Marktumfeld der Automobilbranche mit rückläufigen Pkw-Absatzzahlen hat sich die Grammer AG erfolgreich behauptet. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Im ersten Halbjahr 2019 konnte der weltweite Zulieferer für Innenraumkomponenten und Sitzsysteme demnach bei Umsatz und operativem Ergebnis deutlich zulegen: Der Umsatz wuchs laut Grammer um 13,4 Prozent auf 1 051,5 Millionen Euro (Vorjahr: 927,6 Millionen Euro). Zu dem Anstieg habe die positive Umsatzentwicklung in beiden Konzernsegmenten beigetragen, hieß es.

Ebenfalls deutlich über Vorjahresniveau lag laut Mitteilung das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT): Es verbesserte sich um 19,8 Prozent auf 50,2 Millionen Euro (Vorjahr 41,9 Millionen Euro). Die EBIT-Rendite stieg trotz der Belastungen aus den Integrationsmaßnahmen der TMD Gruppe auf 4,8 Prozent (Vorjahr 4,5 Prozent).

Einen starken Anstieg um 15,7 Prozent verzeichnete auch das um die Währungs- und Sondereffekte bereinigte operative EBIT mit 50,1 Millionen Euro (Vorjahr. 43,3 Millionen Euro). Die operative EBIT-Rendite lag wie das Konzern-EBIT bei 4,8 Prozent (Vorjahr 4,7 Prozent). Das Konzernergebnis nach Steuern steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent auf 27,6 Millionen Euro (Vorjahr 25,2 Millionen Euro).

Positive Umsatzentwicklung

Beide Konzernsegmente konnten im ersten Halbjahr 2019 bei Umsatz und EBIT zulegen. Im Segment Automotive war das Umsatzwachstum von 15,2 Prozent auf 745,0 Millionen Euro (Vorjahr 646,7 Millionen Euro) auf die im Oktober 2018 erfolgreich durchgeführte Akquisition des US-amerikanischen Automobilzulieferers Toledo Molding & Die Inc. (TMD) zurückzuführen. Das Segment-EBIT verbesserte sich auf 28,4 Millionen Euro. Die EBIT-Rendite lag mit 3,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres von 3,5 Prozent.

Das Segment Commercial Vehicles setzte seine Entwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres fort. Absatzsteigerungen in wichtigen Kernmärkten führten zu einem Umsatzanstieg um 7,8 Prozent auf 332,2 Millionen Euro (Vorjahr. 308,3 Millionen Euro). Das Segment-EBIT verbesserte sich ebenfalls leicht um 4,2 Prozent auf 32,5 Millionen Euro (Vorjahr 31,2 Millionen Euro) bei einer im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich gebliebenen EBIT-Rendite von 9,8 Prozent (Vorjahr 10,1 Prozent).

Marktsituation belastet Umsätze in Europa

Auf regionaler Ebene behauptete Amerika bezüglich der Umsatzentwicklung seine Spitzenposition. Insbesondere aufgrund der Übernahme der TMD Gruppe, jedoch auch mit organischem Wachstum durch die Anläufe neuer Projekte, hat sich der Umsatz im Berichtszeitraum mehr als verdoppelt, heißt es in der Mitteilung weiter. Insgesamt stiegen die Umsätze demnach in der Region Amerika auf 304,6 Millionen Euro (Vorjahr 139,0 Millionen Euro). In der Heimatregion EMEA verzeichnete Grammer aufgrund der anhaltend angespannten Situation in der europäischen Automobilbranche einen deutlichen Umsatzrückgang auf 595,2 Millionen Euro (Vorjahr 636,7 Millionen Euro). In der Region APAC lag der Umsatz mit 151,7 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau (Vorjahr 151,9 Millionen Euro).

Der Bau des neuen Technologiezentrums und neue Bilanzierungsvorschriften führen laut Unternehmensangaben zu höheren Investitionen in 2019. Die Investitionen des Grammer Konzerns fielen demnach mit 56,0 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019 doppelt so hoch aus wie im Vorjahr (Vorjahr 23,0 Millionen Euro). Dieser Anstieg resultiert insbesondere aus dem im Jahr 2018 begonnenen Bau des neuen Grammer Technologiezentrums und der neuen Konzernzentrale in Ursensollen bei Amberg.

Neubau

Grammer: Richtfest für die Zentrale

Auf dem Firmen-Campus entsteht auch ein Technologiezentrum. Das Unternehmen investiert über 40 Millionen Euro.

Der erste Bauabschnitt soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Hinzu kamen Investitionen in der neu erworbenen TMD Gruppe. Außerdem sind seit dem 1. Januar 2019 neue langfristige Mietverträge in Höhe von 9,4 Millionen Euro in den Investitionen enthalten.

Grammer Vorstand seit Anfang August komplett

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres konnten alle zum Jahresende 2018 vakant gewordenen Vorstandsposten neu besetzt werden. Im März 2019 hat der Aufsichtsrat der Grammer AG Jurate Keblyte als neuen CFO in den Vorstand berufen. Zudem erfolgte im April die Bestellung von Thorsten Seehars zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Grammer AG. Beide neuen Vorstandsmitglieder haben ihre Arbeit Anfang August aufgenommen. Das Vorstandsmitglied Manfred Pretscher scheidet wie geplant zum 31. August 2019 aus dem Unternehmen aus. Bereits am 1. Januar 2019 hatte Jens Öhlenschläger die Position des COO übernommen. Mit den Neubesetzungen wurde der Vorstand der Grammer AG nun langfristig komplettiert.

Gesamtjahresprognose für 2019

Für das Gesamtjahr 2019 geht der Grammer Vorstand von einem sehr herausfordernden konjunkturellen Umfeld aus. Insbesondere die Entwicklungen im Automobilmarkt sowie Einflüsse aufgrund anderer geopolitischer Problemfelder könnten negative Auswirkungen auf die Geschäfts- und Ertragslage von Grammer haben.

Durch den zusätzlichen Umsatz aus dem Erwerb der TMD Gruppe und das Wachstum im Segment Commercial Vehicles prognostiziert der Vorstand in 2019 einen Konzernumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Dementsprechend wird ein absolut gesehen gutes EBIT erwartet, das sehr deutlich über dem EBIT des Geschäftsjahres 2018 von 48,7 Millionen Euro liegen wird.

Der vollständige Halbjahresbericht 2019 des Konzerns steht auf der Unternehmenswebseite unter folgendem Link zur Verfügung: https://www.grammer.com/investor-relations/finanzpublikationen.html

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Weitere Wirtschaftsnachrichten finden Sie hier.

Das Unternehmen Grammer

  • Historie:

    Willibald Grammer gründet das Unternehmen als Sattlerei im Jahr 1880 in Amberg. 1954 entsteht die Grammer AG, gegründet von Enkel Georg Grammer. In den 80er Jahren Einstieg in die Produktion von Lkw- und Bussitzen sowie von Bürostühlen. Hinzu kommen Pkw-Innenausstattung und 1990 Sitze für den ICE. 1996 Börsendebüt, 1998 tritt Georg Grammer als Vorstandschef zurück und wechselt in den Aufsichtsrat.

  • Einschnitt:

    2000 ist Grammer sanierungsbedürftig. 2011 Einstieg in den Bereich Elektronik. 2017/18 greift die Investorenfamilie Hastor nach Grammer. Die Amberger gehen in eine heftige Abwehrschlacht. Die chinesische Ningbo Jifeng übernimmt die Mehrheit und hält heute 84 Prozent.

  • Zahlen:

    16 000 Beschäftigte weltweit, Umsatz Q1 2019 plus 17,5 Prozent auf 534 Mio. Euro, Ergebnis (Ebit) 24,0 (plus 3,6) Mio. Euro.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht